Runder Geburtstag

Kehler Band „Trinkmanns“ feiert 30-Jähriges

Autor: 
Gerd Birsner
Lesezeit 4 Minuten
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10. November 2019

Drangvolle Enge und überschäumende Party-Laune: Sowohl auf der Hafen 17 Bühne, auf der sich die Trinkmänner nebst etlichen Gastmusikern tummeln, als auch beim tanzfreudigen Publikum davor ist kaum ein Durchkommen. ©Gerd Birsner

Vor 30 Jahren gab die Kehler Coverband „Dr. Trinkmann’s“ ihr Debüt im Korker Hasenstall. Im „Hafen 17“ feierten die Jungs nun ihr Bühnenjubiläum.

Ein Tiefbass grummelt, dann drückt Thomas Gertis einen sphärischen Keyboard-Akkord, der sich langsam durch den „Hafen 17“ frisst. Es wird laut. Noch lauter. Dann endlich, nach einer gefühlten Atlantiküberquerung treibt Frank »Slim« Iwannek seine Rhythmusmaschinerie ins Atemlose: „Black Saturday“ von Mando Diao:  Trinkmann ist (wieder) da. Kann denn ein Livekonzert je schöner (und lauter) beginnen? 
30 Jahre „Trinkmanns“ – das muss gefeiert werden. Am besten in der drangvollen Enge auf der „Hafen 17“-Bühne, bei Mirko Sansa, dem feinsinnigen Musik(er)freund mit Gespür für Trends, dem „Kehler-Musikszene-Förderer“ und überzeugenden »Mitten-im-In-sein«-Gastronom. 

Den Trinkmännern hat er all die Jahre die Treue gehalten – und sie ihm. Vom Korker Hasenstall bis in den Hafen 17. Korker Hasenstall? Jaja! Dort hatte alles angefangen: „Blue Christmas“, anno 1989. Ach, was waren wir damals alle jung. „Trinkmanns“-Gründer Markus Gertis und Immer-noch-Trinkmann-Basser, und Kehler Ex-„Musikul“-ler hatte die Idee.
„Musikul“? Da war doch was? Jaja, genau. Die in den späten Kehler Achtzigern unabhängigen, nicht-kommerziell ausgerichteten Konzertveranstalter. 
Alle All-Stars der Kehler Musikerszene sollten am 26. Dezember 1989 im Korker Hasenstall vorweihnachtlich „blue“ auf die Bühne musikullern. Gemeinsam, versteht sich. Was dabei herauskam, ist eines der emsigen Mutterschiffe der Kehler Musikerszene und heuer 30 Jahre alt: „Trinkmanns“. Damals noch „Doktor Trinkmann’s“. Man hatte sich angelehnt an den schwülstigen Möchtegern-Chirurgen der Schwarzwaldklinik, den Herrn Professor Doktor Klaus Brinkmann, der flimmernd ab 1985 durch fast alle deutschen Wohnzimmer (be-)geisterte. 

Sammelbecken

Heute sind die Trinkmänner weit weg vom TV-Skalpell des damaligen Fast-Namensvetters. Sie beweisen sich eher als Sammel-Hafenbecken für Kehler und Ex-Kehler Hoch-Niveau-Musiker: So wie Sänger Christian Huber – diesen Ex-Trinkmann hatte man sich für den ausgeprägten Zugabenteil aufgehoben – oder den Sänger Stefan Göddel.
Der ist ebenfalls Ex-Trinkmann, und beide sind eigens aus Köln angereist, um 30 Jahre „Trinkmanns“ mit Band und Fans mitzufeiern. Und sie sind nicht die einzigen Gäste: Tino Frank, Trompeter, misst sich im Bläserduett mit dem hoch gewachsenen Volker Matern, der dann auch noch gleich die Fans nach der Pause bordunesk überrascht.

Doktortitel aberkannt

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Schottenrockfrei erscheint er mit dudelndem Sack, pfeift „Busindre Reel“ ein und begleitet schottisch auch den nächsten Song. Right, said Fred! Das freut nicht nur den Linksrum-Gitarristen Claus Mündel, der genau wie der Jetzt-Sänger Hector Sala ein Jahr nach All-Star-Korker Hasenstall-Gründung Trinkmann wurde: „Damals hießen wir noch Doktor Trinkmann.“ Oh Pardon! „Doch zwischenzeitlich wurde uns der Doktortitel aberkannt – wir haben wohl zu viel abgeschrieben“, grinst der Claus und meint damit das, was Markus Gertis ballroomblitz-gescheit kolportiert: „Wir haben ganz berühmte, weltweit agierende Bands beauftragt, schöne Songs für unsere Coverband zu schreiben.“

Der Saal tanzt

Bruder Thomas Gertis hat den unauffälligeren Trinkmann-Part übernommen. Auf dem musikalischen Hochsitz hinter seinem Doppel-Keyboard hat er seine Cover-Band nebst Set-Liste im Blick. Und Hector Sala weiß, wie man mit den inzwischen über-eng gewordenen „Hafen 17“-Saal zum Singen und zum Tanzen bringt. 
How bizarr. Kaum zu glauben, dass Trinkmann schon mal tot war – scheintot zumindest: Von 1998 bis 2007 nannten sich bis zu neun Leute nebst damaliger Sängerin Svenja Becker „Trinkmanns“. Das war zu viel. Zu viel unterschiedliche Meinungen und Charaktere. 
Das Interesse am Trinkmannsein hatte unter den Trinkmännern gelitten, es wuchsen Unzufriedenheiten heran. 2008 hatte es  dann geknallt – dann war Stille. Totenstille. „Doktor Trinkmann’s Premium Session“ –so der offizielle, aber für viele viel zu lange Bandname, war am Ende. Sollten denn damit die guten alten Doktor-Trinkmann’s-Kehler-Messdizeiten so was von endgültig vorbei sein? 
Nein! „Captain What“ – ein neuer Name für das Dagewesene – hatte flugs reanimiert, jedoch nicht zur Freude der vielen Fans: Was Trinkmann war, muss Trinkmann bleiben! Doch einfacher ist es nicht geworden: „Jedes Sportfest hatte uns in den späten Neunzigern gewollt“, doch dann kam die Discowelle, Livemusikmachende Bands waren so was von out…“

Happy Birthday!

Und heute? „Bands ziehen mit Riesen-Equipment herum, heischen nach Kommerz, und Livebands wie wir, die Spaß am Musikmachen haben, müssen oft genug für den Hut spielen.“ zähneknirschen die Trinkmänner. Düstere Zeiten, weil Live-Musik nichts mehr wert zu sein scheint? 
Doch hier, im „Hafen 17“, ist alles anders. Spaß und Leidenschaft, die über die Bühnenkante schwappt. Es groovt, man tanzt ab, macht Party. Jung und Alt. Happy Birthday, „Trinkmanns“. Also trink, Mann! Auf die nächsten 30 Jahre, gell…

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