Geschichte

Kehl: Stolpersteinverlegung im Gedenken an Rosa Mayer

Autor: 
Redaktion
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14. Oktober 2020

An der Adresse Oberländerstraße 8 wohnte Rosa Mayer, bevor sie 1940 mit 21 weiteren Jüdinnen und Juden aus Kehl deportiert wurde. ©Stadt Kehl

Am 22. Oktober, dem Jahrestag der Deportation der Kehler Juden in das Lager Gurs, wird der 65. Stolperstein in Kehl verlegt. Er erinnert an die Kehlerin Rosa Mayer, die in der Oberländerstraße wohnte.

„Keine Feier ohne Mayer!“ Mit diesem Satz erinnert sich eine Zeitzeugin an die Kehler Jüdin Rosa Mayer zurück. Die damals 65-Jährige wurde am 22. Oktober 1940 von Kehl aus in das französische Internierungslager Gurs deportiert. Mehr als 6500 jüdische Menschen aus Baden, der Pfalz und dem Saarland teilen an diesem Tag dasselbe Schicksal. Zum Gedenken an den 80. Jahrestag der Deportation wird für Rosa Mayer am 22. Oktober ein Stolperstein verlegt – der mittlerweile 65. in Kehl. 
Acht junge Frauen stehen in der Oberländerstraße in Kehl und blicken mit ernstem Gesicht auf den Gehsteig. Sie alle sind Teil der Zeitzeugen-AG am Einstein-Gymnasium. Was sie suchen, ist ein geeigneter Platz für die Erinnerung. 

In seinen Händen hält eines der Mädchen einen kleinen Betonquader, versehen mit einer schimmernden Messingtafel. Darauf eingeprägt steht: „Hier wohnte Rosa Mayer, geborene Murr. Jahrgang 1874. Deportiert 1940. Tot an Haftfolgen 14.7.1945.“ Kurz und knapp fasst die Tafel das Leben der Frau zusammen, die aufgrund ihres jüdischen Glaubens gezwungen wurde, ihre Wohnung in der Oberländerstraße 8 zu verlassen. Genannt werden auf dem Stolperstein auch die Stationen, die sie daraufhin in Gefangenschaft durchlebte: Gurs, Recebedou, Nexon, Masseube. 

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Zeitzeugen-AG 

„Ich würde ihn hierhin setzen“, sagt die Schülerin der Klasse 9b, stellt den Betonklotz auf dem Boden ab und blickt in Richtung der Hausnummer 8. „So ist er genau mittig zum Fußweg und schön zentral platziert.“ Stadtarchivarin und Leiterin des Hanauer Museums, Ute Scherb, nickt zufrieden. 

Es sei ihr und dem Leiter der Zeitzeugen-AG, Uli Hillenbrand, ein Anliegen gewesen, dass die Schülerinnen sich den genauen Platz selbst aussuchen, an dem der Stolperstein verlegt wird. In Zusammenarbeit mit Uli Hillenbrand und der Zeitzeugen-AG hat Ute Scherb das Leben und Schicksal vieler Jüdinnen und Juden in Kehl aufgearbeitet. So auch das von Rosa Mayer, die bei der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion am 22. Oktober 1940 gemeinsam mit 21 weiteren Menschen frühmorgens in Kehl verhaftet und von den Nationalsozialisten nach Gurs deportiert wurde. 
„Da sich 2020 dieses Verbrechen zum 80. Mal jährt, empfinden wir es als passend, den für sie gestalteten Stolperstein an diesem Tag zu verlegen“, erklärt Ute Scherb. 

Stichwort

65. Verlegung

Am Donnerstag, 22. Oktober, wird der 65. Kehler Stolperstein für Rosa Mayer verlegt. In einer Zeremonie, die um 11 Uhr beginnt, berichten die Schülerinnen und Schüler der Zeitzeugen-AG vom Leben und den Stationen der deportierten Jüdin. Im Anschluss wird der Stolperstein an seinem Platz auf dem Gehweg der Oberländerstraße vor dem Haus mit der Nummer 8 in den Boden eingelassen. Die Kehler Bevölkerung ist dazu eingeladen, an dem Gedenkakt teilzunehmen. Es gilt Maskenpflicht; zudem ist auf einen ausreichenden Abstand zueinander zu achten. 

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