Kehler Mediathek startet nach Pause wieder durch

Fünf Kinder wollen Kuh Lieselotte sehen

Autor: 
Simona Ciubotaru
Lesezeit 3 Minuten
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08. Juli 2020

Schauspielerin Anke Scholz gab in der Kehler Mediathek ihr Bestes, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Doch für ihre eigene künstlerische Zukunft sieht die Pfälzerin ziemlich schwarz. ©Simona Ciubotaru

Mit dem Figurentheaterstück „Kuh Lieselotte macht Urlaub“ startete am Montag auch die Kehler Mediathek wieder durch – nach drei Monaten Corona-bedingtem Stillstand.

Auf den Treppenstufen der Mediathek standen sie geduldig, warteten still darauf, dass sie eintreten dürfen – fünf zarte Gestalten. Kleine Hände in der schützenden Hand der Mama, der Oma oder des Opas. Dann hieß es, brav die Händchen zu desinfizieren, sich von den Mitarbeitern der Mediathek in den Saal begleiten zu lassen, sich hinzusetzen und der Aufführung ruhig zu folgen. Es stehen wenige Stühle da, denn wegen den Hygienemaßnahmen ist kein großes Publikum in diesen Räumen möglich.

Liebevoll und sehr lustig inszenierte die Pfälzer Schauspielerin Anke Scholz die Geschichte der Kuh Lieselotte, eine beliebte Figur der Kinder- und Filmliteratur. Die Kuh, die das Postaustragen mit viel Elan ehrenamtlich betreibt, möchte auch Urlaub machen. Am besten in Indien. Jedoch wartet sie umsonst auf den Bus, und während des Wartens entdeckt sie die saftige Wiese von nebenan. Die Tiere auf dem Bauernhof beobachten sie und wollen ihr den Urlaub zu Hause schmackhaft machen, indem sie eine große Party inszenieren. Lustige Dinge spielen sich da ab – die jodelnde Ziege, die herumtanzenden Hühner, das schräg singende Schweinchen, Diskomusik und Lichterketten. Bloß Lieselotte will nicht nach Hause. Nur der Duft ihres Lieblingskuchens kann sie letztendlich umstimmen.

Alle Register gezogen

Scholz bewies viel Humor und zog alle Register der Schauspielkunst, vor allem die der nonverbalen Kommunikation und Situationskomik. Jedoch fehlte bei der Aufführung das wichtigste Elemente für eine gelungene Show – Kinder in großer Menge, die mit singen, klatschen, dazwischenrufen und mittanzen. Die fünf Kinder genossen sichtlich die Aufführung, aber es kam keine Reaktion von ihnen, nur ihre Augen lachten.

Man merkte den Kleinen an, dass die Maßnahmen „Nicht singen, nicht ohne Mund-Nase-Schutzmaske herumlaufen, nicht laut reden, nicht tanzen, nicht jubeln!“ sie einschüchterten, und so reagierten sie auch.

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Und während die Menschen Rücken an Rücken, Gesicht dicht vor anderen Gesichtern in der Straßenbahn zwischen Kehl und Straßburg und oft auch im Zug zwischen Kehl und Offenburg verkehren, sich im Europa-Park in Horden vergnügen, zu Hunderten und Tausenden ungeschützt demonstrieren und Fußball spielen, gehen Theatern, Chören, Symphonie-Orchestern und größeren Bands gerade die Luft aus, weil man wegen Corona die Abstandsregeln einzuhalten hat.

Der Aufwand der Kulturveranstalter ist sehr groß – bei Null Gewinn. Viele Institutionen sollen keine Künstler mehr bezahlen und keine Aufführungen mehr anbieten können, weil sie die Gelder in die Hygienemaßnahmen investiert hätten, erzählte mit Tränen in den Augen Anke Scholz, die durch die Coronakrise praktisch ruiniert wurde. „Zwanzig Aufführungen wurden mir abgesagt, von einem Veranstalter bekam ich gerade mal die Hälfte des Honorars.“ Die Pfälzerin weiß nicht ein noch aus und befürchtet, wenn es so weiter gehen sollte, dass das Theater aussterben werde.

Man könne auch für den Rest des Jahres nichts planen, denn sie bekäme keine Zusagen für weitere Termine, klagte die Schauspielerin weiter.

Düstere Vorhersage

„Solange Künstler und Kultur so wenig Wertschätzung seitens der Politik erfahren und wenig bis gar keine reale finanzielle Unterstützung erfahren, gibt es keine Zukunft für uns mehr“, meinte Scholz. 

Eine düstere Prognose für das, was das Niveau einer Zivilisation definiert – Kunst und Kultur. Denn Auto-Reifen und Turnschuhe hat man wohl nicht auf die Reise durch die Galaxie geschickt als Botschafter der Erde.

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