Entscheidung

Keine Sanierung: Kehler Hallenbad soll neu gebaut werden

Autor: 
Martin Egg
Lesezeit 4 Minuten
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13. Juli 2017
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(Bild 1/2) Blick zurück: Im September 2016 ließ die Stadtverwaltung unterhalb der Hallenbaddecke ein Netz anbringen. Es sollte die Badegäste vor herabfallenden Deckenteilen schützen. Sechs Monate später dann das Aus: Der OB ordnete die Schließung des Bades »auf unbestimmte Zeit an«: Untersuchungen sollen ergeben haben, dass die Sicherheit der Badegäste nicht mehr zu gewährleisten sei. Ein Aufschrei ging durch die Kehler Bevölkerung. ©Archivbild: Stadt Kehl

Der Kehler Gemeinderat hat bei seiner Sitzung am Mittwochabend den Weg frei gemacht für einen Neubau des Kehler Hallenbads. Einstimmig sprach sich das Gremium am Ende einer langen Debatte gegen eine Sanierung der maroden Einrichtung aus.

Das Aus für das alte Kehler Hallenbad ist besiegelt: Am Mittwochabend sprach sich der Gemeinderat am Ende einer zweistündigen Sitzung mit intensiver Debatte überraschend eindeutig, da einstimmig, gegen eine Sanierung des Bades in jeglicher Form aus. Eine namentliche Abstimmung, wie sie Oberbürgermeister Toni Vetrano (CDU) ursprünglich vorgesehen hatte, war nicht mehr notwendig, nachdem Michael Heitzmann, Leiter des Gebäudemanagements, seinen Sachstandsbericht vorgetragen hatte. Schon zu Beginn der Sitzung hatte die CDU-Fraktion ihren Antrag zur Dachsanierung zurückgezogen.

Heitzmann zufolge ist das in den 1970er-Jahren gebaute, ohnehin längst nicht mehr zeitgemäße Hallenbad in einem katastrophalen Zustand. Betroffen ist nicht nur das Dach (Reparaturkosten: ca. 700 000 Euro), sondern auch der Keller: Eine Sanierung der Badewassertechnik würde mindestens 580 000 Euro verschlingen, das Becken leckt (240 000 Euro), und eine Erneuerung der Betonteile würde mit weiteren 400 000 Euro zu Buche schlagen, hieß es. Gleichzeitig mit dem Dach müsste aber auch die Lüftungsanlage erneuert werden – und zwar entsprechend den heute gültigen Brandschutzvorschriften, wie Heitzmann betonte. Dafür müssten weitere 500 000 Euro bereitgestellt werden. Dass möglicherweise krebserregende Materialien verbaut wurden, erschwert dem Gebäudemanager zufolge die Arbeiten zusätzlich. 

Heitzmanns Liste der Schäden war lang – er komme sich vor »wie in einem Horrorfilm!«, befand Stadtrat Andreas Hopp (CDU). Alles in allem, hieß es weiter, würde eine Komplettsanierung fünf Millionen Euro kosten. Davon, nur das Dach – und damit die Lüftungsanlage – anzugehen, riet Heitzmann ab, weil die Hallenbadtechnik jederzeit versagen könne.

Sind die Fledermäuse schuld?

Außerdem wurde kurz vor der Sitzung bekanntgegeben, dass sich rund 250 streng geschützte Zwergfledermäuse unter dem Hallenbad eine Heimstatt eingerichtet haben. Baumaßnahmen könnten daher nur in ganz bestimmen Zeitabschnitten durchgeführt werden. Der Versuch, die Tiere umzusiedeln, würde laut Heitzmann einen sehr großen Aufwand bedeuten und sei mitunter auch nicht von Erfolg gekrönt. 

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Vetrano hatte sich bereits in seinen einleitenden Worten deutlich gegen eine Reparatur des Hallenbads ausgesprochen und seinem Willen zum Neubau Ausdruck verliehen. Werde jetzt Geld für das alte Hallenbad in die Hand genommen, hätten die Kehler in den kommenden Jahren lediglich ein »Nostalgiebad«, prognostizierte der OB. Auch Vorschläge, das Dach des Hallenbads zu reparieren, damit es später als Mehrzweckhalle dienen könne, wies er von sich: »Wir haben gar keinen Bedarf für eine Umnutzung.«

Die von Richard Schüler (CDU) vorgetragene Idee, ein nur 4,5 bis 5,5 Millionen Euro teures Hallenbad in Fertigbauweise nach schwedischem Vorbild zu errichten, fand ebenso wenig Anklang wie der Lösungsvorschlag Heinz Faulhabers (SPD), das alte Hallenbad durch Anbringen eines provisorisches Daches doch noch für ein paar Jahre am Leben zu erhalten. Dass auf einmal alles kaputt sein soll, glaube er nicht, so Faulhaber. 

Der Neubau des Hallenbads am Standort Kehler Freibad inklusive der auch dort in die Jahre gekommenen Bausubstanz mit dem Ziel, den Bürgern bis 2023 ein Kombi-Bad anbieten zu können, ist für den Oberbürgermeister das »größte Projekt der Zukunft«, das die Stadt  Kehl zu stemmen hat – mit geschätzten 17 Millionen Euro Kosten vergleichbar mit der Tram, aber: »Ich bin überzeugt, dass wir uns das leisten können.«

Bürger werden beteiligt

Bis zur regulären Hallenbadsaison soll für Schulen, Vereine und Bürger nun ein Übergangsmanagement erarbeitet werden. Das könnte darin bestehen, dass die Öffnungszeiten des Auenheimer Freibads verlängert werden oder nach Ausweichmöglichkeiten in Straßburg Ausschau gehalten wird. Auch eine intensive Beteiligung der Bürger sieht der Beschluss des Gemeinderats vor. Eine Machbarkeitsstudie mit dem Ziel, den Fokus für einen Hallenbadneubau auf den Kehler Freibadstandort zu richten, soll sich an einer bereits fertigen Entwurfsplanung orientieren, die dem Gemeinderat bereits 2011 vorgelegt worden war, aber nie weiterverfolgt wurde.

Kommentar

Baumer gebührt Dank

Von Martin Egg

Dass sich nach dem Tauziehen der vergangenen Monate die Befürworter eines Hallenbadneubaus derart deutlich durchsetzen würden, war nicht ohne Weiteres zu erwarten. Am Ende haben aber Argumente doch stärker gezogen als Emotionen: Mit einer wie auch immer gearteten Form der Sanierung der maroden Anlage hätte der Gemeinderat viel Geld buchstäblich in den Sand gesetzt. Daran besteht kein Zweifel.

Muss sich Bäder-Aktivist Gerd Baumer, der für die Reparatur des Daches mehr als 14000 Unterschriften gesammelt hat, jetzt als Verlierer fühlen? – Nein, ganz im Gegenteil, ihm gebührt sogar Dank: Mit seiner Aktion hat er etwas angestoßen, was in der Politik viel zu selten passiert – eine wirklich Debatte! Auch Leserbriefe und Facebook-Kommentare sind Teil eines demokratischen Prozesses, dem sich die gewählten Häupter dieser Stadt stellen müssen. Der Vorwurf, dass in der Vergangenheit beim Geldausgeben möglicherweise falsche Prioritäten gesetzt worden sind, wurde auch bei der jüngsten Sitzung des Gemeinderats nicht entkräftet.

@ Wie ist Ihre Meinung? Schreiben Sie an martin.egg@reiff.de

Zitat

Gerd Baumer zur Entscheidung

In meiner politischen Laufbahn habe ich gelernt, demokratische Entscheidungsprozesse zu akzeptieren, wie immer sie auch zu Stande kamen. Bedenklich ist, dass die Stadtverwaltung sich unrealitischer Szenarien bedienen musste um den Gemeinderat zu überzeugen. Dem angekündigten Übergangsmangement traue ich nicht zu, dass es funktioniert. Positiv ist festzuhalten, dass wir ein neues Hallenbad auf dem Freibadgelände erhalten sollen. Sollte dies 2021 schon fertig sein, wäre dies ein doppelter Grund zu feiern, alldieweil der Schwimmverein dann 100 Jahre alt sein wird, wenn er bis dahin noch existiert...

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