Serie "Dorfcheck" (2)

Hesselhurst im Ortscheck

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
11. August 2018

Ruhig und beschaulich, mit vielen Fachwerkhäusern, historischen Höfen und der im neuromanischen Stil erbauten Kirche präsentiert sich Willstätts kleinster Ortsteil. ©Nina Saam

Willstätt ist als Wohngemeinde begehrt. Verkehrsgünstig nahe überregionaler Verkehrswege gelegen, lässt es sich hier dennoch ruhig und ländlich leben. Doch wie sieht der praktische Alltag in den Ortsteilen aus? Kann man im Ort zum Arzt gehen, Briefmarken erstehen oder sonntags frische Brötchen bekommen? Die Kehler Zeitung hat dazu die fünf Ortsteile einem Alltagscheck unterzogen und die jeweiligen Ortsvorsteher befragt. Heute: Hesselhurst.

Hesselhurst ist der kleinste und idyllischste Ortsteil Willstätts, der vor zehn Jahren sein 700-jähriges Bestehen gefeiert hat. Damals wurden große Anstrengungen unternommen, den Ort herauszuputzen. An den ortsbildprägenden Häusern und den charakteristischen Hakenhöfen wurden Infotafeln angebracht, die Magistrale des Ortes, die Ortenaustraße, wurde asphaltiert und die Gehwege neu gepflastert. Das einstige Bauerndorf präsentiert sich heute als eine beschauliche, ruhige Wohngemeinde, in der es sich gut leben lässt. 
Um die Infrastruktur ist es in dem 850-Seelen-Ort allerdings nicht so gut bestellt. Da es in Hesselhurst keine Industriebetriebe oder andere größere Arbeitgeber gibt, pendelt die berufstätige Bevölkerung zur Arbeit, zumeist nach Willstätt, Kehl oder Offenburg. »Unsere ortsansässigen Handwerker und Dienstleister stellen vielleicht 30 bis 40 Arbeitsplätze«, schätzt Ortsvorsteher Volker Mehne. Der alltägliche Exodus der Werktätigen hat wie in anderen kleinen Dörfern dazu geführt, dass den Läden im Ort die Kundschaft wegblieb und sie schließen mussten. »Das hat schon angefangen, als die BASF in den 1960er-Jahren nach Willstätt kam«, sagt der Ortsvorsteher. »Wir hatten bestimmt 20 Jahre lang keinen Laden in Hesselhurst.« 

Heute deckt eine kleine Bäckereifiliale zumindest vormittags den Brötchenbedarf der Hesselhurster – sogar sonntags, wie Volker Mehne stolz betont. Darüber hinaus führt der Bäcker ein kleines Sortiment an Grundnahrungsmitteln. Alles andere müssen die Hesselhurster aber außerhalb des Dorfes erledigen, Bank, Post, Arzt – Fehlanzeige. Nicht einmal ein Geldautomat ist übrig geblieben. Die Bewohner stört das laut Volker Mehne aber nicht: »Die Leute wohnen gerne hier«, sagt er. »Die meisten sind sowieso Pendler und erledigen diese Dinge außerhalb.« Hesselhurst ist auch der einzige Ortsteil Willstätts, in der die Devise »Kurze Beine, kurze Wege« nicht gilt. Aufgrund der geringen Schülerzahl gibt es keine eigene Grundschule mehr, die Kinder fahren mit dem Bus ins benachbarte Eckartsweier, um dort die Schule zu besuchen. Die ÖPNV-Anbindung hält Volker Mehne für ausreichend, lediglich sonntags sieht es etwas mau aus: Gerade einmal zwei Busse streifen dann den Ort. 

Waldsee ist Schmuckstück

- Anzeige -

Hesselhurst liegt ein bisschen abseits der Hauptverkehrsverbindungen, der Durchgangsverkehr hält sich außerhalb des Berufsverkehrs in Grenzen. Gibt es allerdings Baustellen oder Stau auf den umliegenden Hauptverkehrsadern, der B28 oder der A5, wird es voll auf der Ortenaustraße. Immer schön langsam ist hier die Devise: Die Ortsverwaltung setzt auf Freiwillig 40-Displays, im Rest des Dorfes gilt sowieso Tempo 30.

Das Schmuckstück Hesselhursts ist der von Wald umgebene Badesee am südlichen Ortsrand. Der in den 80er-Jahren aufgegebene, 28 Meter tiefe Baggersee verfügt über einen kleinen Spielplatz und eine neu erbaute Toilettenanlage mit Umkleidemöglichkeit. »Da haben wir vor drei Jahren ordentlich Geld in die Hand genommen«, sagt Volker Mehne stolz. Allerdings ist der See auch Heimstatt diverser angriffslustiger Sechsbeiner: Je nach Tageszeit und Wetterlage können die zahlreich vorhandenen Stechmücken und Bremsen ganz schön nerven. 
Der Beliebtheit des Sees tut dies allerdings keinen Abbruch. Im Sommer tummeln sich viele Badegäste an dem lauschigen, flach abfallenden Badestrand – und dementsprechend auch viele Autos am Wald- und Straßenrand, was schon mehrfach Willstätts Ordnungshüter auf den Plan rief. 
Die Parkplätze an der nahegelegenen Waldseehalle werden dagegen kaum genutzt. Hesselhurst ist auch der einzige Ortsteil Willstätts, der direkt an Wald grenzt – da kann es schon mal sein, dass Fuchs oder Marder die Hühner holen. Bauwillige haben es übrigens schwer: Neubaugebiete sind derzeit nicht ausgewiesen.

Bei der Millionenfrage muss Volker Mehne erst einmal nachdenken. »Wo man auf jeden Fall eine Million reinstecken könnte, sind die Straßen im Ort«, sagt er schließlich. »Vor allem die Nebenstraßen sind recht abgenutzt. Eine Million reicht da aber lange nicht.«

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

Kehl
vor 5 Stunden
König Fußball ordnet sich ja dieser Tage so ziemlich alles unter. Naja, dass sich mit Oberliga-Aufsteiger SV Linx ein Verein aus unserer Region in einem Pflichtspiel mit einem Bundesligisten messen darf, kommt ja auch nicht eben häufig vor.
Kehl
vor 8 Stunden
Kinder aus Kehl und Straßburg lernten am Mittwoch im Rahmen eines grenzüberschreitenden Ferienprogramms das japanische Erzähltheater Kamishibai kennen.
SV Linx gegen 1. FC Nürnberg
vor 11 Stunden
Beim DFB-Pokalspiel am Samstag um 15.30 Uhr zwischen dem Oberligisten SV Linx und dem Bundesligisten 1. FC Nürnberg steht im Kehler Rheinstadion auch der Rasen im Mittelpunkt. Wer das Spielfeld versorgt und was alles zu beachten ist, erklärt Frank Wagner von der Stadt Kehl.
Statik
vor 13 Stunden
Im Herbst sollen Gespräche über den Zustand der Europabrücke zwischen Kehl und Straßburg geführt werden. Das teilte auf Anfrage das Regierungspräsidium Freiburg mit.
»Es geht auch anders«
vor 14 Stunden
Zum Bericht über »Kehls Klötze« an der Haupt- und Friedhofstraße hat sich der Arbeitskreis Stadtentwicklung zu Wort gemeldet. Der Artikel, heißt es, könnte beim Leser den Eindruck erwecken, diese Art von Stadtentwicklung sei unvermeidlich und werde sich deshalb so fortsetzen. Aber: »Es geht auch...
Willstätt
vor 17 Stunden
Letztes Jahr regnete es zu sehr, diesmal war es fast zu heiß. Da half ein Besuch im Willstätter Wasserwerk im Spittelschlag, wo es angenehm kühl war. Das Grundwasser kommt dort nämlich ziemlich kalt in den Aufbereitungsbecken an.
Willstätt - Eckartsweier
vor 20 Stunden
Anfang kommender Woche soll es mit dem Bau des Radwegs zwischen Marlen und Eckartsweier auf die Zielgeraden gehen. Ein genauer Fertigstellungstermin steht zwar noch immer nicht fest – doch die Verantwortlichen in beiden Ortsteilen hoffen nun auf einen Abschluss Ende September oder Anfang Oktober.
Willstätt
vor 22 Stunden
24 Kinder von 8 bis 12 Jahren machten sich am Montag auf den Weg zur Mineralienhalde Clara in Wolfach. Der Ortschaftsrat Willstätt hatte zu der Fahrt eingeladen. 
Ferienprogramm
16.08.2018
Mit Laubsägen Holz bearbeiten, dann Fächer aus Zeitungen herstellen, einen Vogel aus Ton formen und einen Turnbeutel bedrucken: Das war der Tagesablauf von Julita Diewold (10), die am dreiwöchigen Ferienprogramm im Haus der Jugend teilnimmt, wie insgesamt 186 Kinder.
Natur
16.08.2018
Mit der Staudenbepflanzung hat Frank Wagner, Leiter des Bereichs Grünflächen beim städtischen Betriebshof, ein Konzept auf den Weg gebracht, das dem Klimawandel angepasst ist und das jährlich Zehntausende Euro spart, wie die Stadtverwaltung in einer Mitteilung schreibt.
Wasserratte
16.08.2018
Gerd Baumer hat die Zehntausend seit heute Morgen voll: So viele Kilometer hat der 70-Jährige im Lauf seines aktiven Schwimmerlebens im Wasser heruntergerissen – sein Trainingsbuch zeigt’s.
Offenes Werkstor
16.08.2018
Bei der Firma Blue Paper im Straßburger Hafen wird das graubraune Papier hergestellt, das für Verpackungskartons benötigt wird – mit einer Maschine, die in ihren Dimensionen die 20 Teilnehmer der Aktion »Offenes Werkstor« schwer beeindruckte.