Raus aus der Abhängigkeit:

So engagieren sich Guy und Hanna Collin in Burkina Faso

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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12. August 2020

Auch mit dem Besticken von Stoffen wollen die Menschen in Sindou künftig mehr Geld verdienen. ©Guy und Hanna Collin

Das eheppar aus Legelshurst will seine Hilfe für Burkina Faso in Westafrika auf eine breitere Basis stellen. Dafür wollen sie nun in Deutschland einen Förderverein gründen.

Seit vielen Jahren engagieren sich Guy und Hanna Collin aus Legelshurst für ein Hilfsprojekt in Burkina Faso.

In dem armen westafrikanischen Land engagiert sich die  „Association Solidarité Djiguyia“ in Sindou nahe der Grenze zur Elfenbeinküste für eine bessere Bildung für Kinder und die Senkung der hohen Analphabetenquote. Dabei wird die „Association“ von einem in Frankreich sitzenden Förderverein unterstützt, der unter anderem Patenschaften für Kinder vermittelt – und die Collins sind sozusagen dessen deutsche Kontaktstelle.

Mehrfach bereits waren sie vor Ort, um sich zu informieren, was an Hilfen gebraucht wird – zuletzt im Februar. Dabei geht es ihnen weniger um finanzielle Unterstützung. „Die Leute sollen aus der Abhängigkeit rauskommen“, erzählt Hanna Collin. „Es geht darum, die Erwachsenen wirtschaftlich auf eigene Beine zu stellen, damit sie ihre Kinder in die Schule schicken können. Ideen haben sie – aber es fehlt das Geld für die Anschubfinanzierung.“

Starthilfe mit Gefriertruhe, Zaun, Webstuhl

Einiges haben die Collins selbst in die Wege leiten können. So beschafften sie eine Gefriertruhe für einen kleinen, noch recht spärlich bestückten Laden, den dessen Inhaber gerade neu eröffnet hatte, damit er auch Fisch verkaufen kann, der von den Einheimischen gerne gegessen wird. Das Geschäft ist gut angelaufen. Jetzt braucht er noch Stühle und Tische, um ein kleines Bistro einzurichten.

Ein anderer erhielt einen Zuschuss für eine Umzäunung, damit er eine Schweinezucht aufbauen kann.

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Für eine Gruppe Frauen im Dorf, die Stoffe besticken, kauften sie einen Webstuhl. Bislang arbeiteten die Frauen in Lohnarbeit – „das ist wie bei Tönnies bei uns“, so Hanna Collin. Mit dem Webstuhl sind sie künftig in der Lage, die Stoffe auch selbst herzustellen. Das vertieft die Wertschöpfungskette – und bringt den Frauen ein höheres Einkommen.

Oder sie beschafften Laptops für einen Mann, der einen Online-Versand aufmachen will für die traditionellen Kleidungsstücke, die seine Frau herstellt.

Satzung ist in Arbeit

Doch diese Hilfsprojekte wickeln die Collins bislang ganz privat ab. Nun wollen sie auch in Deutschland einen Förderverein gründen – nicht zuletzt um die Spendenakquise zu erleichtern. Bekanntlich kann man Spenden an eingetragene Vereine von der Steuer absetzen. Eine Satzung ist in Arbeit und wird derzeit vom Finanzamt geprüft. Doch diese Prüfung hat sich durch die Corona-Krise verzögert.

Das Virus hat inzwischen auch Burkina Faso erreicht. Noch gibt es kaum Krankheitsfälle, aber das kann sich angesichts des derzeit herrschenden regenreichen Wetters ganz schnell ändern. Schulen sind geschlossen, alle Arten von Versammlungen wurden verboten, und auch die Märkte sind verwaist. Das ist vor allem für die Frauen sehr bitter, die traditionsgemäß durch Handel ihre Familien ernähren und nun ohne Einkommen sind. Die medizinische Versorgung der Menschen ist ungenügend.

Auch der Tourismus, eine wichtige Einnahmequelle für die „Association“, ist komplett eingebrochen; von den Airlines wird das Land nicht mehr angeflogen. Hinzu kommen Gefahren und Unsicherheit durch Terrorismus in den Nachbarländern. „Wir müssen daher andere Wege finden, damit die Leute vor Ort zu Geld kommen“, so Hanna Collin. „Sonst stirbt die Bevölkerung nicht am Virus, sondern am Hunger.“

Die Gründung des Fördervereins ist nach den Sommerferien geplant. Ein genauer Termin für die Gründungsversammlung steht indes noch nicht fest.

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