Kehl

Kehler Aktionsmonat setzt ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Autor: 
Hans-Jürgen Walter
Lesezeit 4 Minuten
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22. Oktober 2021
Juliane Peter vom Frauen-und Familienzentrum, Barbara Tonnelier, Vorsitzende Fachausschuss „Gewalt in der Familie“ der Kehler Bürgerstiftung, sowie Jannate Hammerstein von der Kommunalen Kriminalprävention (von links) organisieren unter dem Dach des Netzwerks „Häusliche Gewalt und Zwangsheirat“ den Aktionsmonat unter dem Motto „Schweigen brechen“.  

Juliane Peter vom Frauen-und Familienzentrum, Barbara Tonnelier, Vorsitzende Fachausschuss „Gewalt in der Familie“ der Kehler Bürgerstiftung, sowie Jannate Hammerstein von der Kommunalen Kriminalprävention (von links) organisieren unter dem Dach des Netzwerks „Häusliche Gewalt und Zwangsheirat“ den Aktionsmonat unter dem Motto „Schweigen brechen“.   ©Hans-Jürgen Walter

Vor Ort ein Zeichen setzen gegen Gewalt – das ist das Anliegen des Kehler Aktionsmonats. Bis zum Abschluss am 25. November gibt es Vorträge, Präventionsveranstaltungen und Workshops.

Gewalt gegen Frauen wird oft bagatellisiert oder ignoriert. Frauen wird häufig die Schuld gegeben, wenn sie Gewalt erfahren. Die Folge: Betroffene sprechen aus Scham und Angst nicht über das Erlebte. „Das wollen wir ändern“, heißt es in einem Aufruf des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November.

In Kehl finden bereits im Vorfeld Veranstaltungen statt, die unter der Überschrift „Nein zu Gewalt an Frauen“ am internationalen Aktionstag ihren Abschluss finden. Die Organisatorinnen vor Ort aus dem Netzwerk „Häusliche Gewalt und Zwangsheirat“ sind Jannate Hammerstein von der Kommunalen Kriminalprävention, Juliane Peter vom Frauen- und Familienzentrum, Barbara Tonnelier, Vorsitzende Fachausschuss „Gewalt in der Familie“ der Kehler Bürgerstiftung, sowie Bernadette Thomas, Lehrerin an der Tulla-Realschule. Die Aktionen, zu denen jeweils die Öffentlichkeit eingeladen ist, werden von unterschiedlichen Gruppierungen angeboten.

Leben frei von Gewalt

„Jedes Jahr werden viele Menschen Opfer von häuslicher und sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung, Zwangsprostitution und Zwangsheirat“, verdeutlicht Jannate Hammerstein. „Mit dem Aktionsmonat wollen wir das öffentliche Interesse darauf lenken, dass alle Mädchen und Frauen das Recht auf ein gleichberechtigtes, selbstbestimmtes Leben haben, das frei von Gewalt ist“, beschreibt Juliane Peter die Intention der Aktionswochen. „Gemeinsam mit den Teilnehmenden soll ein Zeichen gesetzt werden – solidarisch, deutlich, bundesweit – und das Schweigen gebrochen werden“, bekräftigt Barbara Tonnelier.

Auftakt des Aktionsmonats in Kehl sind zwei Vorträge, die vom Fachausschuss der Bürgerstiftung organisiert werden. Im Club Voltaire, Hafenstraße 3 in Kehl, spricht Birgit Meyer über das Tabuthema Gewalt. „Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt“, ist ihr Vortrag überschrieben. In dem Referat der Politikwissenschaftlerin an der Hochschule Esslingen geht es um Grenzverletzungen, Machtungleichheit, sexuelle Gewalt sowie institutionelle und zivile Antworten. Der Vortrag findet in Kooperation von Club Voltaire und Bürgerstiftung am Dienstag, 26. Oktober, statt und beginnt um 19.30 Uhr.

Sternlauf zum Marktplatz

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Am Dienstag, 16. November, ab 16 Uhr im Sitzungssaal der Kehler Stadthalle referiert Johanna Nelles über „Die Istanbul-Konvention: Vorgaben zum Schutz von Frauen vor Gewalt in Deutschland und Europa“. Die Executive-Sekretärin der Konvention im Europarat wird die wichtigsten Regelungen der Konvention aufzeigen und Beispiele der Umsetzung darstellen. Der Vortrag richtet sich an alle, besonders interessant dürfte er für Fachleute sein, etwa von Jugendämtern und Polizei, die mit diesem Thema zu tun haben.

Das Programm am Aktionstag selbst am Donnerstag, 25. November, wird mit einem Sternlauf der weiterführenden Schulen zum Kehler Marktplatz eröffnet. Ankunft dort ist gegen 12.45 Uhr. Dann werden OB Toni Vetrano und die Organisatorinnen sprechen. Mit einer künstlerisch-praktischen Auseinandersetzung beschäftigen sich Schüler der Tulla-Realschule mit dem Thema „Catcalling“. Das ist die Bezeichnung für sexuell anzügliches Rufen, für blöde Anmachsprüche und auch das Nachpfeifen für gewöhnlich durch Männer gegenüber Frauen.

Symbol: Farbe Orange

Im Frauen- und Familienzentrum in der Villa Riwa beschäftigt sich das Frauencafé am 25. November von 16 bis 18 Uhr in einer Diskussionsrunde mit häuslicher Gewalt. Bei dem Beitrag der Soroptimistinnen von 18 bis 19 Uhr tritt die Sängerin Te Beiyo auf. Treffpunkt ist an der zu diesem Anlass orange angestrahlten Tram-Brücke: Die Farbe Orange symbolisiert eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen. Soroptimistinnen setzen sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen für Frauen und Mädchen ein.

Abschluss des Aktionstages am 25. November ist der von der Kehler Frauen-AG veranstaltete Kinoabend im Kino-Center, Beginn um 19.30 Uhr, Einlass ab 19 Uhr. Bei freiem Eintritt wird der Film „Die Unbeugsamen“ gezeigt. Der Film erzählt die Geschichte der Frauen in der Bonner Republik, die sich ihre Beteiligung an den demokratischen Entscheidungsprozessen gegen erfolgsbesessene und amtstrunkene Männer wie echte Pionierinnen buchstäblich erkämpfen mussten. Unerschrocken, ehrgeizig und mit unendlicher Geduld verfolgten sie ihren Weg und trotzten Vorurteilen und sexueller Diskriminierung. Der Filmvorführung schließt sich eine Diskussion an.

Die Organisatorinnen freuen sich auf eine große Zahl von Teilnehmenden an den Veranstaltungen im Aktionsmonat. Gewalt, in welcher Form auch immer, sei nie in Ordnung, konstatieren sie. „Betroffene sollen wissen, dass sie nicht allein sind und es Wege aus der Gewalt gibt.“

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