Kehl

Hunde helfen beim Demenzprojekt

Autor: 
Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 4 Minuten
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20. Februar 2020

Von einer Delegation der Bürgerstiftung Kehl erhielt das Tierheim beste Noten, durch das Hans-Peter Glauner, Vorsitzender des Tierschutzvereins, und seine Stellvertreterin Susanne Scheffler (beide vorne) geführt haben. ©Hans-Jürgen Walter

Die Bürgerstiftung Kehl und der Tierschutzverein Kehl-Hanauerland kooperieren miteinander: Während die Bürgerstiftung mit Zuschüssen dem Tierheim hilft, unterstützt dieses das Demenzprojekt der Stiftung. 

Äußerst zufrieden verließ am Samstag eine Delegation der Bürgerstiftung Kehl (BSK) das Tierheim. Dessen Träger ist der Tierschutzverein Kehl-Hanauerland. Was dessen Vorsitzender Hans-Peter Glauner bei einer Führung durch die Einrichtung gezeigt hat, hinterließ mehr als nur einen positiven Eindruck. Hans-Jörg Decker vom Fundraising-Fachausschuss der BSK erinnerte daran, dass sich das Tierheim noch vor gut vier Jahren in einem desolaten, maroden Zustand befunden habe. Der Krankenstand der Tiere sei entsprechend gewesen, was unter anderem auch auf die hygienischen Gegebenheiten zurückzuführen gewesen sei. 
Neu: Quarantäne-Boxen

Als 2016 mit dem neu gewählten Vorsitzenden Glauner, auch ein Neuanfang im Tierheim einherging, hat die Bürgerstiftung mit einer Spende geholfen. Vier Quarantäne-Käfige konnten davon gekauft werden. In diesen Iso-Boxen können Tiere im Krankheitsfall untergebracht werden. Neueste Errungenschaft des Tierheims ist dank der Finanzförderung der BSK eine Industrie-Spülmaschine. In ihr werden beispielsweise die Fressnäpfe gewaschen. Beide Spenden haben ebenso wie beispielsweise Desinfektionsmittelspender an den Zugangstüren sowie mehr Sauberkeit dazu beigetragen, dass Krankheiten wegen hygienischer Verhältnisse nicht mehr zu beklagen sind. 

Hohe Tierarzt-Kosten

Wie wichtig das nicht allein wegen des Tierwohls, sondern auch für die Finanzen ist, verdeutlichte Hans-Peter Glauner. Die Tierarzt-Kosten seien der zweitgrößte Posten in der Ausgabenbilanz. „Wir haben das Tierheim mit einem hohen Schuldenberg übernommen“, berichtete er, „mittlerweile schreiben wir eine schwarze Null.“ Das sei auch darauf zurückzuführen, dass Sponsoren wie etwa Sparkasse und Volksbank wieder zurückgewonnen werden konnten. Daneben gebe es weitere Spenden, wie die von der Geiger-Stiftung. Diese habe dafür gesorgt, dass ein Futtercontainer aufgestellt werden kann. Zuletzt haben die Sundheimer Hexen drei Katzenhäuser gefliest.

Wie Glauner ausführte, setzen sich die Einnahmen des Tierheims zusammen aus je einem Drittel Zuschüsse der Kommunen Kehl, Appenweier und Willstätt, Spenden und Erbschaften sowie die Hunde- und Katzenpension. 

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„Listenhunde“ als Dauergäste

Dabei hat das Tierheim laut Glauner das Problem, dass immer mehr verhaltensauffällige oder „Listenhunde“ im Tierheim bleiben. Obwohl die Tiervermittlungen Glauners Ausführungen zufolge dank des wieder erworbenen guten Rufes „super gut“ laufen, bleiben die als gefährlich eingestuften Hunde meist Dauergäste und belegen so den Platz, der dann für die Pension fehlt. Hinzukommen Kosten für Futter und Tierarzt. Das schlägt natürlich in den Ausgaben zu Buche, die für das Tierheim für 2019 mit rund 250 000 Euro verzeichnet sind. Darin enthalten sind auch die Gehälter für die sechs Tierpfleger und den Tierheim-Hausmeister. 

Nach Auskunft von Susanne Scheffler, seit einem Jahr stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins, sind im Tierheim derzeit sechs „Listenhunde“: drei Rottweiler sowie je ein Dobermann, Pitbull und Stafford. Sie sind per Gesetz als gefährlich oder potenziell gefährlich eingestuft . Sie seien schwer vermittelbar, weil sie einen Wesenstest brauchen und der künftige Besitzer einen „Hundeführerschein“. 

Gassigehen sehr beliebt

Sehr beliebt ist das Gassigehen. Interessierte können während der Öffnungszeiten Hunde ausführen, für die das Abwechslung und Sozialkontakte bedeutet. In diesem Zusammenhang hat sich die Kooperation zwischen Tierheim und Bürgerstiftung entwickelt. Wie Hans-Jörg Decker informierte, kommen in Verbindung mit dem Demenzprojekt der BSK Hunde aus dem Tierheim ins Dr.-Friedrich-Geroldt-Haus und ins Seniorenheim „Am Pfarrgarten“ in Willstätt. „Das kommt bei den Senioren bestens an“, berichtet Hans-Peter Glauner. „Sie freuen sich, wenn sie beispielsweise die Hunde streicheln können.“ Und Hans-Jörg Decker lobt: „So unterstützt jetzt auch das Tierheim die Arbeit der Bürgerstiftung.“ 

Derzeit wird im Tierheim der Eingangsweg auf drei Meter verbreitert und eine Katzenschleuse angelegt. Gleichwohl gibt es noch ein Liste mit Wunschprojekten, die Hans-Peter Glauner der Schriftführerin der Bürgerstiftung, Elisabeth Baumert überreichte. Dort wird sicherlich eine wohlwollende Prüfung der Förderfähigkeit stattfinden. Denn immerhin konstatiert Hans-Jörg Deckert: „Was wir gesehen haben, rechtfertigt die Unterstützung durch die Bürgerstiftung.“ 

Hintergrund

Das Katzendorf

„Katzendorf für unsere Wilden“ – so steht es auf dem Schild zum Eingang zum Katzendorf im Tierheim. Diesem werden immer wieder Streunerkolonien gemeldet, die sich durch fehlende Kastrationen weiter vergrößern. Um dem entgegenzuwirken, stellt der Tierschutzverein Lebendfallen auf und fängt so die Streuner ein. Diese werden dann von Tierärzten kastriert. Haben sie sich von der Kastration erholt, versucht der Tierschutzverein, die Katzen wieder in ihr gewohntes Umfeld zurückzubringen. Gibt es vor Ort jedoch keine Betreuung, erhalten die verwilderten Katzen die Möglichkeit, im Tierheim-Katzendorf zu wohnen. Derzeit werden etwa 30 Katzen auf dem Gelände betreut, viele suchen erst nach Einbruch der Dunkelheit die Futterplätze auf. Im Tierheim werden sie mit Futter, medizinischer Pflege und im Winter mit beheizten Räumen versorgt. Der Tierschutzverein freut sich über Paten einzelner Katzendorfbewohner oder für das allgemeine Katzendorf.

Stichwort

Das Kehler Tierheim

Das Kehler Tierheim an der alten Landstraße zwischen Kehl und Neumühl wurde 1966 in Betrieb genommen. Dementsprechend sanierungsbedürftig ist das Stammhaus. Träger der Einrichtung ist der Tierschutzverein Kehl-Hanauerland. Auf über 5600 Quadratmetern leben Vermittlungstiere. Es sind in der Regel Fund- oder Abgabetiere. 
Derzeit sind im Tierheim rund 20 Hunde, 60 Katzen sowie 22 Igel. Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, seinen Vierbeiner in die Tierpension im Tierheim zu bringen, entweder zur Tages- oder auch zur mehrtägigen Betreuung. Das Kehler Tierheim ist mittwochs bis sonntags von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Interessierte können jederzeit mit dem Tierheim Kontakt aufnehmen. Eine Gelegenheit, die Einrichtung kennenzulernen, ist das Tierheimfest, das in diesem Jahr für den 2. August geplant ist. 
Kontakt: Tel.: 0 78 51/17 55 oder info@kehler-tierheim.de 
Weitere Informationen: www.kehler-tierheim.de

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