Theater

Kehler Theater huldigt Goldenen Zwanzigern

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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14. November 2019

Ruth Dilles besingt die Goldenen Zwanziger. ©Ellen Matzat

Das Frauenbild in den Zwanziger Jahren stand am Mittwoch im Zentrum eines abwechslungsreichen Abends, den das „Theater der 2 Ufer“ anlässlich einer Ausstellung im Hanauer Museum gestaltete.  

„Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben?“ lautet der Titel eines Stücks, das Gabi Jecho, Lea Balzar sowie Ruth und Andreas Dilles am Mittwochabend erstmals auf die Bühne des „Theaters der 2 Ufer“ brachten. Es handelte sich um einen kabarettistisch angehauchter Streifzug durch die „Goldenen Zwanziger“. 
Die 20er-Jahre in Berlin seien ein „Tanz am Abgrund eines Vulkans, aber auch Zentrum der Avantgarde und Eldorado der Frauen, die es in ein neuartiges Leben drängte“ gewesen: Damit führte Jecho die Gäste in den äußerst kurzweiligen, humorvollen und abwechslungsreichen Abend ein. Charmant, keck und sehr ausdrucksstark glänzten Theater-Chefin Ruth Dilles und Jecho mit den frechen Songs der 20er: „Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln….“ von Willy Fritsch, „Nur nicht aus Liebe weinen“ von Zarah Leander oder „Mir tut die Ruth gut“.

Bubikopf und Monokel

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Anita Berber, Marlene Dietrich, Claire Waldoff, Trude Hesterberg – viele andere berühmte, vergessene und unbekannte Frauen prägten in der Weimarer Republik das Bild der „neuen Frau“, die mit Bubikopf, Monokel, Zigarettenspitze, kniekurzem Rock oder Smoking die Metropole eroberte. Sie verdienten Geld, fuhren Auto und trieben Sport. Ihre Nächte verbrachten sie in den legendären Clubs. Ihre Geliebten, gleich welchen Geschlechts, wählten sie selbst. „Die jungen Frauen hatten ihr Korsett nicht nur symbolisch gesprengt sondern auch real in den traditionellen Geschlechterrollen“, verkündete Jecho. Sie waren Pionierinnen im Berufsleben und auf erotischem Gebiet. 
Nach dem äußerst heiteren ersten Teil erzählte der zweite Teil eher von den Schattenseiten der „Goldenen 20er“, die dann gar nicht mehr golden erschienen. Besungen wurden die Jahre 1915/1916, in denen man in Berlin Kriegskrüppel, verhungerte Menschen und in Zeitungspapier eingewickelte Babys sah. Für eine ohrenschmeichelnde Abwechslung sorgten Lea Balzar (17) an der Violine und Andreas Dilles am Flügel mit virtuosen Instrumentalstücken. Visuell konnten die Gäste in einer parallel laufenden Bilderzeitreise in die Welt von gestern eintauchen. 

Ute Scherb, Leiterin des Hanauer Museums und des Stadtarchivs, freute sich über den hochkarätigen Beitrag als Ergänzung zur Ausstellung „Goldene Zwanziger? Kehl in der Weimarer Republik“. Wichtig war dem Theater-Ensemble, das ganze Spektrum der Zwanziger Jahre abzudecken, von der Zeit nach dem 1. Weltkrieg bis in die weniger goldenen frühen 30er-Jahre. Teils erschreckend ist für Jecho, dass die fast 100 Jahre alten Texte der Lieder heute noch genauso zutreffen wie damals. „Die Zwanziger Jahre enden offiziell 1933 mit der Machtübernahme der Nazis“, ergänzte Dilles. 
Dort war die Ära der Umbruch- und Aufbruchsstimmung wieder zu Ende, die neuen Freiheiten eingestampft, und die Frauen mussten zurück an den Herd oder fungierten als Gebährmaschinen der arischen Rasse. „Ich denke wir profitieren noch immer von der Emanzipationsbewegung der Zwanziger Jahre“, ist Dilles überzeugt. Eine weitere Aufführung ist heute, Freitag, 15. November, um 19 Uhr in der Alten Kaffeerösterei (Oststraße 13). 

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