Corona-Krise
Dossier: 

Kehler Gastronomie bangt um ihre Existenz

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26. März 2020

(Bild 1/5) „Hafen 17“-Wirt Mirko Sansa: „Ich bin gerade auf allen Ebenen unterwegs.“ ©Rolf Hoffmann

Wie die Corona-Krise unseren Restaurants den Geldhahn zudreht. Jetzt hoffen deren Inhaber in erster Linie auf die angekündigten Soforthilfe-Programme und halten den Betrieb über Lieferservice am Leben.
 

Mirko Sansa, sonst gerne leutselig und alles andere als larmoyant auftretender Wirt des „Hafen 17“, ist in diesen Tagen überhaupt nicht mehr zu Späßchen aufgelegt. Die von oben herab verordneten Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie treffen ihn und andere Kehler Gastronomen mit voller Wucht. Schon einen Tag bevor Baden-Württemberg den kompletten Shutdown auch von Speisewirtschaften angeordnet hatte, drehte Sansa in seinem vor wenigen Wochen noch gut besuchten Lokal den Schlüssel herum, nachdem immer mehr Gäste ausgeblieben waren. Auch im Hotel herrschte zuletzt tote Hose. Seine 18 Angestellten schickte Sansa bis auf Weiteres in Kurzarbeit.  „Viele stehen vor neuen Herausforderungen. Bund, Länder und Kommunen: Keiner hat so richtig den Plan. Wir, ich als Betreiber des Hafen 17 auch nicht“, äußerte Sansa am Freitag sein Bedauern über eine Salamischeibchen-Politik, die zunächst einen Meter fünfzig Mindestabstand zwischen den Tischen gefordert hatte, dann eine Schließung ab 18 Uhr; und die der Speisegastronomie am vergangenen Samstag zuguterletzt endgültig die Schotten dicht gemacht hat. 

„Ich bin gerade auf allen Ebenen unterwegs“, sagt der Gastronom, doch ein Internetportal, über das die in Corona-Not geratenen Unternehmer beim Land ein paar tausend Euro überbrückende Soforthilfe beantragen können, war bis Mittwochnachmittag noch nicht freigeschaltet. Und beim Termin mit seiner Verdienstausfallversicherung sei ihm mitgeteilt worden, das sie nichts zahlen wolle. „Alle sagen sie, das solle unbürokratisch gehandhabt werden, aber so ist es nicht“, wundert sich der Unternehmer.  

Personal in Kurzarbeit

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Rien ne va plus – nichts geht mehr auch im „Meyerhof“ in der Kehler Fußgängerzone, einem besonders von Franzosen gern und oft frequentiertes Lokal. Inhaber Mustafa Dogan hatte, ähnlich wie Vorredner Sansa, bereits vor Inkrafttreten der Schließungs-Order auf eine weitere Öffnung verzichtet. „Die Leute sind da schon nicht mehr rausgegangen“, berichtet er. Außerdem fehlte es an Service-Personal, das in seinem Fall aus dem besonders von der Corona-Pandemie betroffenen Straßburg stammt. Das bekomme jetzt erstmal Kurzarbeitergeld ausbezahlt und auch für ihn sei die aktuelle Situation „existenzbedrohend“, sagt der Gastwirt. In der Zwischenzeit habe er bereits mit seinen Banken gesprochen, die ihm zumindest einen höheren Überziehungskredit gewährt hätten. Mit den in Ausschau gestellten Zuschüssen könne er die Miete bezahlen, mehr wohl nicht. Dogan hat neben dem „Meyerhof“ sein Geld auch noch in eine Bar in der Königsberger Straße und ein Tabak-Geschäft in Freistett investiert. Sollte sich an der Corona-Situation nichts ändern, rechnet er bis in sechs Monaten mit einem betriebswirtschaftlichen Schaden von 200 000 Euro. „Und danach muss ja erst alles wieder anlaufen.“ Er hoffe nun, „dass die Banken mitspielen. Wir werden dann aber noch in zehn Jahren die Kredite abzahlen“, glaubt er. 

Dennoch hält der Gastronom die ergriffenen Maßnahmen für richtig, „sonst haben wir gar nichts mehr unter Kontrolle“. Auch im Privaten hielten er und seine Familie sich strikt an die Hygiene-Empfehlungen der Behörden. 
Apropos Behörden: Die hätten den Shutdown der Gastronomie zu spät umgesetzt, kritisiert Varucan Kuscu, Kehler Gastrounternehmer, dessen Frau Liana das erst im Oktober eröffnete „Café Central“ an der Ecke Blumen-/Schulstraße betreibt: „Man hätte gleich alles zumachen sollen.“ Für die Zukunft sieht Kuscu schwarz: „Wir werden es sehr schwer haben.“ 
Selbst wenn nach ein paar Wochen einige der verordneten Corona-Maßnahmen wieder zurückgenommen würden: Damit sich der Betrieb für Kuscu und andere in wirtschaftlicher Hinsicht wieder lohne, müssten auch die Grenzen öffnen, damit die Franzosen wieder kommen. Wie andere Geschäftsleute auch hofft er nun auf genügend Unterstützung durch den Staat und darauf, dass ihm die eigenen Vermieter entgegen kommen. Dennoch: „Geld ist nicht alles, es geht jetzt erst einmal um die Gesundheit.“

Bedient werden dürfen Gäste in den Gaststätten zwar nicht mehr, was aber möglich ist und zunehmend in Anspruch genommen wird, sind Lieferservices. Diese Möglichkeit, wenigstens noch etwas Geld einzunehmen, hat unter anderem Cristina Richter, Inhaberin des Hotel-Restaurants „Schwert“ an der Ecke Kasernen-/Hauptstraße, für sich entdeckt. Wer um die Mittagszeit herum bestellt, kann sein Essen auch bis in den späten Abend hinein nach Hause geliefert bekommen. Drei Lieferungen zählte sie an ihrem ersten Tag: Die Besteller waren eine Familie, ein Arbeiter und Mitarbeiter der Kehler Stadtverwaltung – immerhin! 

Eigentlich, sagt Richter, rentiere sich ein Lieferservice nicht. „Man sagt in der Gastro: Sobald du damit anfängst, bist du kaputt. Aber ich brauche einfache meine Kontakte zu den Kunden.“

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