Willstätt

Isabelle Grussenmeyers Werbung für »Muettersproch«

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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15. Februar 2016

Sympathischer Kampf für die »Muettersproch« mit den »Waffen« der Musik: Isabelle Grussenmeyer und Partner Thomas Etterle im Willstätter »Mühlen-Café«. ©Michael Müller

Als charmante Kämpferin für elsässische Sprache und Kulturtraditionen präsentierte sich Liedermacherin Isabelle Grussenmeyer bei ihrem Auftritt im Rahmen der »Kult-Tour«-Reihe am Samstag im »Mühlen-Café« in Willstätt.

Mundart hat es nicht leicht. Das gilt nicht nur auf der deutschen Rheinseite. Auch »driwwe«, im Elsass, ist Elsässerditsch auf dem Rückzug. Laut Zeitungsberichten spricht bloß eine Minderheit von rund 40 Prozent der 1,8 Millionen Elsässer nach wie vor die angestammten Mundarten. Noch weniger verwenden sie im Alltag. Und Initiativen von staatlicher Seite für den Erhalt der deutschen Dialekte durch entsprechende gesetzliche Regelungen sind nicht in Sicht.

Rückbesinnung auf regionale Kultur
Doch mittlerweile ist gerade unter jüngeren Leuten eine zunehmende Rückbesinnung auf die regionalen kulturellen Eigenheiten und Traditionen zu verzeichnen. Nicht zuletzt war der Protest gegen die von Staatspräsident Hollande initiierte und inzwischen vollzogene Verwaltungsreform gerade im Elsass heftig – und getragen wurde er zu einem beträchtlichen Teil gerade auch von jüngeren Leuten. Auch die in Haguenau geborene Liedermacherin Isabelle Grussenmeyer zählt mit ihren 37 Jahren noch zu den Jüngeren. Schon mit 11 Jahren stand sie das erste Mal auf einer Bühne; mit etwa 17 begann sie ihre ersten eigenen Liedle zu schreiben – immer »uff Elsässisch«. 

Mit Haut und Haar fürs »Elsassisch«
In ihrem Lied »Warum?«, das sie wohl nicht zufällig ziemlich an den Anfang ihres Auftritts am Samstag im Willstätter »Mühlen-Café« stellte, drückt sie das sprachpolitische Credo des jungen elsässischen Regionalismus aus: »Elsassisch, des isch mini Muedersproch, an ihre henk ich ganz mit Hüt un Hoor. Franzöesch und Englisch singe alli Lit, ohne ze wisse was es als beditt! Un ich hab sie dann g’fröjt: warum? Sin ihr nit stolz uf des Richtum? Des isch doch uns’re Dialekt, mir müen ‘ne ehre mit Reschpekt!« 

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Ja, so einfach ist das. Viel klarer kann man ein Plädoyer für die »Muttersprache« nicht formulieren. Doch Elsässer sind keine geborenen Rebellen. Und so kommt sie nicht als verbiesterte Kämpferin daher, sondern serviert ihren Protest unverkrampft und mit viel sympathischem Girlie-Charme – und hintergründigem Humor. Es gebe Menschen, die zwei Sprachen beherrschen – die seien zweisprachig, und Menschen, die mehrere Sprachen sprechen – die seien mehrsprachig; und es gibt Menschen, die nur eine Sprache können – »des sin Franzose«, witzelt sie einmal in einer Zwischenmoderation gegen die in ihrem Land weit verbreitete Ignoranz gegenüber regionalen und kulturellen Eigenheiten.

Eine Show für sich
Ihre Stimme ist nicht besonders voluminös, und dennoch kann Grussenmeyer mit ihr eine erstaunliche Vielfalt an Empfindungen und Emotionen transportieren. Sie singt vom Traum eines einfachen »Straßburger Maidlis« von einem schönen Leben (»Strossburjer Midinettes«) oder singt gegen den »Klima-Blues« an, doch sie liebt auch die kleinen Begebenheiten des Alltags, die sie in leichtfüßige Verse verpackt – etwa wenn sich ein Paar nicht einig werden kann, wohin man im Urlaub fahren soll (»Wo gehn m’r hin?«). Auch musikalisch gibt sie sich erfreulich experimentierfreudig und probiert sich auch mal außerhalb klassischer Chanson-Elemente aus – etwa in verträumten Folk-Weisen oder im Gospel.

Begleitet wurde sie von Thomas Etterle auf dem Theremin – einem höchst merkwürdigen Instrument, das gespielt wird, ohne dass man es berührt, und das Töne erzeugt, die mal an einen Zupf-Bass, mal an ein Cello, mal an eine singende Säge oder an einen besoffenen Hornisten erinnern – allein das war eine Show für sich.

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