Konzertreihe "Musica Sacra"
Dossier: 

Gegen Angst und Tristesse

Autor: 
Simona Ciubotaru
Lesezeit 3 Minuten
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22. Oktober 2020

Nur sieben Mitglieder des Kammerensembles Kehl-Strasbourg konnten coronagerecht im Altarraum der Friedenskirche konzertieren. ©Simona Ciubotaru

Unter strengen Hygienemaßnahmen, mit nur sieben Musikern aus dem Kammerensemble Kehl-Strasbourg und nur für 42 Zuhörer, fand am Sonntag das „Konzert für die ganze Familie“ statt.

Das „Konzert für die ganze Familie“, welches im Rahmen der „Musica-Sacra“-Veranstaltungsreihe traditionell vom Kammerensemble Kehl-Strasbourg in der Friedenskirche gespielt wird, stand durch die Ankündigung der Politik, die Einreisebestimmungen zu verschärfen, am Freitag plötzlich in der Schwebe.

Die Konzertmeisterin des Orchesters, Suzanne Da Costa-Kunz, und Bezirkskantorin Carola Maute telefonierten rege miteinander – es hieß, der Dirigent des Ensembles, Gabriel Mattei, zudem auch die zwei Solisten, Clémence Ganet (Oboe) und Damien Galant (Oboe), würden eine Sondergenehmigung benötigen, um nach Kehl einreisen zu dürfen. Und ob man unter diesen Umständen überhaupt noch spielen könne? Die Gäste aus Straßburg begannen schon abzusagen.

Dann kam die große Erleichterung: Ja, das Konzert findet statt, die Straßburger dürfen kommen.

Musikbetrieb in Corona­zeiten: Zittern, zweifeln – nein, stark hoffen! Wochen im Voraus nach Lösungen suchen. Nur noch sieben Musiker des Ensembles wurden ausgewählt, das Repertoire angepasst. Das Publikum leidet unter der Behinderung des Kulturbetriebs, die Älteren überwinden gar Todesängste, kommen in die geschlossenen Räume, um Balsam für die Seele zu empfangen: Schönheit, zeitlose Musik, Gemeinsamkeit, das Feierliche und die geheime Chemie, die Musiker und Auditorium miteinander verbindet – durch Streaming und Musikkonserven nicht ersetzbar.

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Die Protagonisten strahlten vor Vorfreude. Gabriel Mattei ist ein Meister der leisen, samtenen Klänge, ein begnadeter Dirigent – die exzellenten Musiker agierten unter seiner Leitung wie ein einziges Wesen, sehr gut aufeinander eingespielt. Still, wie eingeschüchtert, kamen dann die Zuhörer – die meisten ältere Leute, aber auch eine Familie mit Kindern war dabei. Für 45 Minuten von Schönheit und Magie, denn länger durfte die Veranstaltung nicht dauern.

Aber dass man „auch mit einem kleinen Orchester große Musik machen kann“, wie Mattei vor dem Konzert sagte, wurde an dem Tag durchaus bewiesen. Die Musiker glänzten mit Vivaldis Konzert in D-moll für zwei Oboen und Orchester, mit Telemanns Sinfonia Melodica für 2 Oboen und Streichorchester, bei denen auch Carola Maute als Pianistin mitwirkte.

Positiv überraschte der Auftritt des jungen Talents Lisa Ruprecht, im Konzert für Posaune und Orchester von Rimski-Korsakow. Die zierliche Musikerin zeigte in ihrem Solo Nuancenreichtum und Sensibilität. Wunderbar und stellvertretend für ein ganzes Orchester begleitete sie Bezirkskantorin Carola Maute an der Orgel.

Viel Applaus und Blumen für die Künstler, Danksagungen, Zugaben folgten. Und dann die Tristesse des Abschieds, zurück in die Ungewissheit der Corona-Zeit.

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