Konzert

Kehl: Duo "Feu" spielt im Rahmen der Jazz-Cantine

Autor: 
Gerd Birsner
Lesezeit 3 Minuten
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10. Januar 2020

Rémi Psaume (vorn) spielt das Baritonsaxofon völlig ohne Schnappatmung, und er steht dem Gitarristen Stephane Galeski von »Feu« an Virtuosität um nichts nach. ©Gerd Birsner

Die Reihe »Jazz-Cantine« startet mit dem virtuosen Duo »Feu – Far East unlimited« ins neue Jahrzehnt.

Da hat der Maestro der Jazz-Cantine, der Sommer-Gunnar, die Virtuosen-Messlatte aber hoch gelegt: Das, was das Duo »Feu« – Far Est Unlimited also – beim ersten von zwölf in diesem Jahr geplanten Jazz-Cantinen-Abenden im Restaurant-Café am Yachthafen da abgeliefert hatte, das war allererste Sahne, war Couscous Royal. Mit einem gewaltigem Schuss feurigem Harissa, versteht sich.

Der Gitarrist Stèphane Galeski und der Saxofonist Rémi Psaume sind zu einer musikalischen Einheit verschmolzen, die ihresgleichen sucht. Eine unschlagbare Symbiose aus mentaler Gelassenheit und musikalischer Virtuosität, mit der auch die kompliziertesten, gut abgehangenen und ausgereiften Unisono-Parts in ihren meist selbst geschriebenen Stücken mit einem Lächeln und knotenfreiem Fingersatz gemeistert werden.

Kein Wunder, denn mit im Gepäck hat der Gitarrist neben seiner Jazzgitarre auch die Mandole, ein  doppelt bespanntes, fünfsaiteiges algerisches Lauteninstrument, das Stéphane auch jene morgenländisch machenden Vierteltöne ermöglicht, die gerade für mitteleuropäische Ohren ungewohnt, fast schon schräg klingen. Die von diesem feurig-grenzenlosen Duo ausbaldowerten Riffs, die überraschenden Breaks, die nachhaltigen Grooves lassen einen nicht mehr los. 

Riff auf Knopfdruck

Ihre Stücke klingen auch so, wie sie heißen. Lucky Elephant« etwa oder »Ethiopean Blues« etwa, gespielt mit einem Looper, also einem »Wenn’s mich zweimol gäb Apparat…«, der den just gespielten Riff auf Knopfdruck wiederholt und so – von vielen unbemerkt –mehrere imaginäre Stèphane Galeskis auf die Bühne zaubert.

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Damit bringen die zwei Musiker so manche historisch gewachsene Musikpyramide zum Wanken, lassen Cleopatra aus dem Bad in Eselsmilch auftauchen. Da duellieren sich zwei Schnellfinger wie einst die Cowboys bei »Zwölf Uhr mittags« – aber nicht mit dem Colt, sondern mit dem Gold äußerst diffiziler, rasender Tonfolgen. 

Darf’s denn auch mal mitteleuropäisch sein? Voilà! »Mornig Prayer« ist Musik für westliche Europäer-Ohren. Dabei erwacht die Welt, es quintenzirkelt sich rückwärts, mit zweistimmigen Läufen der Sonne entgegen. Doch zwei Songs weiter legt er uns mittels Mandole in die Hängematte zwischen zwei Dattelpalmen irgendwo zwischen Algier und Marrakesch.

Mit seinen Saxofonen jubiliert, phrasiert, entzückt Rémi Psaume. Mit rasend schnell klappernden Klappen rast er von Riff zu Break, quietschfidelt sich von Fermaten zum Al fine, wirft sich ins Hohlkreuz, und sein Sax erklimmt dabei ungeahnte Höhen. Wow!

Leichtigkeit des Seins 

Die Musik der beiden riecht nach orientalischem Scharfgewürz, nach Suq, Kaftan und rotem Halbmond, aber auch nach glücklichen Weihnachtszirkuselefanten, ungarischem Gulasch, Edel-Marzipan, Eiffelturm und grellem Lippenstift,  machen uns mit völlig überraschenden Symbiosen aus diversen musikalischen Welten ganz schön Feuer untern Hintern.

Sie zelebrieren rotzfrech die Leichtigkeit des weltmännischen musikalischen Seins, und da fragt man sich, ob dieses fast schon revolutionäre musische Vorgehen denn nicht fast schon eine Arznei sein für die Wunden unserer kranken Welt sein könnte? Einfach mal wie die beiden aus allen verschiedenartigen Kulturen die allerbesten Filetstückchen heraustrennen, um daraus etwas Einzigartiges zu machen? Also wie die beiden „Feu“ eine grenzlose Symbiose zwischen Ost und West anzetteln, ein heilsames Miteinander der Kulturen – auch wenn es anfangs noch etwas schräg und ungewohnt klingt…

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