Kehl

Kehl kämpft für sein Hallenbad

Autor: 
Martin Egg
Lesezeit 3 Minuten
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21. März 2017

(Bild 1/3) »Wir wollen schwimmen!«, forderten diese 75 Jungen und Mädchen des Kehler Schwimmervereins am Montag. ©Udo Künster

Gleich mehrere Unterschriftenaktionen setzen sich seit dem Wochenende für den Erhalt des Kehler Hallenbads ein. Der passionierte Schwimmer Gerd Baumer plädiert für eine zeitnahe Dachsanierung. Zeitgleich solle die Stadt Kehl die alten Pläne für ein Kombibad endlich in die Tat umsetzen. 

Das Kehler Hallenbad hat nach Bekanntwerden des Schließungsbeschlusses Ende vergangener Woche eine Welle von Solidaritätsbekunden erfahren: Auf Facebook, in Leserbriefen, bei Vereinen und Schulen – überall setzen sich die Menschen gegen ein drohendes Aus für die beliebte Kehler Schwimmeinrichtung zur Wehr. An vorderster Front: Gerd Baumer, Ex-Lehrer, Ex-Grünen-Kreis- und Gemeinderat, amtierender Tram-Botschafter und leidenschaftlicher Schwimmer, so lang er denken kann. 

»Aprilscherz«?

Er habe die Nachricht vom Schwimmbad-Aus am Donnerstagabend zunächst für einen »vorgezogenen Aprilscherz« gehalten, sagt Baumer.  Spätestens mit der Berichterstattung der Kehler Zeitung erkannte er aber: »Jetzt gilt es, eine Initiativgruppe zu installieren!« Noch am Samstag schmiss Baumer seinen Computer an und druckte dutzende Formulare: Unterschriftenlisten »für eine sofortige Deckensanierung des Hallenbades«, wie es darauf heißt. Des Weiteren will Baumer »keine Schließung auf unbestimmte Zeit« haben. Er ist überzeugt: »Kehl braucht ein Hallenbad!« 

Dies wiederum finden auch die 309 Männer und Frauen, die bis Montagabend bereits im Hallenbad ihre Unterschriften geleistet haben. Dort hat Baumer den ersten Stapel Formulare ausgelegt. Mittlerweile finden sie sich auch bei Sport-Hahn, im Schuhladen Hammel neben der Anker Apotheke, in der Stadtapotheke sowie im Haus der Jugend und dem Seniorenbüro. Außerdem will Baumer in Kehler Arztpraxen um Erlaubnis bitten.

Druck aufbauen 

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Das Ziel des ehemaligen Grünen-Politikers ist es, politischen Druck aufzubauen, bis 20. Mai mindestens 5000 Unterschriften zu sammeln, um sie anschließend an Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) zu übergeben, der die Schließung aufgrund einer nicht mehr auszuschließenden Gefährdung der Badegäste durch von der Decke herabfallende Teile zum Ende der Hallenbadsaison veranlasst hatte.

Parallel dazu geht auch der 1921 gegründete Kehler Schwimmverein auf Unterschriften-Akquise – und zwar in Form einer Online-Petition (siehe Stichwort). Bis Montagabend hatten dort 176 Menschen digital unterzeichnet. Darüber hinaus beteiligen sich verschiedene Lehrer der Beruflichen Schulen Kehl (BSK) mit einer eigenen Unterschriftensammelaktion, wie die Kehler Zeitung erfahren hat. Ihr gegenüber übt Baumer erneut massive Kritik an der Stadtverwaltung: »Jetzt schiebt man das seit zehn Jahren vor sich her, und es ist nichts passiert!« 

Ganze Aktenorder füllen Gemeinderatsunterlagen aus zurückliegenden Jahren, aus denen hervorgeht, dass sich das Rathaus schon vor langer Zeit mit Plänen für einen Neubau des Hallenbads auseinandergesetzt hatte – auch in Form einer von Baumer favorisierten Kombibad-Lösung am Standort des heutigen Freibades. Dass ein einfaches Kombi-Bad mit acht 25-Meter-Bahnen nicht teuer sein müsse, sondern schon für »günstige« 4,5 Millionen Euro (so viele kostet ein Tram-Zug) zu haben wäre, das beweist Baumers Meinung nach das niederländische Unternehmen »Slangen & Koenis Architecten« mit einer bereits sechsmal umgesetzten Lösung »von der Stange«. Dafür möchte der Kehler gern werben.

Für die Deckensanierung 

Bis so ein Bad in ein paar Jahren stehe, müsse das alte Hallenbad unbedingt erhalten, also zumindest die Decke saniert werden. Anschließend könne man es zur Sporthalle für Vereine umfunktionieren, schlägt Baumer vor. Überhaupt – die Decke: Dass die nicht zeitgleich mit derjenigen der ebenfalls maroden Einstein-Halle saniert wurde, könne er nicht nachvollziehen. 

Am Montagabend trainierten noch einmal 75 Jungen und Mädchen des Kehler Schwimmvereins im Hallenbad: »Wir wollen schwimmen!«, skandierten sie in Badehosen für die Kamera eines Fotografen. Ab 23. April ist damit vorerst Schluss. 

Stichwort

Online-Petition

Der Kehler Schwimmverein hat eine Online-Petition für den Erhalt des Hallenbads gestartet. Den entsprechenden Link findet man auf der Homepage des Vereins unter folgender Adresse: www.schwimmverein-kehl.de

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