Hohnhurst

Bürger sammeln Unterschriften gegen geplanten Hühnerstall

11. Mai 2016
&copy pixabay&copy Martin Egg

Der Unmut Hohnhurster Bürger über einen geplanten Hühnerstall am Ortsrand hat sich in einer Unterschriftensammelaktion entladen: Am Dienstagnachmittag hat Oberbürgermeister Toni Vetrano im Rathaus eine Liste mit Namen von 130 Bürgern entgegen genommen.

Der Streit um einen geplanten Hohnhurster Stall für Legehennen in Bodenhaltung  (Kehler Zeitung vom 16. April) geht weiter: Zwei Vertreter einer sich formierenden Bürgerinitiative übergaben in Anwesenheit von Ortsvorsteherin Michaela Moschberger am Dienstagnachmittag im Rathaus eine Liste mit 130 Unterschriften von Hohnhurster Bürgern an den Kehler Oberbürgermeister Toni Vetrano.

130 Unterzeichner – das seien zwei Drittel aller in Hohnhurst gemeldeten Wahlberechtigten – verliehen die Unternehmerin Jacqueline Brett und der Landwirt Manfred Teufel, ein unmittelbarer Nachbar des geplanten Hühnerstalls, gegenüber der Kehler Zeitung ihrer Position zusätzliches Gewicht. Vetrano wollte sich öffentlich nicht zur Sache äußern. Der Rathauschef verwies auf geltendes Baurecht, kündigte aber an, den Gemeinderat über die vorgetragenen Bedenken zu informieren.  

Keine Prüfung nötig 

Wie berichtet, will ein aus dem Rheinauer Stadtteil Holzhausen stammender Eierproduzent mit einem Hohnhurster Geschäftspartner einen Legehennenstall für rund 14 500 Hühner direkt neben dessen bereits bestehendem Aussiedlerhof im kleinsten Kehler Stadtteil verwirklichen. Weil die Investoren damit unter der Grenze von 15 000 Tieren bleiben, ist keine vom Gesetzgeber vorgesehene Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig.

Das »stinkt« offenbar vielen Hohnhurstern – im wahrsten Wortsinn: Sie sehen, wie es in der Vergangenheit im Fall eines mittlerweile nicht mehr vorhandenen Hühnergroßstalls schon einmal der Fall gewesen sein soll, Geruchsbelästigungen auf sich zukommen. Sie fürchten deshalb nicht nur weitere Standortnachteile für Hohnhurst, sondern sind auch um ihre Gesundheit besorgt – Stichwort: Keime. Fehlende Infrastruktur, fehlender Tierschutz, fehlender Brandschutz:  Insgesamt acht Einwendungen gegen den Hühnerstall haben die Wortführer zusammengetragen.

Die beiden von der Protestnote betroffenen Landwirte Kay Aßmus (Holzhausen) und Patrick Keller (Hohnhurst) zeigten sich am Dienstag gegenüber der Kehler Zeitung nur bedingt überrascht von der Unterschriftenaktion: »Ich habe schon befürchtet, dass es bei dem während der Ortschaftsratsitzung verbal geäußerten Missmut nicht bleiben wird«, sagt Aßmus, für den in Holzhausen bereits 15 000 Hennen Eier legen – mitten im Dorf.

Über Geruchsbelästigungen habe sich noch nie jemand beschwert. Anders als es noch zu Zeiten von Legebatterien der Fall gewesen sei, würde heute schließlich keine Gülle mehr, sondern stattdessen Trockenkot ausgebracht. Auch gegen den Vorwurf, mit der knappen Unterschreitung der 15 000er-Marke Gesetze umgehen zu wollen, setzt er sich entschieden zur Wehr; stattdessen argumentiert er mit der geltenden Obergrenze für eine staatliche Förderung.

Kritik an Moschberger

Sein Kollege Keller führt außerdem den wirtschaftlichen Druck ins Feld, unter dem er, wie viele andere Bauern, steht: »Wegen geringer Preise lässt sich heute alles nur noch über die Menge regeln.«
Kritik erntet außerdem Ortsvorsteherin Moschberger: Sie hat nach Ansicht von Brett und Teufel die Hohnhurster zu spät über die Pläne informiert. Moschberger gab gegenüber der Kehler Zeitung zwar zu, bereits schon lange Zeit von der Idee der beiden Landwirte gewusst zu haben, wollte den Hohnhurster Ortschaftsrat aber erst unmittelbar nach Vorliegen der Bauvor­anfrage damit befassten.

Ortschaftsrat tagt 
Am Freitag, soll zwar der Hohnhurster Ortschaftsrat ein Votum für oder gegen den geplanten Legehennenstall abgeben. In einem Schreiben vom 9. Mai fordern die Unterzeichner der Petition allerdings die Einberufung einer »Einwohnerversammlung zur Erörterung der Angelegenheit«. 

Autor:
Martin Egg

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