Corona-Krise
Dossier: 

Kehler Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 4 Minuten
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08. Juli 2020

Sie wollen den Jugendlichen wieder ein Stück Normalität zurückgeben: Andreas Martzloff und Vanessa Balbrink vom Jugendzentrum Kehl. ©Stadt Kehl

Seit Mittwoch, 1. Juli, ist das Jugendzentrum Kehl an der Kinzigstraße wieder zu den regulären Zeiten geöffnet. Begründung: „Jugendliche sehnen sich nach Normalität“.

Derzeit ist die Arbeit der beiden Jugendarbeiter Vanessa Balbrink und Andreas Martzloff im Kehler Jugendzentrum an der Kinzigstraße geprägt von Widersprüchen: Offenheit, Freiwilligkeit, Partizipation und Lebensweltorientierung sind die Grundsätze, an denen sich die Offene Jugendarbeit ausrichtet. Dem gegenüber stehen Hygie­nebestimmungen wie Maskenpflicht und Mindestabstände, Dokumentationspflicht und regelmäßiges Händewaschen. „Das sind viele Regeln, die nicht so recht zur offenen Jugendarbeit passen“, sagt Balbrink. Zugleich betonen die beiden: „Wir sind wahnsinnig froh, wieder öffnen zu dürfen.“ 

Die Jugendlichen fremdeln noch ein wenig mit den neuen Bedingungen. Da ist zunächst einmal die Besuchergrenze: Maximal 20 Jugendliche dürfen seit Mittwoch, 1. Juli, das Juze betreten; zuvor waren es nur sieben. Mit der jüngsten Corona-Verordnung der Landesregierung entfallen jedoch die vorgeschriebenen zehn Quadratmeter pro Person. 

Auch für das Team des Juze sind die Lockerungen eine große Erleichterung und helfen, zumindest in kleinen Stücken, wieder zum regulären Arbeitsalltag zurückzufinden. Die Jugendarbeit spielt sich jedoch weiterhin nahezu ausschließlich im Erdgeschoss ab. Dort stehen – verteilt auf 96 Quadratmeter – ein Billardtisch, ein Tischkicker und eine Dartscheibe. Das ist die einzige Etage, die sich ausreichend durchlüften lässt. Vor der Eingangstür wartet Balbrink in einem grauen Sitzsack auf die jugendlichen Besucher. Dort bekommen sie mitgeteilt, wie viele „freie Plätze“ es noch gibt. „Einige wollen auch einfach nur ein bisschen quatschen; sie wollen nicht lange im Haus bleiben“, berichtet Balbrink. An warmen Sommertagen ziehe es die Jugendlichen vermehrt an die frische Luft. Daran habe sich trotz Corona nicht viel geändert. Im Sommer besuchten täglich zwischen 15 und 25 Jugendliche das Juze. Im Winter steige die Zahl auf zwischen 35 bis 60 Besucher.

Nur mit Maske

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Dennoch suchen Jugendliche das Juze seit der Öffnung unter Corona-Auflagen wieder auf. Dafür nehmen sie auch in Kauf, dass sie nur mit Maske reindürfen. „Zu 80 Prozent kommen sie, um sich mit Freunden zu treffen, zu entspannen, Billard oder Videospiele zu spielen“, erzählt die Juze-Leiterin. Bislang mussten sich die Jugendlichen im Flur in Listen eintragen – zwecks Nachverfolgung im Infektionsfall. Mit den aktuellen Lockerungen ist die Dokumentationspflicht nun ebenfalls weggefallen. 
Dennoch heißt es weiterhin: Hände desinfizieren. Der Desinfektionsständer sticht sofort ins Auge. Er hat zwei aufgeklebte Kulleraugen und ein Horn auf der Stirn. Der gelernte Bäckermeister und handwerklich begabte Martzloff hat ihn selbst gebastelt. „Als Jugendarbeiter ist man auch Zimmermann, Maler oder Hausmeister“, sagt er lachend.  

Die Arbeit hat sich durch die Corona-Auflagen merklich verändert. In den drei Monaten, in denen das Juze geschlossen hatte, suchten Balbrink und Martzloff über soziale Netzwerke und Projekte wie dem „digitalen Jugendhaus“ Kontakt zu den Jugendlichen. In Videos wurden Bastelanleitungen und Kochrezepte präsentiert. Nun haben die beiden alle Hände voll zu tun, regelmäßig zu kontrollieren, ob sich die anwesenden Jugendlichen auch an Maskenpflicht und Mindestabstand halten, und fordern sie gelegentlich zum Händewaschen auf. 

Keller bleibt zu
 

Der beliebte Disko-Keller im Untergeschoss muss geschlossen bleiben, weil er sich nicht durchlüften lässt. Gleiches gilt für die Räume im Obergeschoss. Auch darf kein Essen von außerhalb ins Juze gebracht werden. War es früher üblich, dass sich Jugendliche mit kleineren Knabbereien in die Couch sinken ließen, müssen diese nun beim Juze-Team abgegeben werden. 
Auf so viele Bestimmungen haben einige Jugendliche keine Lust und ziehen daher unverrichteter Dinge wieder von dannen. „Das geht ihnen richtig auf den Senkel“, so Martzloff. Er kann diese Reaktionen verstehen. „Unsere Arbeit lebt von Beziehungen und Kontinuität.“ Beides müsse sich nach dreimonatiger Zwangspause erst wieder finden.  Was das angeht, bleiben die beiden zuversichtlich. „Die Jugendlichen sehnen sich nach Normalität – und in kleinerem Rahmen können wir ihnen das bieten“, erläutert Vanessa Balbrink. Denn Redebedarf über das, was in den drei Monaten passiert ist, über Zwist unter Freunden, Ärger in der Schule oder Familienprobleme, gebe es weiterhin. „Auf dem Heimweg oder beim Einkaufen werde ich häufig von Jugendlichen angesprochen“, berichtet Martzloff. Deshalb sehen Balbrink und er in der Öffnung des Jugendzentrums einen großen Schritt für die Heranwachsenden. „Wenn am Tag auch nur drei Jugendliche kommen, hat es sich schon gelohnt“, sind sie überzeugt.

Seit Mittwoch, 1. Juli, ist das Juze an der Kinzigstraße wieder zu den regulären Zeiten geöffnet: Montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr.  

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