Kultur

Hope Theatre Nairobi ist in Kehl: Interview mit Regisseur

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 4 Minuten
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21. März 2019

(Bild 1/2) Szenenbild aus dem in Kehl gezeigten Stück »Menschenrechte und andere Kleinigkeiten« des Hope Theatre Nairobi. ©Steffen Baraniak

Am Mittwoch, 27. März, 19 Uhr (Berufliche Schulen Kehl) gastiert das Hope Theatre Nairobi, das 2009 von dem deutsch-österreichischen Regisseur Stephan Bruckmeier gegründet wurde, zum vierten Mal in Kehl. Gezeigt wird das Stück »Menschenrechte und andere Kleinigkeiten«, eine mitreißende Collage aus Tanz, Theater und Musik. Die Kehler Zeitung sprach mit dem Theatermacher Bruckmeier über die Truppe.

Herr Bruckmeier, wie sind Sie auf die Idee mit dem Hope Theatre gekommen? 
Stephan Bruckmeier: Gar nicht, es war die Idee der Menschen dort. Vor zehn Jahren wurde ich zu einem 6-Wochen-Projekt mit »Müllkindern« nach Nairobi eingeladen – das sind Kinder, die in den Slums leben, häufig nicht in die Schule gehen können und ausgegrenzt werden. Nach dem Projekt haben sie zu mir gesagt: »Jetzt gehst du wieder, das ist typisch.« Und das ist tatsächlich typisch! Es gibt so viele Projekte von Europäern in Afrika, da wird was Tolles auf die Beine gestellt, und wenn es vorbei ist, bleibt nichts davon übrig. Also bin ich im nächsten Jahr wiedergekommen –und im Jahr darauf auch. Mittlerweile pendele ich zwischen Stuttgart und Kenia.

Was hat Sie dazu bewogen – und welche Rolle haben Sie beim Hope Theatre heute? 
Bruckmeier: Ich halte die ganzen Projekt-Geschichten mittlerweile für fragwürdig. Kontinuität aufzubauen, das ist es, was verändert. Es war mir klar: Wenn ich das weitermache, gibt es für mich keine Projekte in anderen Ländern mehr. Ich bin jetzt sesshaft geworden, auch wenn das 6000 Kilometer weit weg ist. Nur wenn man sich wirklich beschäftigt mit dem, was dort gebraucht wird, wird man auch ernst genommen und lernt, wie Kenia funktioniert. 

Ich bin inzwischen hauptsächlich für die Tourneeplanung und das Fundraising zuständig. Die Theatergruppe ist mittlerweile eine selbstverwaltete NGO (Nicht-Regierungsorganisation), die eigenständig arbeitet.  Wer sind die Schauspieler des Hope Theatre?
Bruckmeier: Die meisten der Kerntruppe sind von Anfang an mit dabei. Sie stammen aus den Slums von Nairobi und kamen meist über das Tanzen zum Theater. Mich ärgert, dass wir in Deutschland oft für eine afrikanische Schülertheatergruppe gehalten werden – unsere Schauspieler sind richtige Profis im Alter von Mitte 20 bis Anfang 40 und verdienen ihren Lebensunterhalt mit dem Theater!

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Wie sieht die Arbeit des Hope Theatre aus?
Bruckmeier: Wenn wir in Europa sind, geben wir in drei Monaten etwa 60 Vorstellungen. Dazu kommen Workshops in Schulen und anderen Einrichtungen. In Kenia ist das Verhältnis umgekehrt, da machen wir deutlich mehr Projekte und Workshops, beispielsweise mit den Mädchen vom Waisenhaus des Willstätter Vereins Kifafa in Kendu Bay oder im Frauengefängnis Nairobi. Seit 2016 haben wir ein eigenes Ausbildungsprojekt, die Hope Theatre Juniors. Ziel ist es, dass die Kinder und Jugendlichen später als Schauspieler ihr Einkommen haben. Woran es in Kenia nämlich auch fehlt, das sind Arbeitsplätze. Dabei können wir wahnsinnig viel für die Mädchen tun, die sind beim Theater völlig gleichberechtigt.

Wie finanziert sich das Ganze? 
Bruckmeier: Wir haben einige gute Partner wie das Staatsministerium Baden-Württemberg, die Fair-Trade-Organisation Transfair oder das Land Rheinland-Pfalz. Auch die Kooperation mit einer Autoverleihfirma, die uns für die Tour Autos zum Selbstkostenpreis zur Verfügung stellt, hilft uns sehr. Etwa 50 Prozent machen die Eintrittsgelder der Vorstellungen aus. Den Rest bezahle ich aus eigener Tasche. 

Wie entstehen die Stücke?
Bruckmeier: Wir greifen verschiedene sozialpolitische Themen auf, deshalb ist auch die Herangehensweise immer eine andere. Das Stück »Menschenrechte«, das wir am 27. März in Kehl zeigen werden, ist eigentlich ein Auftragswerk der Gleichstellungsanwaltschaft des österreichischen Kanzleramts. Geschrieben haben es mehrere Autoren aus Europa und Kenia, dann wurde es über drei Jahre hinweg in der Theatertruppe weiterentwickelt. Etwa die Hälfte hat die Gruppe eingebracht – sie haben selbst über das Thema recherchiert und diskutiert, sie haben die Songs geschrieben und es wird im Stück einen Tanzworkshop fürs Publikum geben. 

Was sind ihre nächsten Ziele?
Bruckmeier: Ein Ziel ist, auch mal ein bis zwei Mädchen aus dem Kifafa-Waisenhaus mit auf Tour zu nehmen. Allgemein möchten wir mit dem Hope Theatre Nairobi gegen die »europäische Arroganz« ankämpfen. Es gibt immer noch den Glauben, dass wir besser über Afrika reden können als die Menschen, die dort leben. Das Tollste an den Tourneen ist, wenn sich die Schüler in den Workshops und die Zuschauer nach den Auftritten mit den Schauspielern austauschen und sie einfach als Menschen aus Kenia kennenlernen und nicht als Flüchtlinge.

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