Klezmer-Konzert im Dr.-Friedrich-Geroldt-Haus

Lebenslust und Melancholie

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 3 Minuten
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14. Januar 2020

Andreas Deges, Gaby Flick und Joachim Prasser nahmen ihre Zuhörer mit auf eine musikalische Reise durch das jiddische Leben. ©Karin Bürk

Groß war der Andrang der Zuhörer, die sich am vergangenen Sonntag im Dr.-Friedrich-Geroldt-Haus auf ein beeindruckendes und eigenwilliges Konzert unter dem Motto „Rund um die Liebe“ von „Angajo“ einlassen wollten.

„Angajo“, dahinter verbergen sich jeweils die beiden ersten Buchstaben der Vornamen des Offenburger Trios Andreas Deges, Gaby Flick und Joachim Prasser, das sich bereits seit Jahren der traditionellen Klezmer-Musik verschrieben hat, deren Wurzeln in Osteuropa liegen. Angekündigt war Musik von unbändiger Lebenslust und tiefer Melancholie, von Liebe und Leidenschaft, Freud und Leid, Hoffnung und Enttäuschung, Glück und Sorgen. Es versteht sich deshalb von selbst, dass diese Musik von besonderer Vielfalt geprägt ist. Das reicht von leisen, langsam gespielten Melodien bis hin zu temperamentvollen, aufputschenden Rhythmen.

Und wie sich diese mitreißende und jauchzende Fröhlichkeit der faszinierenden und von großen Emotionen geprägten Klezmer-Musik anhört, davon konnten  sich die gut hundert Gäste und Heimbewohner am Sonntag im Dr.-Friedrich-Geroldt-Haus in Kehl überzeugen. Der musikalische Bilderbogen spannte sich von Tanzmelodien, die die „Klezmorim“ früher bei den unterschiedlichsten Festen aufspielten, über Liebes- und Hochzeitslieder bis hin zu leisen und melancholischen Tönen, die die jahrhundertealte Sehnsucht der Juden nach Heimat und Geborgenheit Ausdruck verleihen.

Man merkte dem Trio an, dass es sich mit dieser Musik voll identifiziert. Das gilt besonders für Joachim Prasser, der mit seinen Gesangseinlagen in jiddischer Sprache die Zuhörer auf viele dieser fröhlichen Feste entführte, aber auch jüdisches Leben in all seinen Facetten vermittelte.

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Immer wieder gaben „Angajo“ zwischen den musikalischen Teilen eine Vielzahl von jüdische  Anekdoten – sehr zur Erheiterung des Publikums – zum Besten wie die von Sami und Rebekka. „Der achtzigjährige Sami hat die 18-jährige Rebekka geheiratet und siehe da: Es stellt sich Nachwuchs ein. Recht verwundert, geht Sami zum Rabbi und fragt, wie so etwas möglich sei. ‚Sami, das ist eben ein Wunder‘. ‚Ein Wunder?‘ ‚Nun, ist das Kind von dir, ist’s ein Wunder. Und ist es nicht von dir – ist’s ein Wunder?“ 

Ein Stück (musikalischer) jüdischer Geschichte wurde in dem Lied „Di grine Kusine“ den Zuhörern nahe gebracht. Das Stück war geprägt von Elementen der Jazzmusik, die die im vorletzten Jahrhundert nach Amerika emigrierten Juden in die Klezmer-Musik übernommen haben.

Bereitwillig ließen sich die Zuhörer an diesem Nachmittag auf die musikalischen Reisen mitnehmen. Immer wieder war  ein leichtes Mitwippen mit dem Fuß oder dem Kopf zu sehen und gedanklich konnte man sich den „Terkishen Honik“ schmecken lassen.  

Nach eineinhalb Stunden belohnte das dankbare Publikum dann auch das Trio mit einem begeisterten Schlussapp­laus, so dass die Musiker ihr Konzert auch erst nach drei Zugaben beenden konnten. 

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