Hilfe für Burkina Faso

Legelshurster Ehepaar organisierte Studienreise

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13. März 2019

(Bild 1/3) Guy Collin (links) mit dem König der Gan, einem der vielen Stammesfürsten in Burkina Faso, und dessen Ehefrau. ©Guy und Hanna Collin

Seit kurzem sind Guy und Hanna Collin wieder zurück in Legelshurst. Ende Januar hatten sie eine Studienreise nach Burkina Faso organisiert – zu Gunsten der »Association Solidarité Djiguiya«, die in dem westafrikanischen Land Hilfsprojekte organisiert und ihre Arbeit künftig auch verstärkt mit nachhaltigem Tourismus finanzieren will.

»In den Köpfen etwas bewegen« – so beschreibt Guy Collin das Ziel der Studienreise nach Burkina Faso, die er und seine Frau Hanna Ende Januar organisiert hatten. 14 Tage lang ging es per Kleinbus quer durch das arme westafrikanische Land.

Das Ehepaar aus Legelshurst engagiert sich seit etwa 2017 für Burkina Faso. Damals kamen sie mit Hilfe der »Association Solidarité Djiguyia« erstmals in das Land, wo eine Nichte von Hanna Collin bei einer Nicht-Regierungs-Organisation arbeitet. Zielgruppe der »Accociation« waren anfangs vor allem Kinder, die vor dem Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste ins nördliche Nachbarland Burkina Faso geflüchtet waren und hauptsächlich rund um die grenznahe Stadt Sindou lebten. Nach dem Ende des Bürgerkrieg setzt die »Association« bei ihrer Arbeit inzwischen andere Schwerpunkte: Jetzt geht es vor allem um eine bessere Bildung für Kinder und die Senkung der hohen Analphabetenquote. Dabei wird die »Association« von einem in Frankreich sitzenden Förderverein unterstützt – und die Collins sind sozusagen dessen deutsche Kontaktstelle.

Förderverein vermittelt Patenschaften

Der Förderverein vermittelt unter anderem Patenschaften für Kinder. Auch die Collins sind Paten eines behinderten Jungen. Die »Association« selbst finanziert ihre Arbeit unter anderem mit dem Verkauf von selbst produziertem Honig – und mit »nachhaltigem Tourismus«: Der Verein bietet Interessierten mit eigenen Führern die Möglichkeit, Land und Leute kennenzulernen. Die Collins wollen nun mithelfen, diesen Erwerbszweig auszubauen und zu einer verlässlicheren Einnahmequelle zu machen. 

Vor Ort fungierten die beiden Legelshurster als »deutschsprachige Reiseleiter« und Dolmetscher. Die Studienreise war im Grunde die erste »professionell organisierte Touristenreise« nach Burkina Faso. Kein Wunder: Burkina Faso ist auf der touristischen Landkarte noch ein fast »weißer Fleck«, und überhaupt ist das Land in Deutschland fast unbekannt. Wohl auch deshalb war die Reisegruppe klein: nur etwas mehr als eine Handvoll Leute. Darunter waren Leute, die ihre Patenkinder einmal persönlich kennenlernen wollten, aber auch »normale« Touristen.

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Mehr als Blicke auf schöne Landschaften

Und die bekamen nicht nur die landschaftlichen »Schokoladenseiten« des Landes zu sehen, etwa das Wildreservat Nazingua oder die bizarren Erdformationen der Pics du Sindou, die von den Einheimischen als heilig verehrt werden, sondern wurden auch mit den enormen Problemen konfrontiert, mit denen das Land zu kämpfen hat: etwa die enormen Mengen Plastikmüll in den Straßen (weil es dort kein funktionierendes Entsorgungssystem gibt), die Zustände in den Schulen oder die schlechte medizinische Versorgung. So ist Malaria sehr häufig, weil Impfungen teuer und Medikamente Mangelware sind. »Wir haben unsere Gäste auch in die Familien einiger Kinder und Betreuer mitgenommen, damit sie die Lebenswirklichkeit der Menschen dort aus erster Hand erfahren können«, berichtet Hanna Collin. 

Auch Kinder aus dem Camp waren mit dabei

Zu einigen Ausflügen nahm die Gruppe auch Kinder aus dem Camp mit, das die »Association Solidarité Djiguyia« in Sindou betreibt. Für die war das was ganz Besonderes, erzählt Guy Collin: »Viele sind noch nie außerhalb des Camps gewesen, weil solche Ausflüge für sie einfach zu teuer sind.«

Anfragen für die nächste Reise haben die Collins schon vorliegen. Das nächste Mal wollen sie voraussichtlich Ende Februar 2020 fahren – dieser Zeitraum sei ferientechnisch günstiger, sagen sie. Auch auf dem Willstätter Jahrmarkt im Herbst wollen sie für die Arbeit des Fördervereins werben.

Stichwort

Die Arbeit der »Association Solidarité Djiguiya«

Die 2004 gegründete »Association Solidarité Djiguiya« betreut etwa 170 Kinder, die auch zum Teil während der Schulzeit im vereinseigenen Kinder-Camp leben. Der Verein bezahlt das Schulgeld und die Kosten für die medizinische Versorgung, da es in Burkina Faso keine Krankenkassen gibt, und sorgt für eine ausgewogene Ernährung der Kinder. Da das Wasser im Camp kein Trinkwasser und außerdem für den Verein viel zu teuer ist, hat er 2017 mit Hilfe von Spendengeldern einen Brunnen mit Solarpumpe und Hochbehälter gebaut. Außerdem dient ein Garten nebenan, der jetzt bewässert werden kann, als Ausbildungsstätte und zur Versorgung der Kinder mit Gemüse. Dazu kommt der Bau von Latrinen und die Organisation einer Müllentsorgung. 

In Frankreich gibt es einen Förderverein, der die Arbeit der »Association« vor Ort unterstützt. Guy Collin ist dessen Vorsitzender. 

Wer den Verein unterstützen möchte, kann Spenden auf folgendes Konto einzahlen: Association Solidarité Djiguiya, IBAN: FR76 3002 7160 9800 0202 5790 105, BIC: CMCIFRPP. Infos gibt es bei Guy und Hanna Collin, • 0 78 52/15 87, oder per 
E-Mail: gcollin@web.de oder hcollin@t-online.de.

Hintergrund

Hense schwer beeindruckt

Zu der kleinen Reisegruppe, die sich im Januar nach Burkina Faso aufmachte, gehörte auch Norbert Hense, der Vorsitzende des Kehler Ortsverbandes von Bündnis 90/Die Grünen. Und von dem, was er dort erlebt hat, war er schwer beeindruckt. Man habe wirklich Land und Leute kennenlernen können, sagte er – und auch die Probleme, die sie haben. Etwa die Zustände an den dortigen Schulen, wo 80 Kinder und mehr in einer Klasse die Regel sind. Oder die schlechte Versorgung mit Medikamenten. Umso mehr Respekt müsse man haben vor dem, was etwa Mediziner und Apotheker dort leisten, meint er. Wichtig sei, dass man die Menschen in Entwicklungsländern nicht mit »weißen Elefanten« beglückt, sondern genau schaut: Was brauchen die Leute – und ihnen dann auch zutraut, dass sie ihre Probleme selbst lösen können. 

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