Serie "Ehrensache"

Hansjörg Schneble ist Leiter des Korker Epilepsiemuseums

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 4 Minuten
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08. Juli 2020

Hansjörg Schneble. ©privat

Kehler Zeitungs-Serie „Ehrensache“ (10): Heute stellen wir Hansjörg Schneble vor. 
Er ist Leiter des Deutschen Epilepsiemuseums in Kork. 

Das Deutsche Epilepsiemuseum in Kehl-Kork wurde 1998 von dem deutschen Neuropädiater und Epileptologen Hansjörg Schneble gegründet und gemeinsam mit seinem Sohn Hans-Martin aufgebaut. Es gilt als weltweit einzigartiges Museum zum Thema Epilepsie.  Schwerpunkte des Museums sind neben der wissenschaftlichen Erforschung der Epilepsie auch die Diagnostik und die Entwicklung der Therapiemöglichkeiten. Im Jahr 2005 wurde das Deutsche Epilepsiemuseum mit dem Sibylle-Ried-Preis der Stiftung Michael ausgezeichnet. 
Hansjörg Schneble ist Jahrgang 1941, mit seiner Ehefrau Josefine, einer ehemaligen  Kinderkrankenschwester, hat er drei erwachsene Söhne und drei Enkeltöchter. Nach dem Medizinstudium und der Ausbildung zum Kinderarzt hat sich Schneble auf neurologische Erkrankungen im Kindesalter spezialisiert, insbesondere auf die kindlichen Epilepsien. Um dieses Spezialgebiet zu vertiefen, arbeitete Schneble  mehrere Jahre am Epilepsiezentrum Kork, bevor er 1975 Leitender Arzt am St. Josefshaus Herten in Rheinfelden wurde; gleichzeitig führte er dort eine überregionale Epilepsie-Ambulanz. Nach achtjähriger Tätigkeit in Herten hatte Schneble in Münster/Westfalen für zwei Jahre eine Professur für Sozialmedizin inne, bevor er  als Nachfolger seines Lehrers Ansgar Matthes nach Kork zurückkehrte und dort Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche (und später Ärztlicher Direktor der Gesamteinrichtung) wurde. Seit 2005 ist Schneble nun im Ruhestand.
Während seiner Ausbildung zum Epileptologen wurde ihm bald klar, dass die chronische Krankheit Epilepsie den Menschen von Beginn seiner Geschichte an begleitet hat. Medizin- und kulturhistorische Quellen über diese Krankheit waren jedoch nur in sehr beschränktem Ausmaß vorhanden. Dies führte Schneble bald zu dem Entschluss, solche Quellen aufzuspüren, zu bearbeiten, zu verbreiten und schließlich in ein Epilepsiemuseum, das es bis dahin nirgendwo auf der Welt gab, einfließen zu lassen. 

Wie lange machen Sie das Ehrenamt schon und möchten es noch gerne behalten?

Das Ehrenamt des Leiters des Deutschen Epilepsiemuseums Kork möchte ich so lange weiterführen, wie es gesundheitlich geht. Für meine Nachfolge steht mein Sohn Hans-Martin – er ist Neurologe – bereit, der schon jetzt bei der Museumsarbeit als wichtiger Helfer zur Verfügung steht, nicht zuletzt auch bezüglich der Betreuung der Homepage.

Was treibt Sie an?

Das Museum soll nicht nur die Bedeutung und Kultur-Geschichte der Krankheit Epilepsie aufzeigen, sondern nicht zuletzt der Aufklärung über diese häufige und oft fehl-beurteilte Krankheit dienen. Adressaten sollen dabei Betroffene, deren Angehörige, Professionelle in den medizinischen Disziplinen und Lehrkräfte in pädagogischen Bereichen sein. Die Informationen gründlich und allgemeinverständlich zu präsentieren, ist mir ein großes Anliegen.

Was bringt Ihnen das außergewöhnliche Engagement für dieses Museum persönlich?

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Durch die Beschäftigung mit dieser Thematik, die ja nicht nur medizinische, sondern auch sozio-psychologische, politische, gesellschaftliche, kulturelle und historische Aspekte der Krankheit Epilepsie umfasst, ist es möglich, in viele Bereiche vergangener und gegenwärtiger Kultur-Epochen Einblick zu nehmen – es ist die Möglichkeit und große Chance, dauernd zu lernen. Hinzu kommen das Gespräch mit den Museumsbesuchern, neue Erkenntnisse durch die internationale Vernetzung, Anregungen aus den unterschiedlichsten Kulturbereichen.

Wie kann man heute Menschen fürs Ehrenamt gewinnen?

Informationen, Diskussionen, Beispielgebung, Anregung zu Museumsbesuchen und zu Internet-Recherchen. Im Hinblick auf Epilepsie beziehungsweise Epilepsiebetroffene: Auf die medizinische und soziale Problematik hinweisen und die Möglichkeiten aufzeigen, wie man durch eigenes Engagement, durch Erwerbung von Wissen und Weitergabe von faktischen Informationen zur Verbesserung der Situation der Betroffenen beitragen kann. Man muss das Ehrenamt als eine Möglichkeit der Hilfe für Hilfesuchende darstellen.

Wünschen Sie sich mehr Unterstützung in Ihrem Ehrenamt?

Ich habe im Familien- und Freundeskreis genügend personelle Unterstützung. Oft fehlt es aber an materiellen Dingen. Da ein Museum immer lebendig sein und sich weiter entwickeln soll, sind Spenden für unterschiedlichste Innovationen wichtig und immer willkommen.

Welches war Ihr schönstes Erlebnis?

An Äußerungen von drei Besuchern nach ihrem Rundgang durchs Museum erinnere ich mich besonders gern:
Ein erfahrener, schon älterer Arzt: „Jetzt weiß ich endlich, was Epilepsie ist!“
Eine Historikerin: „Ich hätte nie gedacht, dass einem eine Krankheit helfen kann, noch tiefer in Geschichte und Kulturgeschichte vergangener Jahrhunderte einzudringen!“
Ein Epilepsie-Betroffener, nachdem er die Galerie berühmter Epileptiker durchgemustert hatte: „Eigentlich bin ich ja ganz zufrieden, eine Epilepsie zu haben!“

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