Corona-Epidemie und Einzelhandel

Kehler Geschäftsinhaber froh über Wegfall der Obergrenze

Autor: 
Corina Wießler
Lesezeit 4 Minuten
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09. Mai 2020

Für große Einzelhandelsgeschäfte, wie hier das Einrichtungshaus Wohnart Peter Lutz in Kork, ist die 800-Quadratmeter-Barriere gefallen. ©Sascha Ivanovits

Das 800-Quadratmeter-Limit für den Einzelhandel ist seit dem 4. Mai entfallen. Somit kann wieder ein gewisses Maß an Normalität zurückkehren – unter bestimmten Auflagen.

Seit kurzem ist die Verkaufsflächen-Obergrenze von 800 Quadratmetern infolge der Corona-Pandemie vom Tisch: Alle Läden dürfen wieder unabhängig von der Größe öffnen. Allerdings gilt nun Maskenpflicht und eine maximale Kundenanzahl pro Ladenfläche – damit die Abstandsregeln gewahrt bleiben.

Bestellungen nehmen wieder zu

Daniel Kruss, Inhaber eines Einrichtungshauses in Goldscheuer, hat die Nachricht gelassen aufgenommen. „Seit ein Bekleidungsgeschäft vor dem Tübinger Verwaltungsgericht erfolgreich geklagt hat, haben wir schon seit dem 20. April geöffnet – allerdings mit deutlich verkleinerter Verkaufsfläche.“ Zurzeit nehmen Anfragen und Bestellungen via Telefon oder Mail wieder zu, auch Kundschaft lässt sich im 1500 Quadratmeter großen Laden blicken. Es fühle sich an wie in vor-Corona-Zeiten, sagt Kruss. 

Sorgen wegen Grenzblockade

Gespannt sieht er heute der Reaktion der Leute entgegen. „Es ist der erste normale verkaufsoffene Samstag nach langer Zeit bei uns“, so Kruss. Sorgen bereitet ihm die Blockade an der Grenze zu Frankreich. Wichtige Gründe müssen vorliegen, will man ins Land rein. Möbel transportieren und montieren gehöre nicht dazu. „Bei mir stapelt sich die Ware im Lager, Lieferanten warten auf ihre Bezahlung.“ Kruss geht daher davon aus, dass ihn der Corona-Effekt verzögert treffen wird. „Uns fehlt der direkte Umsatz. Momentan arbeiten wir noch ‚alte‘ Rechnungen ab.“ Trotzdem schaut er positiv in die Zukunft. „Wir bereiten uns auf die Kölner Möbelmesse im kommenden Januar vor. Die Krise sehen wir als Chance, sich kleiner und feiner aufzustellen.“

„Da ist momentan keine Zusammenarbeit“

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Wegen seiner Lage zieht das Einrichtungshaus Wohnart Peter Lutz in Kork auch Laufkundschaft an. Die meisten Kunden allerdings vereinbaren im Vorfeld Termine. Bei 1200 Quadratmetern Fläche kann das Unternehmen locker die Abstandsregeln umsetzen. Jeder Beratungsplatz ist zudem mit einer Plexiglasscheibe abgetrennt, auch Desinfektionsmittel sei genug da. Was dem Betrieb noch fehlt, sind die Aufträge des Hausherstellers Weber Haus aus Linx. Das Einrichten der Räume übernimmt in der Regel die Wohnart. „Da ist momentan keine Zusammenarbeit“, bedauert Fachfrau Astrid Zier. 

Erlebnis-Flair fehlt

Doch trotz Komplett-Öffnung bleibt die Zahl der Interessenten bislang überschaubar. „Etwa zehn Kunden am Tag schauen vorbei“ erzählt Zier. „Vielleicht werden es heute am Samstag mehr.“ Die Leute hielten ihr Geld zusammen wegen der größten Wirtschaftskrise der Geschichte, die vor der Tür steht, glaubt sie, und zudem verdirbt die Maske im Gesicht jedes „Shopping-Erlebnis“. „Das merke ich doch als Brillenträgerin am eigenen Leib. Da kauft man doch lieber nur das Nötigste.“

Bloß kein neuer „Lockdown“

Als letztes Mitglied im Kehler City-Center-Verbund öffnete jetzt auch Bekleidungsriese C&A die Türen seines über zwei Etagen verteilten 1000-Quadratmeter-Geschäfts. Der Elektrofachmarkt Expert Oehler reagierte schon frühzeitig mit einem eigenen Hygienekonzept auf alle Einschränkungen. Eine Kontrolle am Eingang reglementiert den Kundenverkehr. Handdesinfektion und Masken sind Pflicht, ebenso ein Zwei-Meter-Abstand zwischen den Kunden. „Damit sollen die Leute nicht dressiert, sondern eine zweite Corona-Welle verhindert werden. Ein erneuter ‚Lockdown‘ wäre das Schlimmste, was uns passieren könnte“, betont Geschäftsführer Ralph Seebacher. Der nach eigenen Worten „glühende Verfechter offener Grenzen“ hofft, dass so schnell wie möglich ein gewisses Maß an Normalität und die französische Kundschaft nach Kehl zurückkehren. „Damit der Einzelhandel vor Ort wieder gestärkt wird.“

Generell gilt für alle Händler unterm Dach des CCK: „Wie sie die Anordnungen des Landes umsetzen, hängt von ihnen selbst ab“, sagt Center-Managerin Petra Schenk. „Da nehmen wir keinen Einfluss darauf.“ Aber neben den Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) der Stadt Kehl achten die Verantwortlichen des City-Managements auf die korrekte Umsetzung der Abstandsregeln und der Kundenzahl im Laden.

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