Kehl

Kommunale Kriminalprävention nun bei der Stadt Kehl angesiedelt

Autor: 
red/wun
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19. April 2021
Diplom-Pädagogin Jannate Hammerstein ist seit dem 1. April bei der Stadt Kehl für die kommunale Kriminalprävention (KKP) zuständig und voller Tatendrang.

(Bild 1/2) Diplom-Pädagogin Jannate Hammerstein ist seit dem 1. April bei der Stadt Kehl für die kommunale Kriminalprävention (KKP) zuständig und voller Tatendrang. ©Stadt Kehl

Die kommunale Kriminalprävention ist seit Anfang April nun in städtischer Zuständigkeit. Neue Projektideen werden dabei mit dem schon seit längerem bewährten Team umgesetzt.

Sicherheit im Netz, Gewalt in der Familie, Gewalt unter Kindern und Jugendlichen, Warnung vor Trickbetrügern bei Senioren, grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Umgang mit jungen Menschen: Bewährte Projekte und Unterrichtseinheiten in den Schulen und neue Ideen – Jannate Hammerstein, seit dem 1. April bei der Stadt Kehl für die kommunale Kriminalprävention (KKP) zuständig, ist voller Tatendrang.

Die Corona-Pandemie hat für die 39-Jährige und die Präventionsbeauftragte der Kehler Polizei, Anja Faulhaber, neue Aufgabenfelder gebracht, die sie bereits angehen und Themen, die demnächst auf der Agenda stehen. „Die Kinder und Jugendlichen sind durch mit den Nerven“, konstatiert Jannate Hammerstein, „mit Frust können sie kaum noch umgehen; es wird schnell schlimm“.

Hässliche Kommentare

20 Jahre lang war die kommunale Kriminalprävention für Kehl, Rheinau und Willstätt beim Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) angesiedelt – mit vereinten Kräften und der finanziellen Unterstützung der Bürgerstiftungen Kehl, Rheinau und Willstätt sowie des Vereins Courage ist es gelungen, sie trotz einer schwierigen Haushaltslage bei der Stadt Kehl weiterzuführen.

Wie geht man mit Instagram und TikTok um, wenn dort hässliche Kommentare oder gar rassistische Anfeindungen gepostet werden? Gerade in Zeiten von Fernunterricht am heimischen Computerbildschirm sind es solche Probleme, die Kinder und Jugendliche beschäftigen.

Wie sie die Übeltäter blocken und generell ihre Sicherheit im Netz erhöhen können – dafür bekommen sie Tipps in den Unterrichtseinheiten der kommunalen Kriminalprävention. Das Gesicht hinter dem sperrigen Begriff ist bereits seit 2014 Jannate Hammerstein, die auch in Zeiten von Corona nicht untätig war: „Wir haben in den Schulen von September bis Dezember unser komplettes Programm gefahren“.

Überraschende Kündigung

Bis zum Jahresende war die Kommunale Kriminalprävention beim DRK angedockt; Jannate Hammerstein dort angestellt, unterstützt durch erhebliche finanzielle Zuschüsse der Städte Kehl und Rheinau sowie der Gemeinde Willstätt. Gerade zu dem Zeitpunkt, als das Beratungsteam, mit seinen Mitgliedern der Polizei, der Justiz, der Bewährungshilfe, der Ortspolizeibehörde, der sozialen Dienste, von Schulen, Beratungsstellen und Jugendeinrichtungen auf sein 20-jähriges erfolgreiches Wirken zurückblickte, kündigte der Kreisverband überraschend die Vereinbarung.

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Überzeugt von der Arbeit und der Wirkung der KKP wandte sich Oberbürgermeister Toni Vetrano an seine Amtskollegen in Rheinau und Willstätt, Michael Welsche und Christian Huber, sowie an die Bürgerstiftungen in Kehl, Rheinau und Willstätt und an den aus der KKP hervorgegangenen Verein Courage. Durch die finanzielle Beteiligung aller Partner ist es gelungen, ein Finanzierungsmodell zu erarbeiten, das den Kehler Gemeinderat überzeugte.

Damit kann die KKP nun in städtischer Trägerschaft ihre Arbeit mit den bewährten Kräften fortsetzen: Jannate Hammerstein und der städtische Sozialpädagoge Cornel Happe, der schon bei der Gründung der KKP dabei war, werden das Beratungsteam weiterhin leiten.

Umgang mit dem Handy

Dabei sollen zum einen die Präventionsbausteine für die Fünft- bis Achtklässler, die vom Umgang mit dem Handy über die Themen Gewalt, Sucht (auch Computerspielsucht), Mobbing und Cybermobbing bis zu Selbstverteidigung und Zivilcourage reichen, fortgesetzt, aber auch neue Module für die Grundschulen erarbeitet werden. „Anfragen von Grundschulen habe ich bereits“, sagt Jannate Hammerstein.

Wenn es die Corona-Lage erlaubt, möchte sie noch vor den Pfingstferien mit Unterrichtseinheiten wie „Sicher unterwegs im Netz“ starten. Es lasse sich nicht verhindern, weiß sie aus Erfahrung, dass auch Kinder bei Online-Spielen „in üble Gruppen geraten“. Deshalb müssten sie früh lernen, „wie sie sich dem entziehen können“. Vorstellen kann sich die 39-Jährige auch Online-Termine für Eltern zum Thema: „Kinder im Netz“.

In bewährter Weise läuft auch die enge Kooperation mit dem Polizeirevier in Kehl weiter: Die Projekte zu Amokläufen, zum Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die zwar noch nicht strafmündig sind, sich aber dennoch etwas haben zu Schulden kommen lassen oder mit jungen Heranwachsenden, die von ihnen angerichteten Schaden wieder gut machen möchten, werden weitergeführt.

Gewalt in der Familie

Darüber hinaus will sich Jannate Hammerstein stärker dem Thema Gewalt in der Familie zuwenden und auch eine engere Kooperation mit dem Seniorenforum Kehl suchen. Dass ihr neuer Arbeitsplatz in der Villa Riwa angesiedelt ist, freut sie sehr: Durch die direkte Nachbarschaft zum Frauen- und Familienzentrum, zu Frauen helfen Frauen und zum Tagesmütterverein verspricht sie sich als nun städtische Mitarbeiterin „Symbiosen, die bisher nicht möglich waren“.

Dass Frauen in der KKP mehr Berücksichtigung finden, ist ihr ebenso ein Anliegen wie die rheinübergreifende Zusammenarbeit in der Kriminalprävention. In der Präventionsarbeitsgruppe des Eurodistrikts hat sie bereits mitgearbeitet, kann sich aber gut vorstellen – möglichst gemeinsam mit Straßburger Kollegen – Jugendliche und junge Erwachsene in den Fokus zu nehmen, die häufig nach Kehl kommen.

Zur Person

Jannate Hammerstein

Jannate Hammerstein ist Diplom-Pädagogin. Studiert hat sie in Düsseldorf und Münster mit den Schwerpunkten Entwicklungshilfe und Strategien des Women Empowerment. Bevor sie 2014 die Stelle für Kriminalprävention beim DRK in Kehl übernommen hat, hatte sie im Saarland die Projektleitung des deutsch-französischen Freiwilligendienstes und des Weltwärts-Programms mit afrikanischen Partnerländern inne. Interkulturalität und Mehrsprachigkeit bringt sie als Tochter einer marokkanischen Mutter und eines deutschen Vaters von Kindesbeinen an mit. Ihre frühe Kindheit verbrachte sie mit ihren Eltern und ihren beiden Brüdern in Kanada; später lebte sie mit ihrer Familie in Düsseldorf. Seit 2014 wohnt sie mit ihrer Frau in Straßburg.

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