Kehl

Im Baggersee lauert die Gefahr

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 4 Minuten
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29. Juni 2017

Sehnsuchtsort vieler Hitzegeplagter: Der Korker Baggersee. ©Nina Saam

Sommer, Sonne, Baggersee – an den Kehler und Willstätter Stränden geht es derzeit hoch her. Das kühle Nass verspricht Abkühlung, ist aber nicht ungefährlich, vor allem vor dem Hintergrund, dass immer weniger Menschen sicher schwimmen können.

Nicht nur Kehls Hallenbad macht dicht – bundesweit bröckeln die Bäder, die meist in den 1960er Jahren gebaut wurden und nun so sanierungsbedürftig wie die Kommunen klamm sind. Eine der Folgen ist, dass immer weniger Kinder schwimmen können.
Das kann Claude Woitschitzky, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Lebensrettungsgesellschaf DLRG Kehl und Badebetriebsleiter in Lahr, nur bestätigen: »Es kommen weniger Schulklassen und Kindergartengruppen ins Bad«, sagt er. Es gebe einfach zu wenig Lehrer und Betreuer, die die dafür nötige Rettungsschwimmerausbildung absolviert haben. 

»Das Schulamt Offenburg bietet zwar einen Kurs an – für acht Lehrer«, so Claude Woitschitzky. »Eigentlich müssten es 800 sein.« So sieht die Kehler Ortsgruppe in der Schwimmlehrer-Ausbildung eine ihrer Hauptaufgaben. 
Rund 120 Rettungsschwimmer wurden bisher pro Jahr ausgebildet – im Hallenbad. »Optimale Bedingungen haben wir nur dort« , sagt er. »Im Freibad ist es entweder zu kalt oder zu voll.« Wo die Rettungsschwimmerausbildung künftig stattfinden soll, weiß er nicht. Nach der Schließung des Kehler Bades gebe es in der Ortenau nur noch vier Hallenbäder, wo das möglich wäre: Freistett, Offenburg, Lahr und Hausach. 

Immer weniger können gut schwimmen

Problematisch ist neben den fehlenden Schwimmlehrern aber auch die fehlende Praxis. Bei Schwimmbad-Neubauten gebe es den Trend zum Spaßbad – mit entsprechenden Preisen. Besucher, die nur ein paar Bahnen ziehen wollen, schrecke das ab. Dabei sei es gerade für Kinder wichtig, regelmäßig schwimmen zu gehen, um sich die Sicherheit im Wasser zu erhalten. Vor allem jetzt, wo es in den Freibädern und an den Baggerseen brummt. »Die Badeunfälle haben definitiv zugenommen«, sagt Claude Woitschitzky. »Das sind meistens die Leute, die nur zweimal im Jahr ins Schwimmbad gehen und jetzt bei 35 Grad auch mal an den Baggersee fahren.«

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Die meisten Badeunfälle geschehen aus Unaufmerksamkeit, Leichtsinn und Selbstüberschätzung. Da gibt es welche, die weit auf den See hinausschwimmen und plötzlich einen Krampf bekommen oder deren Kreislauf schwächelt, weil in der Mitte das Wasser kühler wird. Andere springen von einer erhöhten Stelle aus ins Wasser, ohne vorher die Tiefe zu prüfen. Auch sollte man beim Springen und Tauchen die Temperaturschichtung eines Sees nicht unterschätzen: »An der Oberfläche hat das Wasser 23 Grad, In zwei bis drei Metern Tiefe nur noch 14 Grad«, warnt Woitschitzky. »Damit kommt der Körper nicht immer klar.«

Kinder geraten in Panik

Kinder sind besonders gefährdet. Ein Seepferdchen-Abzeichen macht noch lange keine sichere Wasserratte, vor allem, wenn die Übung fehlt. Kinder gerieten oft in Panik, wenn sie mit Wasserpflanzen in Berührung kämen oder beim Schwimmen Wasser schluckten – auch wenn ein Erwachsener dabei ist. »Sie klettern dann oft auf die Mama oder den Papa drauf«, soWoitschitzky. »Das sind dann die Badeunfälle, wo es heißt, Mutter und Kind sind ertrunken.« 
Deshalb rät er, dass Kinder, die nicht oder nicht besonders gut schwimmen können, generell Schwimmflügel tragen sollten, und das nicht nur im Wasser, sondern den ganzen Tag über. »Kinder rennen im Spiel oft einfach in den See und vergessen, dass sie die Schwimmhilfen nicht anhaben«, warnt er. 

Diese Vorsichtsmaßnahme gilt auch für den Freibadbesuch. Besonders an heißen Tagen kann es so voll sein, dass die Bademeister mit den Augen nicht überall sein können.
Und wie sieht es rein rechtlich aus? »Kinder dürfen ab sieben Jahren allein ins Freibad, wenn sie sicher schwimmen können«, so der Schwimmmeister. »Ist das nicht der Fall, liegt die Verantwortung bei den Eltern.«
 

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