Moscherosch-Schule Willstätt

Gemeinschaftsschule entlässt erste vollwertige Realschüler

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
16. Juli 2020

(Bild 1/2) Die Moscherosch-Schule Willstätt verabschiedet demnächst ihren ersten Realschüler-Jahrgang. ©Gemeinde Willstätt

Im Herbst 2014 ging die Willstätter Gemeinschaftsschule an den Start. Nun verlässt der erste Jahrgang die Moscherosch-Schule mit einem vollwertigen Realschulabschluss. 

Gelobt, gepusht, kritisch beäugt oder verlacht – es gab viele Stimmen, als im Land die Gemeinschaftsschule eingeführt wurde. Die Willstätter Haupt- und Werkrealschule war eine der ersten in der Region, die auf den neuen Schultypus umstellte. 43 Grundschüler aus Willstätt und Kehl traten im Schuljahr 2014/15 an, um auszuprobieren, wie das gemeinsame Lernen auf unterschiedlichen Niveaus funktioniert. Lehrerin Birgit Bläsi hat die Lerngruppe von Anfang an begleitet. „Kinder sind immer verschieden“, sagt sie. „Aber das Spektrum war schon breiter als in einer ‚normalen‘ Werk­realschulklasse.“

Prinzip heißt: „Schule für alle“

Das Prinzip heißt: „Schule für alle“. Es gibt natürlich gemeinsamen Unterricht, aber auch Still-, Gruppen- und Partnerarbeitszeit, in denen die Schüler je nach Leistungsstand und -fähigkeit Aufgaben bearbeiten. Der Lehrer hat dann die Möglichkeit, Einzelne gezielt zu fördern oder Schüler mit unterschiedlichem Wissensstand in Gruppen zu vermischen: „Ich habe den Eindruck, dass alle davon profitiert haben“, so Birgit Bläsi. 

Verschiedene Zu- und Abgänge

16 Schüler aus diesem ersten Jahrgang haben nun den Realschulabschluss abgelegt, 36 hatten sich im letzten Jahr für den Hauptschulabschluss entschieden. Die Differenz kommt durch verschiedene Zu- und Abgänge von anderen Schularten: „In der 8. Klasse waren es zeitweise über 60 Schüler“, sagt Schulleiter Bertram Walter. 

Für Carina Mühlbauer aus Neumühl war die Schulwahl „Familiensache“ – schon ihre Geschwister gingen nach Willstätt, als die Moscherosch-Schule noch eine Werkrealschule war. Sie konnte klar von dem Niveau-System profitieren: „Mit Deutsch und den Sprachen hatte ich meine Probleme, aber in Mathe war ich super“, erzählt sie. Dort konnte sie zeigen, was sie kann, in den anderen Fächern hat sie sich emporgearbeitet. 

„Ich war kein Lernkind“

Vera Lutz aus Hesselhurst kam trotz Gymnasialempfehlung auf die GMS: „Ich war kein Lernkind“, sagt sie. Sie hat die ganze Schulzeit über das höchste Niveau gehalten – und wird jetzt auf dem sozialwissenschaftlichen Gymnasium in Achern das Abitur anstreben. Dion Katriu dagegen wechselte in der 7. Klasse vom Einstein-Gymnasium auf die GMS: „Es war mir zu stressig, außerdem musste ich immer so früh aufstehen“, sagt der Willstätter. Daran wird er sich nun wieder gewöhnen müssen: Er macht nach den Sommerferien auf dem Wirtschaftsgymnasium weiter, das bei den Beruflichen Schulen Kehl angesiedelt ist.

- Anzeige -

Vier machen eine Lehre

Fabian Fehl dagegen wird im Herbst eine Ausbildung zum Elektroniker beginnen. Insgesamt machen vier Schüler eine Lehre, zwei ein FSJ; der Rest wird weiter die Schulbank drücken: „Der Trend geht zu einer weiteren schulischen Ausbildung“, sagt Bertram Walter. Ein Grund sei, dass bei vielen Ausbildungsgängen im ersten Jahr das Berufskolleg steht – so wie bei Carina: Sie will Erzieherin werden. 

Ruhige Prüfungsvorbereitung wegen Corona

Die Corona-Zeit haben die Schüler für die Vorbereitung eher als positiv empfunden, da sie das eigenverantwortliche Arbeiten gewohnt waren. „Ich konnte viel ruhiger lernen“, sagt Dion. Bearbeitete Aufgaben und Fragen konnten die Schüler ihrer Lehrerin jederzeit schicken – die Antwort kam postwendend. „So individuell hätte ich sie im normalen Unterricht nie vorbereiten können“, sagt Birgit Bläsi. 

Feierlicher Abschluss

Nächste Woche stehen noch die mündlichen Prüfungen an; am Freitag, 24. Juli, findet die Abschlussfeier in der Hanauerland-Halle statt – im engeren Familienkreis. „Auch wenn es Beschränkungen gibt, wird die Feier einen festlichen Rahmen haben“, verspricht Bertram Walter.  

Neue „Fünfer“ starten zweizügig

Im Herbst werden die neuen „Fünfer“ wieder zweizügig starten, nachdem es einige Jahre für drei Lerngruppen gereicht hatte. Grund ist die Korker Gemeinschaftsschule im Oberlin-Schulverbund, die seit letztem Jahr zwei Klassen bilden darf und so die Kehler Schüler „abschöpft“. Für Bertram Walter kein Problem – im Gegenteil: „Unsere Schulerweiterung ist auf eine Zweizügigkeit ausgelegt“, sagt er. „Mit drei Klassen in jeder Stufe bekämen wir ein Raumproblem.“ Für ihn ist die Gemeinschaftsschule mittlerweile nicht mehr aus der Schullandschaft wegzudenken.

Stichwort

Gemeinschaftsschule

In einer Gemeinschaftsschule werden die Schüler gemeinsam in Lerngruppen unterrichtet. Je nach Leistungs- und Wissensstand werden sie in verschiedene Lern-Niveaus eingestuft – das Grundniveau führt zum Hauptschulabschluss, das Mittlere Niveau befähigt zur Mittleren Reife und an das erweiterte Niveau kann die gymnasiale Oberstufe anknüpfen. Dabei kann der Schüler in verschiedenen Fächern auf unterschiedlichen Niveaus lernen oder sogar innerhalb eines Fachs, wenn er zum Beispiel Algebra gut versteht, mit der Geometrie aber seine Probleme hat. Erreicht ein Schüler am Ende der 8. Klasse überall das M-Niveau, bekommt er die Bildungsempfehlung für den Realschulabschluss – die aber wie die Grundschulempfehlung nicht verbindlich ist.

Sitzenbleiben gibt es in der GMS nicht, ebensowenig Noten. Die Beurteilung erfolgt mittels eines ausführlichen Lernstandsberichts in jedem Fach. Erst im Abschlussjahr gibt es eine offizielle Benotung. Wenn die Eltern es wünschen, kann aber auch schon in den unteren Klassen eine Note errechnet werden.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

vor 2 Stunden
Markus Zoschke
Markus Zoschke ist Vorsitzender des Gesamtelternbeirats in Kehl. Er kritisiert, dass Eltern und Schüler zu den Regelungen des Kultusministeriums (KM) zur Schulöffnung nicht gehört wurden.   
vor 2 Stunden
Freiwillige Feuerwehr
Die Willstätter Feuerwehr trainierte gemeinsam mit der Feuerwehr der Partnergemeinde Holtzheim. Bei der Übung ging es darum, eingeklemmte Meschen aus verunglückten Autos zu retten.
vor 17 Stunden
Marketing-Aktion
Fünf Blutspender erhielten am Freitag jeweils einen Gutschein im Wert von 100 Euro für den lokalen Einzelhandel.
vor 20 Stunden
Offenes Werkstor
Im Eldorado für Gartenliebhaber in Kehl-Bodersweier warfen die Leser der KEZ nicht nur einen Blick hinter die Kulissen, sondern konnten auch Fragen rund um den eigenen Garten stellen.
vor 23 Stunden
Abitur 2020
Larissa Hummel aus Leutesheim (18) hat ihr Abitur in Mathe, Deutsch, Bio und Englisch geschrieben. In ihrer Freizeit backt sie gerne und tanzt Show- und Gardetänze.
12.08.2020
Neue Serie: Rekorde aus Kehl
Start der neuen Rekord-Serie der Kehler Zeitung: Wir präsentieren Rekorde aller Art aus der Rheinstadt – zweimal wöchentlich. Heute: Der Rekord-Sommer 2003 in Kehls Freibädern.
12.08.2020
Kleinriedle
Schmierereien an den Holzfassaden und zerrissene Erosionsschutznetze haben Unbekannte auf dem Spielplatz Kleinriedle in Sundheim hinterlassen. 
12.08.2020
Kultur
Hendrixperience: Drei exzellente Musiker lassen beim Jazz-Cantinen-Auftritt im Restaurant-Café „Am Yachthafen“ Jimi Hendrix, einen der besten Gitarristen aller Zeiten , wieder aufleben.
12.08.2020
Raus aus der Abhängigkeit:
Das eheppar aus Legelshurst will seine Hilfe für Burkina Faso in Westafrika auf eine breitere Basis stellen. Dafür wollen sie nun in Deutschland einen Förderverein gründen.
11.08.2020
Vereine
Um drei Monate musste die Veranstaltung des Hanauer Musikvereins wegen der Corona-Krise verschoben werden. 
11.08.2020
Hauptversammlung
Der Reit- und Fahrverein Kehl-Sundheim hat sich zu seiner Hauptversammlung getroffen. Auf der Tagesordnung standen unter anderem Wahlen.
11.08.2020
Klimaschutz
Das Land Baden-Württemberg unterstützt neue Klimaschutzwege in Verkehrsfragen – auch in Kehl.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das Einrichtungshaus mitten in der Stadt: Möbel Seifert bietet nach einem Sortimentsumbau eine große Auswahl an Küchen-, Wohn- und Esszimmer Möbel an.
    11.08.2020
    Möbel Seifert bietet nach Sortimentsumbau noch mehr Auswahl
    Möbel Seifert, das Möbel- und Einrichtungshaus im Herzen Acherns, kann auf über eine 133-jährige erfolgreiche Firmengeschichte zurückblicken. Das Familienunternehmen bietet auf fünf Etagen und einem Sortimentswechsel jede Menge tolle Angebote namhafter Möbelmarken zu überraschend günstigen Preisen.
  • Das Schlafzimmer als Wohlfühlort: Der D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach hat alles rund um den gesunden Schlaf im Sortiment.
    10.08.2020
    Himmlisch schlafen mit dem D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach
    Eine qualitativ hochwertige Matratze ist die beste Basis für erholsamen Schlaf. Und die muss nicht teuer sein: Diesen Beweis tritt der D&K Sonderposten Großhandel in Gengenbach an. Er präsentiert aktuell noch auf 120 Quadratmetern, ab August auf rund 500 Quadratmetern, alle Arten von Matratzen...
  • 07.08.2020
    Auf dem Gelände der Möbelschau Offenburg hat am Mittwoch der erste Outdoor-Funpark im Raum Offenburg eröffnet. Auf über 1000 Quadratmetern Fläche können sich Besucher auspowern.
  • Die Bereiche JOOP! LIVING ROOM, DINING ROOM, BEDROOM und BATHROOM sprechen dieselbe Designsprache und verschmelzen perfekt zu harmonischen Wohnwelten.
    23.07.2020
    Premium-Kollektion bei Möbel RiVo
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten in der Region. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach steht seit mehr als 40 Jahren für geschmackvolles Wohnen und ist Partner ausgewählter Marken. So zählt Möbel RiVo zum exklusiven Kreis an Möbelhäusern in Deutschland, der die...