Kehl

Gästeführung Kehl: Von Wasserproblemen und Brücken

Von Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 5 Minuten
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09. Juli 2024
Im Trockenen: Geschützt unter der Tram-Brücke vor dem Dauerregen lassen sich die 25 Teilnehmer an der Gästeführung durch das Gartenschaugelände von Klaus Gras (7.von links) die Geschichte der Kehler Brücken erzählen. Aufmerksame Zuhörer sind die Vorsitzenden von Bürgerstiftung und Garten/Jardin, Barbara Tonnelier (rechts, etwas verdeckt) und Christel Schumm (11. von rechts).

(Bild 1/3) Im Trockenen: Geschützt unter der Tram-Brücke vor dem Dauerregen lassen sich die 25 Teilnehmer an der Gästeführung durch das Gartenschaugelände von Klaus Gras (7.von links) die Geschichte der Kehler Brücken erzählen. Aufmerksame Zuhörer sind die Vorsitzenden von Bürgerstiftung und Garten/Jardin, Barbara Tonnelier (rechts, etwas verdeckt) und Christel Schumm (11. von rechts). ©Hans-Jürgen Walter

Kürzlich fand eine Gästeführung von Klaus Gras für die Bürgerstiftung Kehl und den Verein Garten/Jardin statt – anlässlich der beiden Jubiläen 250 Jahre Stadtrechte Kehl und 20 Jahre Landesgartenschau Kehl.

Sie treffen sich zum „Rendezvous am Rhein“ – so wie die 1,4 Millionen Besucher der Landesgartenschau 2004 an 171 Festtagen mit über 3000 Kulturveranstaltungen. 20 Jahre später ist es eine 25-köpfige Gruppe der Bürgerstiftung Kehl und des Vereins Garten/Jardin, die im Garten der zwei Ufer bei einer kostenlosen Führung mit Gästeführer Klaus Gras auf den Spuren des ereignisreichen wie bedeutungsvollen grenzüberschreitenden Festivals wandelt. Begleitet von Dauerregen – genau wie am letzten Tag der Gartenschau.

Begonnen wird die Exkursion gut „beschirmt“ am Bahnhof. Barbara Tonnelier und Christel Schumm, die Vorsitzenden von Bürgerstiftung und Garten/Jardin, freuen sich, dass zu dem Beitrag im Rahmen der Veranstaltungen zu 250 Jahre Stadtrechte Kehl trotz des schlechten Wetters so viele gekommen sind, die sich mit Klaus Gras an das Geschehen im 27 Hektar großen Kehler Garten erinnern wollen. Für die französischen Gäste übersetzt Ulf Behringer die Erläuterungen. 34 Hektar hatte der Jardin am Straßburger Ufer umfasst. Auf diesem Parkgelände mit 61 Hektar waren fast 1000 Bäume gesetzt und rund 340.000 Blumen gepflanzt worden.

Von den Blumenwiesen gibt es nicht mehr viele. Doch die Bäume wachsen und gedeihen prächtig. Sie, erzählt später Klaus Gras, ersetzen am Kehler Rhein-Ufer den ursprünglich dichten Pappel-Bewuchs: Die Franzosen sollten nicht nach Kehl schauen können. Allerdings habe es auf französischer Seite einen ebenso „dichten Wald“ gegeben. Zur Gartenschau wurden mit Scharten im Hochwasserdamm drei Sichtachsen geschaffen, die ihre Fortsetzung am gegenüberliegenden Ufer fanden.

Zunächst passierte die Gruppe den Ortenau-Platz am einstigen Tor zur Gartenschau, auf dem die Namen der Städte und Gemeinden des Ortenaukreises in Bodenplatten eingelassen sind. Außer Funktion ist die Springbrunnengalerie, die vom Bahnhof zum Gartenschaugelände und zum Rhein führen sollte. Eigentlich hat sie noch nie richtig funktioniert. „Das ist weniger schön“, urteilt Klaus Gras, der auf ein weiteres Wasserproblem an der elf Meter hohen Stele „transversal“ des Freiburger Künstlers Jochen Kitzbihler auf dem Mittelstreifen der B28 an der Bahnhofskreuzung hinweist. Ursprünglich sollte Wasser von oben nach unten rieseln. Doch weil es Kalkspuren an den Granitblöcken aus dem Schwarzwald und den Vogesen hinterlassen hätte, wurde es abgestellt.

Derweil ignoriert die Gruppe weiterhin das „Wasserproblem“ von oben. Beim Gang über den einstigen Zollhof erfährt sie, dass vor dem „Schengener Abkommen“ bis zu 450 Mitarbeiter in Kehl mit Zollkontrollen beschäftigt gewesen seien. Nun soll das Areal überbaut werden. Weil das aber dauert, kann zunächst für fünf Jahre der K-Beach hier Gäste bewirten.

Von Nazis ermordet

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Manches hat sich verändert in den zwei zurückliegenden Jahrzehnten. Eine Veränderung ist die am 28. April 2017 eröffnete Beatus-Rhenanus-Brücke. Seither fährt die Linie D der Straßburger Tram über den Rhein, erst bis zum Kehler Bahnhof, seit 8. Dezember 2018 bis zum Rathaus. Unter dieser Brücke im Trockenen stehend fällt der Blick auf die 1960 erbaute Europabrücke, an deren Kehler Uferpfeiler ein Gedenkschild angebracht ist für die französischen Résistance-Kämpfer, die am 23. November 1944 von den Nazis am Rheinufer ermordet wurden. Neun stählerne Grenzrosen an unterschiedlichen Standorten erinnern zudem an diese neun ermordeten Widerstandskämpfer des Réseau Alliance. Die letzten beiden Grenzrosen haben im November 2014 neben der Passerelle ihren Platz gefunden – eine am Kehler und eine am Straßburger Ufer.

Vier Gedenksteine gibt es im weiteren Verlauf der Promenade am Rheinufer an der Stelle, an der Pioniere umgekommen sind. Zu einer Art „Gedenkstein“ ist mittlerweile auch der „Ökumenische Meilenstein“ geworden: Von den sechs evangelischen und zwei katholischen Kirchen, die zur Jahrtausendwende eingemeißelt worden sind, existiert die Martin-Luther-Kirche nicht mehr. Der Meilenstein steht am Zugang zum Biblischen Garten mit 17 Säulen mit Motiven aus dem Alten und Neuen Testament. Ergänzt wird das Thema seit Oktober 2008 durch die Sandsteinstele des Kinzigtäler Jakobuswegs bei der Passerelle.

Zusammen mit dem Weißtannenturm ist die Passerelle des deux Rives (Brücke der zwei Ufer) nach dem Entwurf des Pariser Architekten Marc Mimram das prägende Bauwerk der Gartenschau. Ein Großfeuerwerk beschert die Europastadt Straßburg an der Passerelle den zehn Beitrittsländern, die am 1. Mai 2004 neue EU-Mitgliedsstaaten werden. Und am 4. April 2009 treffen sich anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Nato die Staats- und Regierungschefs der Bündnis-Staaten, unter anderem mit US-Präsident Obama und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, auf der Rheinbrücke zum symbolischen Handschlag.

Symbolisch ist auch die Skulptur „Begegnung“ des Münchner Bildhauers Josef Fromm am Fuß der Passerelle, initiiert bereits 1994 vom Kunstförderkreis Kehl. Dieser hat sich auch für das symbolträchtige bronzene Geschichtsband „Stadttor“ des Bildhauers Kurt Tassotti eingesetzt, das noch rechtzeitig zum Ausklang des Jubiläums 100 Jahre Vereinigung von Dorf und Stadt Kehl im November 2010 im Rheinvorland aufgestellt worden ist.

Beliebter Spielplatz

Bevor am Wasserband zum Altrhein abgebogen wird, fällt der Blick auf das Ufo. Das Unbekannte Forst-Objekt in Höhe des Haus der Jugend wird von der Stadt Kehl für umweltpädagogische Zwecke genutzt. Das zur Landesgartenschau 2004 installierte Wasserband, das den Rhein mit dem Altrhein verbindet, ist der beliebteste Spielplatz in Kehl. Um den guten Zustand kümmert sich ein Team von Senioren, wie es bei der Gästeführung hieß, mittlerweile auch mit französischer Beteiligung. In der „Rheinschneck“ auf dem Spielplatzareal ließ man den Tag ausklingen. Hauptgesprächsthema dabei das Festival des deux Rives und die Erinnerung an das Rendezvous am Rhein!

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