Neue Serie

Geschichte des Kehler Einzelhandels (Teil eins)

Autor: 
Klaus Gras
Lesezeit 4 Minuten
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18. November 2020

(Bild 1/2) Rudolf Schütterle ©Archivfoto

Wie kauften die Menschen vor
75 Jahren in Kehl ein? Welche Innovationen im Einzelhandel haben uns besonders geprägt? Und wie wird das Konsumentenerlebnis voraussichtlich in den kommenden Jahren aussehen? Diesen Fragen geht die siebenteilige Serie nach: „Kehls Handel im Wandel“. Heute die erste Folge unserer neuen Serie.

Nach dem Ende der französischen Besatzung im Jahr 1953 organisierte sich der Kehler Einzelhandel neu. Mit Christian Sanwald wählten damals die Einzelhändler den ersten Vorsitzenden. Dieses Amt hatte der Eigentümer und Chef des gleichnamigen Kleidergeschäftes bis zum Jahr 1957 inne. Christian Sanwald hatte sein Kleidergeschäft in der Hauptstraße Nummer 71. Dieses Haus ist auch heute noch im Eigentum der Familie Sanwald. Die Hauptaufgabe fiel in den Aufbau der Geschäfte und die Struktur des Kehler Einzelhandels. Dies ist Christian Sanwald erfolgreich gelungen.

Das Amt des ersten Vorsitzenden übergab Sanwald an Rudolf Schütterle. Schütterle hatte im damaligen Dorf Kehl sowohl ein Herrengeschäft mit der Hausnummer 150 als auch auf der gegenüberliegenden Seite ein Damengeschäft mit der Hausnummer 161. Schütterle hatte darüber hinaus einen Sitz im Gemeinderat von Kehl und war auch noch der ersten Vorsitzende der Freien Wähler Kehl. Im Jahr 1968 gründete Schütterle mit einigen Einzelhändlern die Werbegemeinschaft Kehl e.V.

Messdi-Mitbegründer

Schütterle war ein Tausendsassa und setzte sich unermüdlich für die Belange der Stadt Kehl ein. Ein weiterer Höhepunkt in Schütterles Leben war die Gründung des Kehler Messdis 1971, zu deren Mitbegründer er gehörte. Die zeitliche Belastung, gepaart von immer wieder auftretenden neuen Herausforderungen, gerade im politischen Bereich, setzten dem Leben von Rudolf Schütterle im Jahr 1980 ein plötzliches Ende. Bei einer Wahlveranstaltung zum Stadtrat in der Stadthalle Kehl brach er tot zusammen. Ein herber Verlust für die Familie Schütterle und auch für die Stadt Kehl.

Es dauerte einige Monate, um nach Schütterles Tod die Spitze des Kehler Einzelhandels neu zu formieren. Mit Albert Nückles, dem Zigarren– und Spirituosenhändler wurde ein würdiger Nachfolger gefunden. Seine Wahl an die Vorstandsspitze erfolge 1981. Bekannt war Albert Nückles auch unter seinem Übernamen „Molly“. Während seiner Amtszeit wurde eine neue Rechtsform für den Kehler Einzelhandel gefunden und ins Vereinsregister eingetragen – das Cityforum Kehl. Die Eintragung erfolgte im Februar 1997 mit Frank Hammel vom gleichnamigen Schuhgeschäft als Vorstandschef. 

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In die Amtszeit von Nückles fiel die komplett umgebaute Hauptstraße zur Fußgängerzone und die Neugestaltung des Marktplatzes. Ebenfalls zu den Höhepunkten seiner Amtszeit gehörte  die Eröffnung des Centrums am Markt im Dezember 1991.

Frank Riebel übernimmt

Nach 20 Jahren als erster Vorsitzender des Einzelhandels übergab Albert Nückles sein Amt an den damals erst 36-jährigen Frank Riebel vom Sporthaus Hahn ab. Seit dem Jahr 2001 führt Frank Riebel die Geschicke des Einzelhandels. Im gleichen Jahr gründete die Stadt Kehl die Stadtmarketing-GmbH mit dem ersten Geschäftsführer Marc Funk. Heute wird die Stadtmarketing von Fiona Härtel geführt. Wenige Jahre nach Amtsantritt durfte Riebel die Landesgartenschau Kehl/Straßburg 2004 mit eröffnen. Selbstverständlich gehört auch der Fassanstich beim jährlich stattfindenden Messdi zu den angenehmen Aufgaben eines Vorsitzenden. 

Das Gutschein-System

Eine der Hauptaufgaben bestand darin, das System der Einkaufsgutscheine zu entwickeln.  Riebel und seinem Team ist es gelungen, ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland zu präsentieren, das Gutschein-System: ein komplett automatisiertes System, dem 65 Einzelhändler in Kehl angehören. Ein weiterer Höhepunkt war der Nato-Gipfel 2009 für die Kehler Einzelhändler: Rückwirkend betrachtet, ist in Kehl alles friedlich verlaufen, und es kam zu keinen Schäden in und an den Geschäften. Was jedoch die Umsätze vor dem Nato-Gipfel und am besagten Tag im April 2009 angeht, entwickelte sich das zur Katastrophe. Durch die Mehrfachkontrollen der Polizei blieben die Käufer der Stadt fern, und der Umsatz sank auf den Nullpunkt.

Nach den Terroranschlägen in Paris und Nizza wurden an der Grenze an der Europabrücke verstärkt Kontrollen durchgeführt. Es gab lange Staus. Das Abkommen von Schengen wurde ausgehebelt. Dies war ein Dilemma für die Kehler Geschäftswelt 2015.

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