Kehl-Auenheim
Dossier: 

Kritik an Straßburger Geothermie-Bohrungen

Autor: 
Michael Müller
Lesezeit 3 Minuten
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07. Mai 2015
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Die Info-Materialien der BI stießen auf reges Interesse.

Die Info-Materialien der BI stießen auf reges Interesse. ©Michael Müller

Die Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie macht mobil gegen die geplanten Bohrungen im Straßburger Ölhafen. Es sei wichtig, dass auch aus Kehl möglichst viele Einwendungen gegen das Projekt eingereicht werden, meinte der BI-Vorsitzende Richard Schüler am Dienstagabend auf einer Info-Veranstaltung in Auenheim.

Das französische Unternehmen Fonroche hat die Aufnahme von Bohrarbeiten zur geothermischen Erkundung des tiefen Untergrunds im Bereich des Straßburger Ölhafens beantragt. Anlass genug für die Bürgerinitiative gegen Tiefengeothermie im südlichen Oberrheingraben, die Bürger zu informieren, was auf sie zukommen könnte.

Vor gut 60 Zuhörern erläuterte der stellvertretende BI-Vorsitzender Hans Roser die Risiken der Geothermie und was man als Bürger auf deutscher Seite gegen die Projekte in Straßburg tun kann. Verbündete findet die BI in der Association de Défense des Intérêts de la Robertsau (Adir). In Bezug auf die geplanten Bohrungen im Ölhafen seien noch viele Fragen offen und viele Risiken ungeklärt, meinte deren Vertreter Jean-Daniel Braun.

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So lagern auf dem Areal, wo gebohrt werden soll, über 400 000 Kubikmeter Öl, Dioxin und andere giftige oder brennbare Stoffe. Allein schon deshalb sei es dort zu riskant zu bohren. Auch habe es keine Untersuchung des Untergrunds unter der geplanten Bohrstelle gegeben. Fonroche berufe sich vielmehr auf Daten, die bei früheren Bohrungen gewonnen wurden – allerdings in etwa fünf Kilometer Entfernung. Die geplante Förderleistung von 350 Kubikmeter heißen Wassers pro Stunde sei noch bei keinem Geothermie-Projekt erreicht worden und damit unrealistisch. Weitere Gefahren sah er in der chemischen Aggressivität der Geothermie-Flüssigkeit, die zu Schäden am Bohrloch und damit zu Verunreinigungen des Grundwassers führen könnten, und in der seismischen Aktivität.
Die Technologie sei derzeit noch nicht ausgereift, so das Fazit von Theo Klumpp, Bürgermeister von Oberhausbergen, einer kleinen Gemeinde etwa sechs Kilometer  westlich der geplanten Bohrstelle. Der dortige Gemeinderat hat jüngst eine entsprechende Stellungnahme verabschiedet. Ärgerlich sei auch, dass Fonroche weitermachen will, obwohl die Stadt Straßburg inzwischen klargemacht hat, dass sie weder Strom noch Wärme vom Geothermie-Kraftwerk im Ölhafen abnehmen will. Doch ob dieses Nein wirklich so eindeutig ist, sei unklar, so Klumpp. Überhaupt gebe es auf der anderen Rheinseite keine geschlossene politische Front gegen die Geothermie.

»Europäisch denken«
Umso wichtiger sei es jetzt, »europäisch zu denken«, so der Kehler BI-Chef Richard Schüler. Sollten die zahlreichen Geothermie-Projekte beiderseits des Rheins wie geplant in Betrieb gehen, würde es kaum möglich sein, im Schadensfall die Verursacher ausfindig zu machen. »Wir brauchen Ansprechpartner, die verhindern, dass wir im Streit mit Versicherungen untergehen.« Er forderte nicht zuletzt die Kehler Stadtverwaltung auf, sich entschieden gegen die Bohrungen im Straßburger Ölhafen zu positionieren. Der Gemeinderat werde da fraktionsübergreifend Druck machen.

Stichwort

Einwendungen

Seit Mitte April liegen die Unterlagen für das Geothermie-Projekt im Straßburger Ölhafen in Straßburg und im Kehler Rathaus II zur Einsicht aus. Jeder Kehler, der sich von dem Vorhaben betroffen fühlt, kann Einwendungen gegen das Vorhaben vorbringen. Diese müssten nicht wissenschaftlich fundiert sein, so der Schatzmeister der Kehler BI, Stefan Blank. Wichtig sei vielmehr, dass viele Einwendungen zusammenkommen, damit die Behörden erkennen, dass es einen breiten Widerstand gegen Geothermie-Bohrungen in der Region gibt.
Bis zum 18. Mai müssen die Einwendungen in Straßburg eingegangen sein. Die Einwendungen können aber auch bei der Geschäftsstelle der Kehler BI in Goldscheuer, Merkurstraße 18a, im Rathaus I in Kehl und auf den Ortsverwaltungen in Goldscheuer und Auenheim abgegeben werden. Zwei Vertreter der BI werden sie am 18. Mai einsammeln und anschließend im Centre Administratif in Straßburg übergeben.
Die BI hat ein entsprechendes Formular als PDF-Datei zum Herunterladen auf ihre Webseite gestellt. Dort kann man seine Einwände handschriftlich niederlegen. Außerdem stellt die BI Textvorschläge für die Formulierung von Einwendungen zur Verfügung.
Weitere Informationen unter: www.bi-gegen-tiefengeothermie-so.de/informationen/tiefengeothermie-chron....

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