Serie

Korker Handwerksmuseum beherbergt alte Trachten

Autor: 
Mika Engemann
Lesezeit 3 Minuten
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16. August 2019

Links das verheiratete Paar in der schwarzen Tracht, rechts die jüngeren, bunt gekleideten Hanauer. ©Mika Engemann

Im vierten Teil der Serie zum Handwerksmuseum Kork lesen Sie heute über die Ausstellung von Hanauer Trachten.

Nicht nur der nahe Schwarzwald und die Nachbarn in Bayern pflegen ihre Trachtenmode. Auch im Hanauerland hat sie eine lange Tradition. 
Das Handwerksmuseum Kork bewahrt  solche Trachten auf und ermöglicht dadurch einen Blick auf die vergessene Mode des 18., 19. und teils auch des 20. Jahrhunderts. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs wurde die traditionelle Kleidung quasi von dem städtischen Stil »ersetzt«. »Man wollte Städtler sein«, erklärt Hans-Peter-Schimpf vom Handwerksmuseum, Seitdem wird die Tracht nur noch von Trachtenvereinen wie in Marlen und Sand sowie dem Hanauer Musikverein getragen. 
Auch im Elsass kennt man die Hanauer Tracht. Hintergrund ist die gemeinsame Herrschaft unter der Grafschaft Hanau-Lichtenberg.

Was macht die Hanauer Tracht so besonders? Während beispielsweise bei der Schwarzwälder Tracht der Bollenhut ein Alleinstellungsmerkmal darstellt, ist es bei den Hanauerinnen der an eine Fliege erinnernde »Kappenschlupf«. »Umso größer der Hut, desto höher war die Stellung der Dame in der Gesellschaft«, erklärt Schimpf. Die Männer beschränkten sich auf den weniger üppigen, aber praktischen »Iltishut«. Der Name sagt bereits, von welchem Tier das Fell stammt: Vom in der Ortenau weitverbreiteten Iltis, einer Raubtierart aus der Familie der Marder.  

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Neben den Hüten war auch der vom Mann getragene »Wams«, eine Art Brustschild, in der Hanauer Tracht eine Besonderheit. Er war besonders farbenfroh und wurde sowohl mit heller als auch dunkler Kleidung getragen. 
In Kork sind zweierlei Kostüme ausgestellt: ein helle, bunte Tracht, getragen von jüngeren Hanauern, und eine fast ausschließlich schwarze Tracht, die ein älteres Paar trägt. Wie auch schon beim Bollenhut haben auch hier die Farben eine Bedeutung: Die bunte Kleidung markiert ledige Menschen, während die schwarzen Kleider von einem verheirateten Paar getragen wurde. 

Für das Herstellen von Trachten zeichnete damals der Weber verantwortlich – eine absolute Männerdomäne. Doch auch auf die Frauen kam Arbeit zu: Aus der Hülle der Hanfpflanze wurde zuallererst die Faser gewonnen. Dafür musste die Hülle gewässert, geschnitten und anschließend mit einer Hanfreibe gerieben oder einem Schlagwerk gestampft werden. Danach wurde der Hanf mit der »Hechel« von restlichen Holzstücken gereinigt und für das Verspinnen vorbereitet. Beim »Hecheln« waren Damen meist unter sich und tratschten über andere. Schimpf erklärt, von da komme die Redensart »Er wird ausgehechelt«. Beim anschließenden Verspinnen wurde aus der Faser letztendlich der Faden. Für Frauen war das Spinnen die damalige Unterhaltung – man nahm den Spinnstuhl mit zur Freundin und redete über Dinge, die beim Hecheln vielleicht vergessen wurden. Es wurde auch um die Wette gesponnen: Barbara Göpper aus Kork belegte am 7. Juni 1903 den zweiten Platz bei einem Spinnwettbewerb in Karlsruhe.

Nächste Station des Fadens auf seinem Weg zur Tracht war der Webstuhl. Auch so einer ist in Kork ausgestellt, und »den Webstuhl in die Ausstellung zu kriegen war eine Heidenarbeit«, sagt Schimpf. Am Webstuhl jedenfalls wurde aus dem Faden endlich der Stoff, woraus dann die Gewänder genäht wurden. »Eine Tracht herzustellen, dauerte Monate«, sagt der Heimathistoriker. »Deshalb hatten die Menschen auch höchstens nur drei davon im Schrank – für den Sommer, den Winter und die Arbeit. 
Die Arbeit des Webers wurde nach Qualität und Metern bezahlt. »Menschen, die weniger für die Stoffe bezahlen wollten, nahmen sich Zeit und suchten nach Makeln«, sagt Schimpf. Oft fiel daher die Bezahlung schlecht aus. Heute gilt der Beruf als ausgestorben.

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