Sternwanderung der katholischen Gemeinde Kehl

Kehler Pilger setzen sich für Erneuerung der Kirche ein

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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04. Februar 2020

Verschämtes Wegschauen der entgegenkommenden Passanten aufgrund der Schilder erlebte die Kehler Gruppe bei ihrem Marsch zur Lichterfeier in der Herz-Jesu-Kirche Kork. ©Ellen Matzat

Wahrlich eine Abstimmung mit den Füßen war die Sternwanderung der katholischen Kirchengemeinde Hanauerland und Seelsorgeeinheit Kehl. Rund 80 Frauen und Männer liefen für eine Erneuerung der Kirche.

Ausgangspunkte für die Sternwanderung am Sonntagnachmittag waren die Nikolauskapelle in Hausgereut, die evangelische Kirche in Bodersweier, die Kirche St. Maria in Kehl und die evangelische Kirche in Willstätt. Gestartet wurde jeweils mit einem Impuls. Die Wanderung führte aus allen vier Richtungen zur Herz-Jesu Kirche in Kork, wo die Pilger und Wanderer ab 17 Uhr mit verschiedenen Suppen, Chilli Con Carne und Getränken empfangen wurden.

Inneres Feuer brennt

Der Abschluss war die Lichterfeier in der Herz-Jesu Kirche, bei der die Anliegen der Pilger zusammengefasst wurden. Vor der Kirche wurde ein Feuer entzündet, für das jeder Pilger ein Holzscheit mitbrachte. „Das ist ein Symbol für das Feuer, das in uns brennt“, berichtete Petra Külpmann. Organisiert wurde die Sternwanderung von „Maria 2.0“ der katholischen Kirchengemeinde Hanauerland und „Frauen bewegen Kirche“ der Seelsorgeeinheit Kehl. Für Speis und Trank sorgten die beiden Gemeindeteams der katholischen Kirchengemeinde Hanauerland mit den Pfarreien Kork und Honau. 

Während des Pilgerns schwieg die Kehler Gruppe. „Dabei fiel uns auf, dass Leute, die uns begegneten, wegen unserer Schilder weggeschaut haben“, berichtete Anni Fischer. Sie bedauerte, dass niemand sie auf die Aktion angesprochen hat. Petra Külpmann erzählte von einem Autofahrer, der interessiert hingeschaut hat, was auf den Schildern stand. Ihre Gruppe verbrachte einen Teil der Wanderung ebenfalls schweigend. 

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Die Gruppe aus Hausgereut kam singend in Kork an. Im Gemeindehaus „Arche“ wurden purpurfarbene Kreuze an alle Pilger verteilt, auf denen jeder seinen individuellen Grund notieren durfte, für den er gelaufen ist, was ihm bei der Aktion „Maria 2.0“ wichtig ist und für welche Veränderung er steht. „Ich bin für eine lang anhaltende Ausdauer gelaufen, die wir zur Erreichung einer geschlechtergerechten Kirche brauchen“, erklärte Helga Schmidt aus der Kehler Gruppe, die sich keine andere Kirche denken kann. 

Prozedere zieht sich hin

Yvonne Schmidt aus Freistett ist besonders die bessere Aufklärung von Missbrauchsfälle wichtig. „Mir genügt es nicht, wie die katholische Kirche das handhabt“, betonte sie. Es sei nicht zu verstehen, warum sich die Kirche selbst untersuche, dies gehöre von staatlicher Seite gemacht. Außerdem laufe das Prozedere schon über zehn Jahre. Von außen Beauftragte hatten keinen freien Zugang zu den Archiven. Schmidt sah einen direkten Zusammenhang der Missbrauchsfälle mit der fehlenden Gleichberechtigung, der veralteten Sexualmoral und des Pflichtzölibates. 

Barbara Klement aus der Willstätter Gruppe machte sich für mehr Fairness auf den Weg, nach der Männer und Frauen egal welcher Herkunft gleich gut behandelt werden. Die Männerdomäne war Pfarrgemeinderätin Nathalie Jockers ein Dorn im Auge. „Ich will Veränderungen in der Kirche und Gleichstellung der Frau“, betonte sie. Denn alle seien Kirche, und jeder sollte seinen gewünschten Aufgaben nachgehen dürfen. Sie wünschte sich eine Erneuerung der Kirche von unten herauf. „Ich bin mitgelaufen, dass unsere Kirche wieder zur Ursprünglichkeit unseres Glaubens findet und zwar mit Frauen“, erklärte Richard Köninger aus Rheinau-Hohbühn. Martina Beraud-Sudreau aus Kehl wünschte sich eine Päpstin. 
 

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