Willstätt - Eckartsweier

Letzter Farrenwärter Eckartsweiers ist tot

Autor: 
Klaus Elff
Lesezeit 3 Minuten
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19. September 2018

Ein Bild aus alten Zeiten: Eckartsweiers letzter Farrenwärter Willi Göpper mit einem über eine Tonne schweren Zuchtbullen. ©Archiv Alfred Hetzel

Das »alte« Eckartsweier ist um einen bekannten Einwohner ärmer: Vergangene Woche wurde Willi Göpper, der letzte Farrenwärter des Dorfes, zu Grabe getragen. Dem Farrenwärter oblag einst die Pflege der Bullen, Eber und Ziegenböcke der Gemeinde.

Nicht ohne Stolz zeigt Helene Göpper ein Bild an der Wand, das ihren jüngst verstorbenen Mann Willi zeigt – mit einem mächtigen Stier an der Hand. Der soll immerhin 1200 Kilogramm gewogen haben. »Er hat nie Angst vor großen Tieren gehabt«, erinnert sich die Witwe.  

Platz für vier Stiere

Der Farrenstall stand gegenüber der »Linde« an der Ecke Schutterstraße/Kehler Straße und konnte vier Stiere beherbergen. »Die Aufgabe des Farrenwärters hat Willi eigentlich nur vorübergehend ausführen sollen, bis ein richtiger Wärter eingestellt wurde«, so Helene Göpper weiter. Der Vater Jakob Göpper war damals Bürgermeister und hatte seinen Sohn zur Aushilfe beauftragt. Aber dann machte Willi Göpper das Geschäft bis zum Ende der Farrenhalterei, bis Stiere nicht mehr die Aufgabe des Nachwuchszeugens direkt machen durften – Medizinmänner vollenden diese Arbeit bis heute. Immerhin kamen so elf Jahre Arbeit mit den Stieren zusammen. 

Damals waren die Bauern hauptsächlich Selbstversorger. »Der Rinderbestand betrug zu dieser Zeit ca. 500 Rinder«, steht in Alfred Hetzels Buch »Eckartsweier«. Auch die Göppers hatten bis zu sieben eigene Kühe im Stall. 

Gebühr für jeden Deckakt

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Über die Arbeit des Farrenwärters schreibt Hetzel: »Der Farrenwärter besorgte die Fütterung und Pflege der Tiere. Das nötige Heu wurde von gemeindeeigenen Wiesen im Lohn gemacht und in den Farrenstall gebracht. (…) Die Bauern mussten ihre Kühe und Rinder morgens oder abends in den Farrenstall bringen zum Decken. Für jeden Deckakt musste natürlich an die Gemeinde eine Gebühr bezahlt werden.«

Wie Hetzel weiter schreibt, waren im selben Gebäude auch über viele Jahrzehnte die Zuchteber untergebracht. »Bis etwa 1958 zog der Sauhirt jeden Morgen mit einer Hupe durchs Dorf, sammelte die Moren ein und trieb sie auf die Sauweide, natürlich mit dem Eber dabei. Auch einen Ziegenbock hielt die Gemeinde im Farrenstall. Ende der 1960er-Jahre gab es dann keine Ziegen mehr im Dorf.«

Karzer war gleich nebenan

Neben dem Farrenstall gab es einen Raum, der viele Jahre auch als Karzer, als Gefängnis also, benutzt wurde. 1988 wurden beide Gebäude abgerissen, nachdem der Karzer lange Zeit als Jugendtreff gedient hatte. Heute gibt es an der Straßeneinmündung einen gepflegten »Lindenplatz« mit Brunnen und Sitzbänken, die zum Verweilen einladen

Nach dem Ende seiner Tätigkeit als Farrenwärter 1977 arbeitete Willi Göpper bis 1993 im Bauhof der Gemeinde Willstätt. Eine Zeitlang war er auch im Männergesangverein aktiv. Am 9. September ist er im Alter von 86 Jahren verstorben.

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