Ortschaftsrat

In Bodersweier brodelt es

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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12. Oktober 2018

Der Bebauungsplan des 21 Hektar großen Wohngebiets Pfaffeneger West. Auf der Fläche WA1 sollen Ein- und Zweifamilienhäuser entstehen, auf der Fläche WA3 sind dreigeschossige Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Die Kritik der Bürger entzündet sich vor allem an der Bebauung der Fläche WA2. Hier sollen Hausgruppen mit bis zu 10,50 Meter Höhe und 35 Meter Länge gebaut werden können. ©Stadt Kehl

Seit drei Jahren steht das Baugebiet Pfaffeneger West immer mal wieder auf der Bodersweierer Tagesordnung. Bei der Sitzung am Donnerstag sollte der Ortschaftsrat den Bebauungsplan endgültig beschließen. Doch dann kam alles anders. 

Das Baugebiet Pfaffeneger West auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerks Ostertag ist eigentlich ein Glücksfall für eine Kommune: Eine innerörtliche Industriebrache, auf der rund 60 Wohneinheiten erstellt werden können, darunter einige dringend benötigte Sozialwohnungen, und ein Investor, der in den Startlöchern sitzt.

Darüber scheiden sich die Geister

Doch über das »Wie« der Bebauung scheiden sich die Geister. Nach der Offenlage des Bebauungsplans im Frühjahr 2018 waren 16 Stellungnahmen eingegangen, aus denen einige Anregungen in die Planung eingeflossen sind. So wurden die Bedenken des Fußballvereins geprüft, dessen Sportplatz unmittelbar an die Steinertsaustraße und die geplanten Mehrfamilienhäuser grenzt. Nach der Überarbeitung des schalltechnischen Gutachtens sind nun an der Nordseite der Gebäude »nicht-öffenbare Fenster« vorgeschrieben und keine schutzbedürftigen Räume und Außenwohnbereiche mehr zulässig – sprich keine Wohn- und Schlafzimmer und keine Balkone zum Sportplatz hin. Auch wurde festgestellt, dass die Lichtemissionen der Flutlichtanlage den Grenzwert um ein Vielfaches übersteigen, was aber durch Blendschutzmaßnahmen abgemildert werden kann. Offen blieb die Frage nach der Verkehrssicherungspflicht. Der Fußballverein befürchtet, dass auch ein höherer Ballfangzaun nicht ausreicht, um die neuen Häuser vor fehlgeleiteten Meisterschüssen zu schützen. Der Rat folgte der Argumentation des Vereins, dass die Verkehrssicherungspflicht und die Lichtemissionen in den Bebauungsplan aufgenommen werden sollen, was in der Vorlage abgelehnt wird. 

Einwände der Anwohner

Lediglich zur Kenntnis genommen und somit kein Gehör gefunden haben dagegen die Einwände der Anwohner, die eine zu hohe Verdichtung, fehlende Bürgersteige und die verkehrliche Erschließung bemängelten. Klärungsbedarf meldeten sie auch bei der Dimensionierung der Abwasserleitungen an, da es in der Vergangenheit damit Probleme gegeben hatte. Zudem befürchten sie, dass die Vorgabe von 1,0 bis 1,5 Stellplätzen pro Wohneinheit nicht ausreicht und in Folge die umliegenden Straßen zugeparkt werden. Kritisiert wurden auch die 35 Meter langen »kasernenartigen« Gebäude entlang der Straße Im Pfaffeneger, die im Entwurf des Investors zu sehen sind, den er im Internet präsentiert. »Das bedeutet einen enormen Wertverlust für die Häuser der Nachbarn, wenn das so kommt«, so der Wortführer der Anwohner, selbst Architekt. 

Doch ob das so kommt, konnte ihnen auf der Ortschaftsratssitzung keiner sagen. Laut Ortsvorsteher Manfred Kropp hatte niemand von der Stadtplanung Zeit gehabt, die Pläne persönlich vorzustellen und auf die Einwände der Bürger einzugehen. »Das kann doch nicht sein, dass hier der Bebauungsplan beschlossen wird, ohne dass wir eine Antwort auf unsere Fragen erhalten«, sagte ein Anwohner. 

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»Ein Zeichen setzen«

Kropp entgegnete, dass das Prozedere vorsieht, dass detaillierte Antworten erst nach dem Gemeinderatsbeschluss rausgehen – was allgemeines Kopfschütteln auslöste, nicht nur im Zuschauerraum, sondern auch am Ratstisch. »Ich kann dem Bebauungsplan nicht zustimmen, wenn noch so viel unklar ist«, sagte Ortschafts- und Stadrat Andreas Hopp. Er beantragte, den Beschluss auf die Novembersitzung zu verschieben, in der jemand von der Stadtplanung vor Ort sein müsse, um die Fragen der Bürger zu beantworten. Mit 6:2 Stimmen wurde der Antrag angenommen.
»Man muss jetzt mal ein Zeichen setzen«, sagte Ortschaftsrat Ralf Dietrich. »In der Julisitzung war die Vorlage nicht da, und jetzt niemand von der Verwaltung. So geht das nicht.«
 

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