Mediathek Kehl

Lesung: „Wir schenken uns nichts“

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 3 Minuten
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25. Oktober 2019

Martine Lombard während ihrer Lesung in der Kehler Mediathek. ©Karin Bürk

Mit einer Lesung aus dem Buch „Wir schenken uns nichts“ stellte die in Straßburg lebende Autorin Martine Lombard am Mittwoch in der Mediathek ihren ersten Roman vor. 

Dezent sitzt Martine Lombard auf ihrem Stuhl in der Kehler Mediathek. Auf dem Tisch vor ihr stehen eine Wasserkaraffe und ein Glas Weißwein. Nachdem die Abendglocken der Nepomuk-Kirche aufgehört haben zu läuten, begrüßt sie die Besucher und Freunde mit einem Lächeln und bedankt sich für ihr Kommen. Nach mehreren Kurzgeschichten hat sie mit dem Buch „Wir schenken uns nichts“ ihren ersten Roman geschrieben. Darin beschäftigt sie sich  mit den Auswirkungen der DDR und den damit verbundenen Schicksalen nach der Wende und erstellt ein  scharf gezeichnetes Bild der noch immer unterschiedlichen Vorstellungen in Ost und West. 

Aus Dresden

Im Mittelpunkt ihrer fiktiven Geschichte steht die 40-jährige, verheiratete Marketingfachfrau Johanna, die, ebenso wie die Autorin, aus Dresden stammt. Sie lebt und arbeitet mit ihrem Mann in einer Kleinstadt an der deutsch-französischen Grenze. Allerdings hat Johanna den Eindruck, in der Fertighausfirma in einer reinen Männerdomäne zu arbeiten. Doch trotz allem ist sie erfolgreich in ihrem  Beruf. Eigentlich hat Johanna alles im Griff, bis sie Einsicht in ihre Stasi-Akte genommen hat. Dort findet sie nicht viel, aber was sie liest, lässt sie nicht mehr los.

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Die Autorin springt nun in das Kapitel „Weihnachten in Dresden“. Die Feiertage will Johanna dort mit ihrem Mann bei ihren Eltern verbringen. Sie will die, die nichts von der Akte wissen wollen, damit konfrontieren, und erfährt dabei auch noch, dass ihre jüngere Schwester Alma nun mit ihrem Jugendfreund Felix zusammen ist und ihr in der DDR absolviertes Kunststudium  auf Schiebung beruhte. Jetzt  gerät ihr Leben nach und nach aus den Fugen.  Beherrscht von Eifersucht, Missgunst, Partnerprobleme, Verzweiflung und Angst verausgabt sie sich beruflich wie privat an der falschen Front.

Geschlechterkampf

In Martine Lombard Buch geht um Geschlechterkampf und weibliche  Konkurrenz  in einer Männer dominierenden Arbeitswelt, die Macht der Familienbande und davon, wie die Vergangenheit die Gegenwart bestimmt.
Nach der Lesung herrscht minutenlange Stille im Raum. Betroffenheit? Erinnerungen an das eigene Leben? Identifizierung mit der Protagonistin und deren Familie? Lombard kann nachfühlen, was es heißt, die eigene Stasi-Akte zu lesen. Ihr selbst ist es so ergangen.  Nachvollziehbar ist auch das Gefühl mit der Kommunikation zwischen Johanna und den Eltern, die nicht zustande kommt, was schier unerträglich ist.

Erst als Lombard Fragen in den Raum stellt (Wie sehen Leute, die in Kehl wohnen, das Geschehen? Wird die Einheit nie vollendet sein?) gibt es einzelne Wortmeldungen von Zuhörern, die im Osten geboren und nach der Wende nun im Westen leben. Sie bestätigen, dass die Verbundenheit nurHeimat noch da sei. Bei vielen steckt auch noch tief das DDR-Gefühl, Mensch „zweiter Klasse“ zu sein. Eine ehemalige Dresdnerin bestätigt, dass sie sich gut in Johanna hineinversetzen kann. Schier unendlich ist das Thema „Ost und West“. Nur gut, dass darüber nach der Lesung mit der Autorin noch  in einer lockeren Runde geplaudert werden konnte.
 

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