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Kehler ringen um ihre Bäder

»Bürgerdialog« in der Stadthalle / Fünf mögliche Zukunftsszenarien stehen zur Diskussion
18. Mai 2017
&copy Martin Egg&copy Martin Egg&copy Martin Egg

Reparieren, neu bauen und wenn ja – in welcher Form? Im Rahmen eines »Bürgerdialogs« wurden in der Kehler Stadthalle fünf Szenarien für eine Zukunft der Kehler Bäderlandschaft diskutiert. In zwei Monaten soll der Gemeinderat eine Entscheidung darüber treffen, welches Bad zu Kehl passt und welches er sich leisten möchte. 

Drei Stunden lang hatte am Mittwoch bei einem von Thomas Uhlendahl moderierten Abend in der Stadthalle die Zukunft der Kehler Bäderlandschaft im Fokus eines »Bürgerdialogs« gestanden.

Nachdem Kehls OB Toni Vetrano und der Leiter des Städtischen Gebäudemanagements, Michael Heitzmann, die derzeitige Situation in den drei Bäderbetrieben skizziert hatten (die Kehler Zeitung berichtete gestern), stellte Heitzmann den 160 Zuhörern zunächst fünf mögliche Zukunftsszenarien vor (siehe »Informiert«), die in der günstigsten Variante von der bloßen Hallenbaddachreparatur bis zum Neubau eines 18 Millionen Euro teuren Ganzjahresbads unter Beibehaltung beziehungsweise Aufgabe des Freibadstandorts Auenheim reichten. 

Anschließend bat Moderator Uhlendahl die Bürger an im hinteren Teil der Stadthalle aufgestellte Pinnwände. Jede Wand war einem der vorgestellten Szenarien gewidmet. Auf grünen Kärtchen konnten die Gäste dieses sogenannten »Bürger-Cafés« notieren, was sie an der entsprechenden Variante gut finden, auf roten Kärtchen, was ihnen nicht gefällt. Gelbe Kärtchen waren dazu da, Fragen zu stellen oder eigene Ideen zu formulieren. Außerdem befasste sich eine Wand mit den Möglichkeiten eines Übergangsmanagements. So schweben der Verwaltung während der Hallenbadreparatur/des Neubaus verlängerte Öffnungszeiten im Freibad Auenheim (April bis November) und eine Kooperation mit anderen umliegenden Gemeinden – darunter auch Straßburg – vor. Auch die Einrichtung eines Bäderbusses oder eine Überdachung des Auenheimer Freibadbeckens mittels einer sogenannten Traglufthalle werden diskutiert.

Auenheim schließen? 

Eine Dreiviertelstunde lang standen dabei Mitarbeiter des Rathauses für Fragen zur Verfügung, ehe Uhlendahl zur Auswertung der Pinnwand-Anschläge in den bestuhlten Teil der Stadthalle zurück bat. Dabei zeigte sich, dass eine Hallenbaddachsanierung, weil sie vergleichsweise schnell geht, von einigen zwar gewünscht wird, aufgrund des insgesamt schlechten Bauzustands von anderen aber als Geldverschwendung betrachtet wird. Aus demselben Grund stieß auch eine Komplettsanierung der Halle nicht bei jedem auf Gegenliebe, obwohl der Verbleib des Hallenbads am bisherigen Standort durchaus gewünscht wurde. 

Neubau vor Sanierung: Vor allem aus Nachhaltigkeitsgründen erntete dieser Vorschlag grüne Karten. Verschiedene Bürger stellten vor dem Hintergrund der Haushaltslage aber die Frage nach der Finanzierung eines Ganzjahresbads. Deutlich wurde hier, dass sich die Kehler keine Luxusvariante eines Badneubaus vorstellen wollen – dies auch vor dem Hintergrund möglicherweise steigender Eintrittspreise.

 

Auf gar keine Gegenliebe stieß nicht nur an der entsprechenden Pinnwand eine Schließung des Auenheimer Freibads aus Kostengründen. Hier meldete sich sogar Auenheims Ortsorsteherin Sanja Tömmes (Freie Wähler) zu Wort, das Freibad Auenheim stehe im Vergleich zum Kehler finanziell schließlich »super da«. Sie brachte dagegen eine Schließung des Kehler Freibads ins Spiel. So weit sei es schließlich nicht bis in ihren Ortsteil, und ein Freibad direkt »vor der Nase zu haben«, das sei anderswo »keine Selbstverständlichkeit«. 

Dieser Idee widerprach der ehemalige Grünen-Stadtrat Gerd Baumer allerdings energisch:12000 Besucher an heißen Tagen könne ein Bad allein nicht stemmen.

Sachliche Diskussion

Vereine, die Angst um ihre Zukunft haben; Schulen, die um die Schwimmkompetenz ganzer Generationen fürchten: Die vom OB aus Sicherheitsgründen veranlasste Schließung des Hallenbads war in den vergangenen Wochen von vielen Seiten emotional diskutiert und kommentiert worden. Nicht zuletzt hatte Gerd Baumer nach eigenen Angaben mehr als 13 000 Stimmen für eine sofortige Dachreparatur gesammelt, die er am Montag an den OB übergeben wolle: »Das ist die größte Unterschriftenaktion in der Geschichte Kehls seit der Sondermüllverbrennungsanlage«, betonte der Hallenbad-Aktivist.

Trotzdem war der Bürgerabend in der Stadthalle überwiegend von großer Sachlichkeit geprägt. Nur ein einziges Mal musste der OB seinem Mitarbeiter Heitzmann zur Seite springen – als ein Zuhörer aufgrund des am Hallenbad zutage getretenen Sanierungsstaus wissen wollte, wer denn da in den vergangenen Jahre im Rathaus »gepennt« habe. »Nach hinten zu schauen und aufzuzeigen, was alles falsch gelaufen ist, da würde ich es mir zu leicht machen«, antwortete Vetrano. Er bat darum, sich auf die Zukunft zu konzentrieren. In diesem Zusammenhang griff der OB auch die Berichterstattung der Kehler Zeitung über den »Blauen Brief« des Regierungspräsidiums Freiburg auf. Wenn man das lese, bekomme man den Eindruck, Kehl stehe »kurz vor dem finanziellen Untergang, aber so ist es nicht«, die Stadt habe »Handlungsoptionen«. In den kommenden zwei Monaten werde die Verwaltung eine entsprechende Vorlage für den Gemeinderat erarbeiten. 

Autor:
Martin Egg

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