Gemeinde Willstätt übernimmt Regie der Kita Eckartsweier

Kirche steigt aus Kita aus

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
18. November 2020

Bereits zum 1. Januar 2021 übernimmt die politische Gemeinde die Regie in der bisher von der evangelischen Kirchengemeinde getragenen Kita „Regenbogen“ in Eckartsweier. ©Michael Müller

Bereits zum 1. Januar 2021 wird die Gemeinde Willstätt die Regie in der bisher von der evangelischen Kirche getragenen Kita Eckartsweier übernehmen. Dies hat der Gemeinderat beschlossen.

Der evangelische Kindergarten „Regenbogen“ in Eckartsweier ist derzeit einer von drei Kitas in Willstätt in kirchlicher Trägerschaft. Dies wird sich spätestens zum 1. Januar 2021 ändern: Dann übernimmt die Gemeinde Willstätt die Regie.

Hintergrund ist die Finanzlage der Kirchengemeinde, die sich nicht mehr in der Lage sieht, den kirchlichen Eigenanteil von vier Prozent der ungedeckten Kosten zu übernehmen. Mit Schreiben vom 31. Mai hatte die Kirchengemeinde daher den bestehenden Betriebskostenvertrag vom 28. Juni 2013 fristgerecht zum 31. August 2021 gekündigt.

Seit jeher treten die großen Kirchen in Deutschland auch als Träger von Kinderbetreuungseinrichtungen auf. Doch Kinderbetreuung kostet Geld. Und das kommt nicht zuletzt aus dem Kirchensteuer-Aufkommen. 

Doch die kirchlichen Träger werden von zwei Seiten sozusagen „in die Zange genommen“. Zum einen stagniert das Kirchensteuer-Aufkommen seit Jahren – der Kuchen, der zu verteilen ist, wird mithin tendenziell eher kleiner. Auf der anderen Seite steigen die Kosten – bedingt etwa durch die Ausdehnung des Rechtsanspruchs der Eltern auf Kinderbetreuung, die dadurch bedingte Steigerung der Zahl der Betreuungsplätze und die Ausdehnung des Öffnungszeiten-Angebots bis hin zur Ganztagsbetreuung. Da die Nachfrage nach Betreuung von Kleinkindern immer mehr zunimmt, erfordert dies auch eine Erhöhung des Personalschlüssels – und mehr Personal bedeutet eben auch höhere Kosten für die Kirchengemeinden.

Über einen neuen Betriebskostenvertrag konnte keine Einigung erzielt werden. Die politische Gemeinde zeigte sich daher bereit, die Trägerschaft der Kindertagesstätte zu übernehmen – zumal das Gebäude ohnehin bereits Eigentum der politischen Gemeinde ist. 

- Anzeige -

Das evangelische Verwaltungs- und Serviceamt, das bislang auch in Eckartsweier die Geschäftsführung inne hatte, hat nun den Wunsch geäußert, diesen Übergang bereits zum 1. Januar 2021 zu vollziehen. Diesem Wunsch kommt die politische Gemeinde nun nach.

Die Personalkosten hat die Verwaltung für das kommende Jahr mit fast 490 000 Euro ermittelt; hinzu kommen Kosten für den laufenden Betrieb (ohne Gebäude-Unterhaltung und Verbrauchskosten) von rund 17 000 Euro. Damit liegt man in etwa auf oder etwas unterhalb der Höhe der zu erwartenden fiktiven jährlichen Betriebskostenabrechnung durch das Serviceamt. 

Seit September wird die Kita in Eckartsweier dreigruppig geführt. Derzeit arbeiten dort nach Angaben der Verwaltung zwölf Erzieherinnen mit insgesamt 8,16 Personalstellen und eine Reinigungskraft. Mit der jetzt erzielten Regelung haben auch die Fachkräfte Planungssicherheit: Alle werden von der Gemeinde Willstätt übernommen; die Verträge mit der Kirche werden aufgelöst. 

Ruhiger Übergang

Mit dem Trägerwechsel verliere die politische Gemeinde einen wichtigen Partner, meinte Hauptamtsleiter Andreas Leupolz im Gemeinderat. Wichtiger sei jedoch, dass die gute Arbeit, die im Mitarbeiter-Team geleistet worden sei, fortgeführt werden kann. Dies sei auch für die Eltern von großer Bedeutung, meinte Eckartsweiers Ortsvorsteherin Amalia Lindt-Herrmann. 

Insofern sei es gut, dass die Übertragung der Trägerschaft geräuschlos vonstatten gegangen sei. „Die Eltern werden davon vermutlich gar nichts merken“, meinte sie. Auch Elvira Walter-Schmidt (WAL) begrüßte die Regelung. „Wir nehmen den Kindergarten gern“, meinte sie. 

Stichwort

Kita-Satzung wird ergänzt

Als Konsequenz des Trägerwechsels musste auch die Kita-Satzung der Gemeinde Willstätt ergänzt werden. Dort wird künftig daher auch der Betreuungsbaustein „Ganztagsbetreuung 47,5 Stunden/Woche“ aufgelistet – ein Angebot, das es eben nur in Eckartsweier gibt.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

vor 9 Stunden
Benefizaktion
Die Querbacher Hexen basteln und backen für einen guten Zweck.
vor 10 Stunden
Willstätt
Gemeinderatssitzungen können in Willstätt künftig auch als Videokonferenz abgehalten werden. Die Mitglieder des Gremiums billigten jetzt die entsprechende Änderung der Hauptsatzung.
vor 13 Stunden
Adventsserie
Adventsserie (5): Heute mit Jürgen Hetzel (57)
vor 15 Stunden
Kammersiegerin
Haarstylistin Kim Schneider aus Odelshofen, die im Salon „Haarschmidt“ in Kork gelernt hat, war sowohl auf Kammerebene als auch auf Landesebene sehr erfolgreich.
04.12.2020
Kehler Stadtgeflüster
Von Fahnen, die gefährlich im Wind wehen, einem Hoffnungsschimmer für den Kehler Messdi und dem Zustand des alten Sundheimer Rewe-Markts handelt in dieser Woche unser Stadtgeflüster.
04.12.2020
Doppelhaushalt 2021/22
Mit dem Kindergarten und dem Feuerwehrgerätehaus hat der Ort zwei bereits gesetzte Posten im nächsten Haushalt. Die „Streichliste“ fällt vergleichsweise moderat aus.
04.12.2020
Neues Projekt
Die Bürgerstiftung Kehl will ein Projekt „mit Wasserparcours im kneipp‘schen Sinn“ realisieren. Baubeginn soll im Frühjahr sein, schon jetzt können Spender das Vorhaben unterstützen.
04.12.2020
Das etwas andere Weihnachtsfest (4)
Noch 20 Tage sind es bis Heiligabend. In diesen Tagen ist vieles anders, nicht nur, aber vor allem wegen der Corona-Pandemie. Die Kehler Zeitung hat sich bei den Menschen in der Region umgehört, wie in diesem Jahr die Planungen trotz aller Schwierigkeiten für die Weihnachtsfeiertage  aussehen....
03.12.2020
Serie: Kehls Handel im Wandel (3)
In der Geschichte des Kehler Einzelhandels erfahren Sie in der dritten Folge, warum alle Städte in Deutschland nach dem Waffenstillstand in Europa, am 8. Mai 1945, wieder aufbauen durften. Nur nicht Kehl.
03.12.2020
Kehl
„Wir haben ein erfolgreiches Jahr hinter uns“, bilanziert Kehls Beigeordneter Thomas Wuttke im Gespräch mit dem Arbeitskreis Radverkehr. Zudem ergänzt er: „Wir haben noch nicht alles geschafft, aber sehr vieles.“
03.12.2020
Willstätt - Legelshurst
Das Thema „Lebensmittel-Nahversorgung“ in Legelshurst scheint gelöst. Ein Discounter will dort neu bauen. Was wird aus dem alten „Nah und gut“-Markt?
03.12.2020
Kehl
Digitalisierung und Corona: Wirtschaftsförderin Fiona Härtel besucht Kehler Unternehmen RMA Rheinau und Spedition Papp.