Kehl

Jugendforum Kehl: Schulverweigerer-Programm

Autor: 
Red/ Klaus Körnich
Lesezeit 3 Minuten
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26. Juni 2013
Stadt Kehl - Jugendforum-Teilnehmer (v. l.): Bernd Wiegele (BSW Anlagenbau und Ausbildung), Hebelschul-Rektor Manfred Büchele, Werner Noltenhans (Agentur für Arbeit), Pia, Justjna Zerdzinska und Nanine Delmas, Fachbereichsleiterin Bürgerdienste und Soz

Stadt Kehl - Jugendforum-Teilnehmer (v. l.): Bernd Wiegele (BSW Anlagenbau und Ausbildung), Hebelschul-Rektor Manfred Büchele, Werner Noltenhans (Agentur für Arbeit), Pia, Justjna Zerdzinska und Nanine Delmas, Fachbereichsleiterin Bürgerdienste und Soz

Beim Forum »Jugend – Beruf – Zukunft« warb Nanine Delmas, Leiterin des Fachbereichs Bürgerdienste und Soziales bei der Stadt Kehl, vor rund 50 Unternehmern für Geduld mit Jugendlichen, die zu Schulverweigerern geworden sind, für Sympathie mit der Unreife und dafür, keinen jungen Menschen verloren gehen zu lassen.

Kehl-Auenheim (red/kk). Wie und warum genau er in der Schule Probleme bekam, kann Arion nicht mehr sagen. Aber eines weiß er sicher: Bei Riverside Kustomz fühlt er sich wohl. »Hier kann ich wirklich was lernen.« Gemeinschaft, Zusammenhalt, Begegnung auf Augenhöhe – das schätzen die Jugendlichen in den verschiedenen Maßnahmen des 2007 gegründeten Vereins am meisten.

Unternehmer und Geschäftsführer waren der Einladung der Stadt und der Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungs-GmbH zum Jugendforum in die Räume von Riverside Kustomz in Auenheim gefolgt. Zusammen mit Fachleuten der Arbeitsverwaltung, Rektoren und Ausbildungsleitern wollte man der Frage nachgehen, wie Schulverweigerer eingebunden werden und wie sie Zugang zur Berufswelt finden können. Nanine Delmas appellierte dabei an die Unternehmer, die Jugendlichen als Ressourcen zu betrachten und sie sich als spätere Fachkräfte zu sichern.

Dass Jugendliche zu Schulverweigerern werden, dafür gebe es viele Gründe, berichtete Hebelschul-Rektor Manfred Büchele. Oft geschehe es in der Pubertät, in einer Zeit, in der familiäre Probleme aufträten – die Schule könne diese Probleme nicht ausblenden. Die Möglichkeit des vorübergehenden Schulausschlusses hält er für kein probates Mittel: »Der Schüler kommt wieder und es ist nichts passiert.« Bernd Wiegele, Geschäftsführer der BSW Anlagenbau und Ausbildung GmbH, stimmte zu: »Schimpfen und Nichtstun bringt nichts«, wenn man die Jugendlichen dagegen begleite, »bekommt man etwas zurück in Form von Leistung, die man nie für möglich gehalten hätte«. Aus seiner Erfahrung kennt er »Fast-Schulverweigerer mit ganz tollen Leistungen in der Ausbildung«.

»Wie geht es Dir?«

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»Guten Tag, wie geht es dir?« werde er gefragt, berichtete Arion und das sei nicht nur eine Floskel. Dass sich jemand wirklich dafür interessiert, wie es ihm geht, habe er erst bei Riverside erfahren. Pia, das einzige Mädchen bei Riverside, sieht wieder eine berufliche Zukunft für sich: »Irgendwas mit Schrauben an Autos« möchte sie machen und auch Arion ist zuversichtlich: Nach der Lehre bei Riverside werde ihm Riverside-Chef Markus Sansa helfen, eine Stelle zu finden.

Mit zunehmendem Alter sei ihr Sohn in der Schule immer schwieriger geworden, bis es gar nicht mehr ging, berichtete die Mutter eines anderen Projektteilnehmers. »Es war ganz schlimm.« Bei Riverside fühle er sich angenommen. Ein Beispiel, das Nanine Delmas aufgreift, die sich wünscht, dass Schulverweigerer »schon einen Tick früher« zu Riverside geschickt würden.

16 Jugendliche – davon 15 Jungs – haben seit 2011 am Schulverweigererprojekt teilgenommen. Die Rückmeldungen von Eltern, Schulen und Teilnehmern seien positiv, die Hebelschule sei für die Kooperation ausgezeichnet worden, berichtete Birgit Kehrer. Mit zehn Stunden unterrichtet die Lehrerin die Schulverweigerer vor Ort. »Frau Kehrer geht das mit mir durch, dass ich das verstehen kann«, sagt Arion.

Angefangen hat es mit der Oldtimer-Restaurierung. Auch heute noch seien diese der »pädagogische Motor«, so Sansa. Mit der Lackier- und der Holzwerkstatt will er Riverside für Mädchen interessant machen. »Riverside entwickelt sich«, sagt er.

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