Gengenbach

Großprojekt: Sport- und Bürgerpark für 16,3 Mio Euro

Autor: 
Marc Faltin
Lesezeit 4 Minuten
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03. Dezember 2015

Vorentwurf zum Sport- und Bürgerpark ©Stadt Gengenbach

»Wer eine Vision hat, soll zum Arzt gehen«, zitierte Bürgermeister Erny den kürzlich verstorbenen Altbundeskanzler Schmidt. Gengenbachs Gemeinderäte begeben sich indes nicht in ärztliche Behandlung, sondern gaben am Mittwoch grünes Licht für die Planung eines Sport- und Bürgerparks am Schulzentrum – mit drei Bauabschnitten für geschätzte 16,3 Millionen Euro und Hoffnung auf einen Bundeszuschuss von bis zu 4,0 Millionen Euro.

Seit 25 Jahren arbeite er in der Sportstättenentwicklung, sagte Henrik Schrader von der ikps Stuttgart, aber ein solches Tempo, »einen solchen Drive wie in Gengenbach« habe er noch nicht erlebt. Vor 13 Monaten startete das vom Gemeinderat beauftragte Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung mit einer Konzeption für Gengenbach. 13 Monate, einige Umfragen und zahlreiche Workshops mit Vertretern von Rat, Jugendgemeinderat, Schulen und Vereinen später machte der Gemeinderat bei zwei Gegenstimmen von Daniela Ahne und Achim Fuchs den Weg frei für den Gesamtgestaltungsplan »Sport- und Bürgerpark Gengenbach« und Antrag im Bundesprogramm »Sanierung Sport-, Jugend- und Kultureinrichtungen«.

Chance unter Zeitdruck
Im Sommer erfuhr Bürgermeister Thorsten Erny von diesem Fördertopf, die Chance auf einen Zuschuss von bis zu 4,0 Millionen Euro verlieh den Konzeptionsgesprächen offenbar zusätzlichen Motivationsschub – aber auch Zeitdruck. Denn der Ratsbeschluss für die Antragstellung muss bis 4. Dezember 2015 vorliegen, also an diesem Freitag. »«Wir haben diese Herausforderungen angenommen und mit starker Bürgerbeteiligung Planmodelle entwickelt«, blickte Erny zurück, angesichts von 1400 Schülern und 700 Studenten mache es Sinn, eine neue Sportanlage am Schulzentrum zu bauen. »Und aus der Sportentwicklung ist eine Stadtentwicklung und damit Standortstärkung geworden«, betonte Schrader. Landschaftsarchitekt Gunter Jedamzik präsentierte bereits einen Gesamtgestaltungsplan, der neben den neuen Sportplätzen den Bürgerpark mit Spiel- und Liegewiesen sowie ein Jugendzentrum umfasst. »Spiel, Sport und Zusammensein von Jung und Alt mit hoher sozialer Kontrolle und damit weniger Vandalismus« sei auf dem 15 Hektar großen Areal zwischen Bildungscampus und B 33 möglich. Schrader verwies auf »sehr gute Erfahrungen« mit einem vergleichbaren Park im hessischen Bad Hersfeld.

Rechnungsamtsleiter Andreas Bruder stellte den Finanzierungsplan vor, der drei Bauabschnitte mit insgesamt neun Bauten vorsieht. Die Basis gerade auch für den Bundeszuschuss bildet Abschnitt I mit einem Stadion (Großspielfeld und Kunstrasen) für Sportverein und FC Ankara, Zufahrten und Parkplätze für 8,6 Millionen Euro (inklusive Grundstückserwerb).

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Mit Integrationsfaktor
»Dieses Bundesprogramm könnte für Gengenbach geschrieben sein«, meinte Bruder mit Blick auf inhaltliche Vorgaben, in denen auch Integration aufgeführt ist. »Der FC Ankara ist der zweitälteste türkische Fußballverein in Deutschland«, merkte Bruder an, sei aber, so Schrader, bei der »Nordspange« isoliert und würde gerne ins neue Sportzentrum ziehen. Der Bundeszuschuss betrage, so Bruder, 45 Prozent und maximal vier Millionen Euro pro Projekt. Wobei Abschnitt I dann bis Ende 2018 umgesetzt sein muss.
Für Bauabschnitt II mit öffentlichem Sport- und Bürgerpark, Multifunktionspark und Zweifeldhalle sind 1,7 Millionen Euro angesetzt. Für Abschnitt III mit einem Sportvereinszentrum, das im Zuschussantrag integriert und für das ein Investorenmodell denkbar sei, und einer neuen Mehrfeldhalle anstelle der alten Gymnasiumshalle werden die Kosten auf 6,0 Millionen Euro geschätzt.

»Wir haben an den Kosten¬obergrenzen kalkuliert«, sagte Bruder. »Schließlich wollen wir kein Harakiri«, so Erny. Der Kämmerer hat bei der Finanzierung der Gesamtkosten von 16,3 Millionen Euro brutto einen Einwohnerzuwachs von 350 in den nächsten zehn Jahren einkalkuliert und damit 1,6 Millionen Euro mehr an Schlüsselzuweisungen vom Land, vor allem aber 7,0 Millionen Euro durch Grundstücksverkäufe auf sechs Hektar Fläche, wo noch die Sportanlagen des SV Gengenbach sind. Der Rat stimmte auch der Finanzierung des städtischen Anteils über eine Sonderfinanzierung außerhalb des Haushalts zu, um den Liquiditätsspielraum zu erhöhen. Dies sei mit den Behörden abgestimmt, so Erny, »auch Regierungspräsidentin Schäfer begrüßt dieses Projekt.«

Ob und wieviel Zuschuss aus Berlin ein solcher Sport- und Bürgerpark erhält, entscheidet sich im Februar 2016. »Ohne die vier Millionen Euro drosseln wir das Tempo«, sagte Erny und merkte noch an, dass das 3,5 Millionen Euro teure Projekt Gymnasiumshalle aber auf jeden Fall komme. In diese Halle, die für den Schulsport enorme Bedeutung habe, »regnet es rein«, unterstrich Gerda Bohnert (CDU) diese Notwendigkeit.

 

Hintergrund

In 13 Monaten zum Großprojekt

Der Gemeinderat gab im Oktober 2014 grünes Licht für eine 12 614 Euro teure Sportentwicklungskonzeption der Stadt. Die städtische Haushaltstrukturkommission für den Finanzplan 2015/2016, in der die Ratsfraktionen vertreten sind, hatte nicht zuletzt wegen möglicher finanzieller Einsparungen die Stadtverwaltung beauftragt, eine solche Konzeption zu erarbeiten, die wiederum die Stuttgarter ikps (Institut für kooperative Planung und Sportentwicklung) beauftragte, Bestandsaufnahmen und vorbereitende Maßnahmen einzuleiten.

»Wir nehmen damit den Ball auf, der mit einem entsprechenden Beschluss bereits 2004 gespielt wurde und wollen diesen weiterfassen, weil inzwischen die Schule als Lebensraum gilt«, so Bürgermeister Erny in der damaligen Ratssitzung. Laut Jörg Wetterich vom ikps, das in über 100 Städten solcherlei Konzepte erstellt hat, geht es um »optimale Bedingungen für alle Bürger, die Sport treiben wollen«, ob für Leistungssport oder »bewegungsaktive Erholung«. Ermittlung des Sportstättenbedarfs und Optimierung von Angebots- und Organisationsstrukturen gehören dazu. Wissenschaftliche Erkenntnisse bringe das ikps ein, lokales Wissen eine kooperative Planungsgruppe auch mit Vereins- und Schulvertretern. Und »es könnte eine Stadtbewegung werden«, hoffte Erny – in einer rund 11 000 Einwohner zählenden Kleinstadt, in der es mit dem SV Gengenbach, SV Reichenbach, SSV Schwaibach und FC Ankara Gengenbach alleine vier Fußballvereine mit eigenen Sportanlagen gibt. Der SSV und der SVR signalisierten aber später, ihre Heimat nicht zu verlassen.              

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