Café Flore

Jazz-Konzert im Kehler "Yachthafen"

Autor: 
Gerd Birsner
Lesezeit 4 Minuten
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13. September 2020

Hochkonzentriert: Kira Borgardt, die junge Sängerin aus Hügelsheim, genießt ihren Gastauftritt beim hochprofessionellen, grenzüberschreitenden Jazz-Quartett „Café Flore“ mit Jazz-Cantinen-Macher Gunnar Sommer am Saxophon. ©Gerd Birsner

„Café Flore“: Das Geburtstagkind Gunnar Sommer und der Akkordeonist Jean-Michel Eschbach gastieren fulminant als „Soundtrack der Region“ im Yachthafen-Restaurant

Es gibt Menschen, die lassen sich zum Geburtstag schöne Geschenke machen und freuen sich daran. Gerade so wie der Urvater der Kehler Jazz-Cantine, Gunnar Sommer, der großes Pläsier hat am im eigenen Garten von der Angebeteten selbst gepflückten Septemberblumenstrauß auf dem vermutlich mit schmackhaften Kalorien reich gedeckten Musiker-Frühstückstisch. Es gibt aber auch die etwas seltenere Spezies Geburtstagskinder, die bestens aufgelegt ihre Backen aufblasen und anderen Menschen damit selbst ein schönes Geschenk machen. 

So wie just  die smoothy Sommerschorle-perlende Lichtgestalt der Kehler Jazz-Cantine, Gunner Sommer. Der steht also just an seinem 61. Geburtstag nebst Sopran-, Altsaxophon und andern Hochkarätern der heimischen Jazzszene beidseits des Rheins auf der coronabedingt überdachten Freiluftbühne im wieder einmal ausverkauften Kehler „Yachthafen“-Restaurant und bläst geburtstagsfröhlich in sein Instrumentarium. In letzter Zeit eher für den guten Klang verantwortlich, steht er heuer wie ein Fels in der „Café-Flore-Smooth-Jazz-Brandung“ groovend im Rampenlicht. 

Im September blaut die Nacht nun doch schon etwas früher: bereits gegen 20 Uhr dustert es. Und noch immer speisen die Herren Musiker im satten Grün hinter der Bühne und lassen kauend das akademische Viertelstündchen herannahen. Das zweihöckrige Kamel des arabischen Scheichs scharrt bereits mit den Hufen:  „The Sheik of Araby“ möchte  ein ordentliches Konzert-Intro sein, bei dem jeder Musiker schon mal zeigen kann, wo es an diesem Abend langgeht. 

Doch bevor der Wüstensohn zum Auftakt eines fluoreszierten Abends jazzig eingetaucht über den Bühnenrand hinüber smootht, bringt Jazz-Cantinen-Moderator Michael Dreilich seinen inzwischen bestens verinnerlichten Spruch in Sachen Corona-Maßnahmen bei derlei Konzerten: „Bitte beim WC-Gang Masken tragen“. Dabei hält er das angeblich kleingeld­resistente rosa Beschallungssparschwein namens „Samba Paul“ fest auf Kuschelkurs, um es dann ausgehungert auf die Bassbox zu stellen. Dies macht aber dem Schwein keine Freude. „Es wird“, so Dreilich, jetzt „grooven wie Drecksau.“ Samba ist aber an diesem Abend nicht. Stattdessen steht eher Musetteskes an. Jazz, ja, aber „not the American Way“. Frankreich liegt ja viel näher.
An der Ecke des Boulevard Saint-Germain Nr. 172 und der Rue Saint-Benoît im momentan  arg coronagebeutelten Paris – liegt das bereits 1887 eröffnete Lieblingsplätzchen der Pariser Intellektuellen, das Café Flore, benannt nach Flora, der römischen Göttin der Blüte. „Und während sie sprach, hauchte sie Frühlingsrosen aus ihrem Munde“, beschrieb einst Ovid die Diva. Und während er saxophonte, hauchte der Sommer-Gunnar die ihm von Patty, seiner Angebeteten, auf den Frühstückstisch gestellten Septemberblumen geburtstagsfroh ins Saxophon. 

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Auf Knopfdruck 

Der Mann mit den wachen Augen, der sich bescheiden hinter dem ungetümen roten Instrument mit den vielen Knöpfen verstecken kann, ist ein Satansbraten an seinem Instrument. 
Der Akkordeonist lässt seine Finger in – wo nötig – aberwitzigem Tempo tanzen, spielt, wenn’s sein muss, pianissimo, trillert, knöpfelt, brilliert, ohne Aufmerksamkeit erzwingen zu wollen. Er sitzt da, völlig relaxt, ausgeruht, in sich ruhend. Er weiß genau, was zu tun ist, damit es groovt, balladelet, musettelt oder djangot. Und die mit Gunnar gedoppelten zweistimmigen Riffs sitzen maßgeschneidert. Chapeau!

Der Knöpfl-Knetscher heißt Jean-Michel Eschbach. Er und Sommer, das ist „Café Flore“, zwei virtuose Individualisten, jeder für sich schon mehr als gut, die sich das Wasser reichen können. 
Ein „Soundtrack der Grenzregion“ also, der sich gewaschen hat. Unterstützt werden sie an diesem nacht(b)lauen franko-jazzigen Abend kompetent vom Oberkircher Deja-Vu-Gitarristen Klau Leopold und dem Haut-Rhin-Bassisten Gilou Untersinger, der das „Cafè Flore“ auf ein äußerst solides Fundament stellt.’

Ja, und da ist noch Kira Borgardt, die 22-jährige lebende Psychologiestudentin aus Hügelsheim, das Café-Flore-Küken, die nette Chansonette, die sich eher in den höheren Oktaven wohlfühlt und – egal, ob sie „Bei mir bist du scheen“ jazzt oder den Chevalier-Song „Paris serat toujours Paris“ chan-singt – der koffeinhaltigen Combo ein kleines Sahnehäubchen draufsetzt. Wenn Kira aber dann zum „Organ“-izer mutiert, sich ans rote Keyboard setzt und fast unbegleitet „Empire State of Mind“ singt, wird sie endlich sie selbst, und auf dem Tischchen im „Café Flore“ steht ein Herbstblumenstrauß.

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