Willstätt

Leerstand im Willstätter Taubenhaus

Autor: 
Florian Würth
Lesezeit 2 Minuten
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02. Januar 2018

Willstätter Taubenhaus auf weiter Flur. ©Udo Künster

Die Pläne, die Friedbert Hauß und Markus Bau verfolgten, klangen zuversichtlich. Vor etwa einem Jahr stellten sie ihr Taubenhaus auf einer Wiese an der Kinzig in Willstätt aus. Doch die Vögel, für die es gedacht ist, machen um das Haus einen Bogen.

Das Taubendomizil sollte es ermöglichen, die örtliche Taubenpopulation nachhaltig zu kontrollieren, indem man den brütenden Vögeln ihre Eier wegnimmt und sie durch Kunststoff-Attrappen ersetzt. Tauben brüten im Schnitt zwei Eier aus, und das bis zu fünfmal pro Jahr, erklärte Friedbert Hauß, ehemaliger Kehler Zoohändler und Erfinder des Systems. 

Patentiertes System
Er besitzt für dieses spezielle System ein Patent, denn Taubenhäuser gibt es schon lange, aber normalerweise sind sie nicht von innen begehbar. Eine Modul-Bauweise sorgt dafür, dass die Zahl der »Stockwerke« dem Bedarf angepasst werden kann. Außerhalb ist ein Kotfang angebracht, der zugleich verhindert, dass Nesträuber nach oben klettern. 

Auch Platz für Singvögel
Sogar für den »toten Winkel« in den Ecken hat sich Hauß etwas ausgedacht: Dort können Singvögel nisten. Denn die haben es zunehmend schwer, wo doch auf dem Land immer mehr Ökonomiegebäude abgerissen und die neuen Häuser bis in die letzte Ecke isoliert werden. Unter dem Dach des Taubenhauses, das über einen Lüftungsschlitz verfügt, dann noch ein weiterer Clou: In den dort angebrachten Netzen sollen Fledermäuse bequem »abhängen« können.

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Die Willstätter Gemeindeverwaltung fand die Idee gut, und auch der Gemeinderat wollte ihr eine Chance geben. Doch jetzt, elf Monate später, fällt das erste Fazit ernüchternd aus. »Leider ist das Haus leer geblieben«, berichten Friedbert Hauß und Zimmermeister Markus Bau. Schade vor allem für Erfinder Hauß, der fast täglich vor Ort nach dem Rechten sah, wie er erzählt.

Näher zu den Menschen?
Woran kann es liegen, dass die Vögel das Haus verschmähen? Die naheliegendste Erklärung ist für die beiden Männer, dass das Holzhaus zu weit entfernt von der Wohnbebauung steht. »Wahrscheinlich müssen wir mehr dorthin, wo die Tauben sich aufhalten.« Das hieße, irgendwo mitten in den Ort. Die Anfütterrung auf der freien Fläche jedenfalls hat bislang nicht funktioniert. Dabei ist das Konzept vielversprechend. Taubenhäuser sind keine Neuheit, es gibt sie schon seit dem Spätmittelalter. 

Hauß und sein Kompagnon wollen bald mit der Verwaltung Kontakt aufnehmen – in der Hoffnung, dass vielleicht ein anderer Standort gefunden werden kann. Denn von der Erfindung und ihrem Potenzial sind sie nach wie vor voll überzeugt.

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