Kehl

Grenzüberschreitende Veranstaltung für Pflege

Autor: 
Robert Schmidt
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
27. Oktober 2017

©Robert Schmidt

Zum Thema Pflegeausbildung haben vorgestern Experten aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz zusammen in Kehl diskutiert. Während es am Vormittag um Unterschiede in der Pflegeausbildung ging, wurden am Nachmittag grenzüberschreitende Erfahrungen vorgestellt.

Gemeinsam Kaffee trinken steht am Anfang einer guten grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, darin waren sich am Donnerstagnachmittag viele einig. Rund 30 Teilnehmer hatte die Vernetzungs-Veranstaltung »Pflegeausbildung ohne Grenzen« am Kehler Euro-Institut.

EU-Programm

»Unsere über (das EU-Programm) Interreg-geförderte Kooperation ist während der Kaffeepause einer Tagung entstanden«, berichtete Barbara Bourgin, bei den Bethesda Alterszentren in Basel für die Berufsbildung verantwortlich. Mittlerweile arbeite ihr Betrieb schon 12 Jahre mit seinem Partner, dem Herzzentrum im deutschen Bad Krozingen, zusammen. Während mehrwöchiger Pflicht-Praktika könnten die Bethesda-Azubis nicht nur die Arbeit in einem anderen System kennenlernen, sondern auch etwas fürs Leben lernen.

Sie erinnere sich noch ganz genau an die ersten drei Teilnehmer, einen Mann und zwei Frauen, für die sie während der Praktikumsdauer eine Ferienwohnung in Bad Krozingen angemietet habe. »Der junge Mann musste während der Zeit zum ersten Mal in seinem Leben abwaschen und kochen«, erzählte die Schweizerin lachend. Insgesamt sei so ein Austausch eine »wundersame Erfahrung« für die Azubis: »Das ist für viele ein richtiger Motivationsschub.«

Außerdem mache das auch ihren Betrieb als Ausbilder interessanter, erzählt Bourgin, die ganz vom »Interreg-Fieber« befallen sei. Einfach sei eine solche Kooperation aber dennoch nicht. Auf sie und ihre Kollegen seien »administrative Schwierigkeiten« zugekommen, zuletzt etwa bem staffelweisen Empfang einer ganzen Schulklasse aus Bad Krozingen. Manche der Schweizer hingegen hätten Heimweh verspürt.

- Anzeige -

Rendezvous mit Pfleger

Tagungsteilnehmer Frédéric Mazerand betreut am Straßburger Krankenpfleger-Institut IFSI die Erasmus-Studenten. Mazerand hat selbst als Krankenpfleger-Berufsanfänger in Deutschland gearbeitet. Unter Heimweh habe er nicht gelitten: »Ich habe eine sehr gute Erinnerung an diese Zeit.« Für großes Gelächter bei seinen deutschen Kollegen habe er gesorgt, als er einem Patienten statt eines Termins ein »Redezvous« anbot.  »Seitdem war ich für alle der »Rendezvous-Pfleger.« 

Dieses sprachliche Missgeschick habe ihm geholfen, Kontakte zu knüpfen. Die damalige Erfahrung motiviere ihn für seine heutige Arbeit, so Mazerand. Grundsätzlich sei die IFSI offen für Interreg-Projekte. Allerdings brauche es dafür viele motivierte Leute im Team. »Am Anfang gibt es viel Bürokoratie und dann muss man auch einige Jahre durchhalten.«

Welche Früchte eine grenzüberschreitende Interreg-Kooperation tragen kann, wurde während des Vortrags von Saskia Rybarczyk klar. Ihr Krankenhaus im saarländischen Völklingen habe seit 2008 bereits fünf französische Pfleger eingestellt. Sie alle profitierten zuvor von einer auch über Interreg geförderte Zusammenarbeit mit dem Krankenpfleger-Institut im lothringischen Saargemünd, deren Idee ebenso bei einem Kaffee geboren worden sei. Während die deutschen Azubis in Lothringen »fachliche Einsätze in hochspezialisierten Abteilungen« genössen, könnten die eher akademisch gebildeten Franzosen ihren Landsmännern komplizierte medizinische Vorgänge erläutern.

Kaffee-Kick
Die Tagung selbst wurde ebenfalls im Rahmen eines Interreg-Projekts organisiert. Ziel der 2016 gestarteten »Trisan«-Initiative ist es, von Kehl aus ein trinationales Kompetenzzentrum für Kooperationen im Gesundheitsbereich aufzubauen. In der Kaffeepause jedenfalls diskutierten viele schon einmal angeregt miteinander.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

vor 7 Stunden
Vorverkauf für Kabarettreihe in Kehl gestartet
Vorverkauf für neue Kabarett-Saison mit Wortreich hat begonnen
vor 10 Stunden
Video als Ersatz für Einweihungsfeier
Im kleinen Rahmen wurde die neue Gedenkstätte des Oberlin-Schulverbundes in der Diakonie Kork eingeweiht. Als Ersatz für eine gebührende Feier nahm das Schulleiter-Team ein Video auf.
vor 13 Stunden
Serie
In der heutigen, 5. Folge unserer Serie zum 125-jährigen Bestehen des Kehler Gymnasiums erinnern sich ehemalige Lehrer, die eine Besonderheit verbindet: Sie waren auch Schüler an ihrer späteren Wirkungsstätte.
vor 17 Stunden
Holocaust
Corona ist es geschuldet, dass am Mittwoch Stolpersteine in Kehl nicht verlegt, sondern übergeben wurden: In einer Zeremonie im Café Rapp nahm OB Toni Vetrano aus der Hand von Künstler Gunter Demnig die Stolpersteine in Empfang, die an Elsa Cheit, Klara Wertheimer und Rosa Mayer erinnern.
vor 19 Stunden
Eine Million Euro investiert
Die Krankenkasse, die von Kehl aus auch 6500 Mitglieder aus Frankreich betreut, hat nach anderthalb Jahren Umbauzeit ihre modernisierte Geschäftsstelle in der Hauptstraße neu eröffnet.
vor 22 Stunden
Neue Ortsmitte Legelshurst
„Legelshurst unbegrenzt“ – unter diesem Motto startete am Dienstag in der Festhalle die Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung der Legelshurster Ortsmitte.
vor 23 Stunden
Kabarett
Nach über zwölf Jahren kommen das bayerische Kabarett-Urgestein Gerhard Polt am 25. Oktober wieder in die Ortenau. 
09.07.2020
Kehl
Reiseführer Stefan Woltersdorff musste mit dem Corona-Lockdown alle Reisen und Führungen absagen. Nun geht es langsam wieder los – allerdings mit einigen Einschränkungen.
08.07.2020
Serie "Ehrensache"
Kehler Zeitungs-Serie „Ehrensache“ (10): Heute stellen wir Hansjörg Schneble vor.  Er ist Leiter des Deutschen Epilepsiemuseums in Kork. 
08.07.2020
Corona-Krise
Seit Mittwoch, 1. Juli, ist das Jugendzentrum Kehl an der Kinzigstraße wieder zu den regulären Zeiten geöffnet. Begründung: „Jugendliche sehnen sich nach Normalität“.
08.07.2020
Willstätt
Nach langer Corona-bedingter Schließung und dem kontaktlosen Abholservice freut sich das Team der Mediathek wieder öffnen zu können. 
08.07.2020
Lesepaten in Grundschulen sagen Tschüs
Der Mentor-Verein fördert die Lesekompetenz von Grundschülern. Wegen des Schulwechsels nach den Sommerferien sagen die Helfer vielen Lesekindern mit einem Geschenk Tschüs.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Das edel-graue Parkett schafft eine klare Raumstuktur.
    06.07.2020
    Im grenznahen Neuried werden Wohnträume wahr
    Holz ist ein wunderbarer Werkstoff für den Innenausbau: Er ist durch und durch natürlich und passt sich den Anforderungen an. Dabei ist er genauso individuell wie die Menschen, die in den vier Wänden leben. Wer seinen Wohntraum in Holz verwirklichen will, ist bei marx Design in Holz in Neuried an...
  • Willkommen zu Hause: Stressless® steht für Komfort und Entspannung. Modell: Tokyo Linden Sand.
    02.07.2020
    Stressless®: Raus aus dem Alltag, rein ins Zuhause
    Möbel RiVo ist eine der führenden Adressen für anspruchsvolles Einrichten und Wohnen in Baden. Das Möbelhaus in Achern-Fautenbach ist Partner ausgewählter Marken und präsentiert mit Stressless® norwegischen Komfort. Die Welt des exklusiven Möbelherstellers wartet im Stressless®-Studio darauf,...
  • Kai Wissmann präsentiert am Donnerstag, 16. Juli, die Gewinner der Shorts 2020.
    25.06.2020
    Trinationales Event: Großes Finale am 16. Juli
    Die Shorts lassen sich nicht ausbremsen, auch nicht von einer weltweiten Pandemie: Das trinationale Filmfestival der Medienfakultät der Hochschule Offenburg wird diesmal komplett online ausgerichtet. Die Filme sind donnerstags und sonntags ab 19 Uhr im Live-Stream hier abrufbar. Das große Finale...
  • Eine reduzierte Formensprache, robuste Materialien und eine seriöse Optik zeichnen Möbel von Musterring aus.
    25.06.2020
    Möbel RiVo in Achern: Wohnwelt auf 8000 Quadratmetern
    Bei der Einrichtung zählt einzig und allein der persönliche Geschmack. Und Geschmack ist bekanntlich vielseitig. Gerade deshalb bietet das Einrichtungshaus Möbel RiVo in Achern-Fautenbach eine riesige Auswahl an Markenkollektionen von Top-Designern und -Herstellern wie Musterring.