Kehl

Heimarbeit: Ein Modell für Kehler Unternehmen?

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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09. Juni 2015

Softwareentwicklerin Frédérique Heitz arbeitet einmal in der Woche zuhause. Auch BCT-Vorstand Jürgen Hillemann (hinten Mitte) und Vertriebsmitarbeiter Sven Hurrle nutzen die Möglichkeit des heimischen Arbeitsplatzes. Links Marlene Junker, Mitarbeiterin im Marketing. ©Nina Saam

Eine Zeit lang waren Telearbeitsplätze voll im Trend, heute wird die Möglichkeit des Homeoffices in Deutschland noch von acht Prozent aller abhängig Beschäftigten genutzt. In den Niederlanden dagegen haben Arbeitnehmer seit April sogar einen Rechtsanspruch auf einen Heimarbeitsplatz. Wie wird dies in Kehler Unternehmen gehandhabt?

Wer den lieben langen Tag am Computer verbringt, könnte sein Tagwerk auch vom heimischen Schreibtisch aus verrichten. Verwaltungstätigkeiten sind eigentlich prädestiniert dafür, doch weder bei der Stadt Kehl, noch an der Kehler Hochschule oder bei der Diakonie Kork wird ein solches Arbeitszeit-Modell angeboten. Bei der Hafenverwaltung gibt es ebenfalls keine Homeoffice-Arbeitsplätze, da alle Mitarbeiter mehrere Arbeitsgebiete abdecken und dabei »immer mal am Wasser stehen« müssen, so die Auskunft dort.

200 Meter von der Hafenverwaltung entfernt entwickelt die Firma Optronis Hochgeschwindigkeitskameras. Von den 15 Mitarbeitern werkeln vier ganz oder teilweise im Homeoffice. »Ich glaube ihnen, dass sie die vereinbarte Zeit arbeiten«, sagt Geschäftsführer Patrick Summ, der auch selbst zu den Heimarbeitern gehört. »Ich kann es nicht kontrollieren, aber ich sehe ja, ob die anfallende Arbeit gemacht wird.« Ein »Vertriebler« erledigt die E-Mails und Kundentelefonate teilweise von zuhause aus. Einer seiner Softwareentwickler hatte einen schweren Unfall und tüftelt nun daheim an neuer Software, da er noch physisch immobil ist. Die Initiative ging dabei jeweils von den Mitarbeitern aus. Patrick Summ ist zufrieden: »Ich habe nicht den Eindruck, dass das ausgenutzt wird.«

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Software entwickelt auch die Firma BCT Technology AG in Willstätt, die zur Firmengruppe der Badischen Stahlwerke gehört und als Partner von Siemens aktiv ist. Von den rund 60 Mitarbeitern nutzt etwa die Hälfte die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten. »Technisch ist das überhaupt kein Problem«, sagt Vorstand Jürgen Hillemann. »Der Mitarbeiter nimmt einfach seinen Laptop mit und arbeitet daheim weiter.« Die Firma entwickelt in kleinen Teams Softwarelösungen für die Fertigungsindustrie. Jeder Arbeitstag in der Softwareentwicklung beginnt mit einer Teambesprechung – ob man leibhaftig mit am Tisch sitzt oder per Videokonferenz zugeschaltet ist, spielt dabei keine Rolle. Auch die zugeteilte Aufgabe lässt sich allein beackern.
Die Softwareentwicklerin Frédérique Heitz bleibt im Schnitt einen Tag pro Woche daheim – meistens mittwochs, wenn die elfjährige Tochter früher aus der Schule kommt. »Ohne die Möglichkeit des Homeoffices könnte ich Familie und Beruf nicht so gut vereinbaren«, sagt sie. Dabei trennt sie klar zwischen beidem: »Meine Tochter macht dann ihre Hausaufgaben und ich meine.«

Teamarbeit bleibt wichtig
Bei BCT gehört Homeoffice fest mit zum Jobangebot. »Bei uns steht nicht die Zeit, sondern der Output im Vordergrund«, sagt Hillemann. Wird das Ziel (»sprint-goal«) in der gesetzten Zeit (»sprint«) erreicht, ist er zufrieden. Ein gewisses Maß an Selbstmanagement sei für so eine Vertrauensarbeitszeit natürlich nötig. Doch das setze er bei seinen hoch qualifizierten Mitarbeitern voraus. Auch BCT-Vertriebsmitarbeiter Sven Hurrle erledigt Büroarbeiten ab und zu von zuhause aus. Wie Frédérique Heitz und ihr Chef Hillemann zieht er manchmal die Ruhe am heimischen Schreibtisch dem Großraumbüro vor. Mehr Homeoffice wollen jedoch alle nicht: »Die Arbeit im Team mit den Kollegen macht einfach mehr Spaß«, erklären sie übereinstimmend.

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