Versuch der Stadt, an Geld zu kommen

"Kurzarbeit in Kitas schadet Image"

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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26. Mai 2020

Die Korker Orschaftsräte lehnten den Vorschlag der Stadt, in der Korker Kindertagesstätte Kurzarbeit einzuführen, einstimmig ab. ©Nina Saam

Da nur 50 Prozent aller Kita-Kinder betreut werden dürfen, will die Stadt Erzieherinnen auf  Kurzarbeit setzen. Die Korker Räte fordern dagegen, neue Räume aufzutun

Seit dem Montag, 18. Mai, dürfen Kinder jenseits der Notbetreuung wieder in den Kindergarten – allerdings können nur 50 Prozent der Plätze belegt werden, alle Gruppen werden um die Hälfte reduziert und voneinander getrennt, damit im Falle einer Infektion nicht der gesamte Kindergarten zugemacht werden muss. So schreibt es das Land Baden-Württemberg vor. 

„Bei der Stadt ist man der Auffassung, dass man deshalb im Bereich der Kindergärten Kurzarbeit anmelden könnte, weil man bei halber Belegung nur 70 Prozent der Erzieherinnen braucht“, berichtete Ortsvorsteher Patric Jockers auf der Ortschaftsratssitzung am Montag. Das Kurzarbeitergeld bezahle der Staat. „Ich verstehe ja, dass der Kämmerer angesichts der angespannten finanziellen Lage versucht, Geld vom Bund zu bekommen“, so Jockers weiter. „Was mich aber an der Vorlage stört, ist, dass es nur ums Arbeitsrechtliche geht. Mit keinem Wort werden die Kinder erwähnt.“ 

Kleine Gruppen

Anstatt das Personal auf Kurzarbeit zu setzen, solle die Stadt lieber prüfen, ob sich nicht kurzfristig andere Räume finden lassen, um noch mehr Kinder in kleinen Gruppen betreuen zu können – beispielsweise böte sich die ehemalige Neumühler Grundschule an, in der die Hector Kinder Akademie untergebracht ist, deren Aktivitäten aber gerade ruhen. „Dort sind fünf große Räume, in denen sich normalerweise Sechs- bis Siebenjährige aufhalten“, so Jockers. „Warum sollte man da nicht Vier- bis Sechsjährige unterbringen können?“

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Auch im Ortschaftsrat stieß das Ansinnen der Stadt auf breite Ablehnung. Andreas Weiß bezeichnete es als „skandalös“, dass an den Kindern gespart werden soll: „Jeder ist bemüht, seinen Job und die Betreuung seiner Kinder unter einen Hut zu bekommen – und jetzt sollen Erzieherinnen in Kurzarbeit gehen?“, fragte er. Er befürchte einen immensen politischen Imageschaden, wenn die Stadt das wirklich durchsetze.

Zuvor hatte ein Vater in der Bürgerfragestunde geschildert, dass die 50 Prozent – im Korker Kindergarten sind das 56 statt normal 112 Kinder – bei Weitem nicht die Bedarfe der Familien abdecken. Anrecht auf die erweiterte Notbetreuung haben Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten oder deren Arbeitgeber ihnen eine Präsenzpflicht bescheinigt. Wenn die Plätze nicht reichen, werden Alleinerziehende bevorzugt oder Kinder, die einen besonderen Förderbedarf haben; langt es dann noch nicht, entscheidet die Gemeinde. Diese „pädagogische Triage“ prangerte Jessica Huber offensiv an. „Die Kinder leiden emotional dramatisch“, sagte sie. „Wenn Kinder unter drei Jahren zehn Wochen nicht im Kindergarten waren, brauchen sie beim Wiedereinstieg besondere Begleitung.“ Das schaffe man nicht, indem man das Personal reduziere. 

Patric Jockers wies darauf hin, dass die Erzieherinnen in der Zeit des Lockdowns per Post oder persönlich – so haben sie jedem Kind ein Osternest nach Hause gebracht –versucht haben, den Kontakt zu halten. Solche Aktionen könnten durch die Kurzarbeit nicht mehr geleistet werden: „Somit bleiben die Kinder, die nicht in die Kita dürfen, komplett außen vor“, sagte er. 

Kreativität fehlt

Einstimmig lehnte der Rat den Beschlussvorschlag ab, in den städtischen Kindertageseinrichtungen Kurzarbeit einzuführen. Stattdessen forderten die Räte, dass die Verwaltung nach zusätzlichen Räumen Ausschau hält. „Die Stadt ist in der Hinsicht zu statisch. Mir fehlt da Mut und Kreativität“, sagte Oliver Förster. 
 

Stichwort

Diakonie Kork baut Kindergarten

Auf der Ortschaftsratssitzung am Montag gab Ortsvorsteher Patric Jockers bekannt, dass Kork einen zweiten Kindergarten bekommen wird. 

Die Diakonie Kork wird auf ihrem Gelände eine Kindertageseinrichtung errichten und auch betreiben, in der die beiden Kleinkindgruppen, die derzeit noch im alten Rathaus untergebracht sind, und zwei Gruppen à 25 Kinder Platz finden sollen. „Endlich bekommen wir, was wir in Kork schon immer wollten“, lobte der Ortsvorsteher Patric Jockers. „Inklusion von unten nach oben, vom Kindergarten über die Grundschule bis zur Gemeinschaftsschule.“ 

Die neue Kita wird ihren Platz dort finden, wo einst das alte Hauptgebäude stand, ebenso wie ein neues Wohnhaus und eine weitere Gruppe der heilpädagogischen Förderung.

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