Offenes Werkstor Kehl

Maschinen für die Lebensmittelverarbeitung

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 3 Minuten
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09. August 2018
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(Bild 1/3) Alle Mann: Im Vorführraum ließen sich die 20 Leser der Kehler Zeitung einige Maschinen vom geschäftsführenden Gesellschafter Stefan Zillgith (2. von rechts) und Vertriebsleiter Johannes Günther (ganz rechts) vorführen. Probieren durfte man das frisch geschnittene Obst und Gemüse indes nicht: Auch bei der Vorführung gelten strenge Hygienevorschriften. ©Iris Rothe

Bei der Firma Kronen in Kehl-Goldscheuer, die Maschinen für die Lebensmittelverarbeitung herstellt, gelten auch für Besucher strengste Hygienevorschriften. Für welchen Markt Kronen produziert, erfuhren die KEZ-Leser bei einer Führung im Rahmen der Serie Offenes Werkstor.

Nur noch wenige Arbeiter bevölkern die aufgeheizten Werkshallen des Maschinenherstellers Kronen in Goldscheuer, als die 20 Teilnehmer von Firmenchef Stefan Zillgith und Vertriebsleiter Johannes Günther herumgeführt werden. »Wir fangen zur Zeit wegen der Hitze schon um fünf Uhr morgens an«, sagt Stefan Zillgith. »Dann ist um 14 Uhr Feierabend.« 

Das Geschäft boomt

Kronen stellt Maschinen her, die Kantinen und Caterern, globalen Fastfood-Ketten und kleinen Anbietern wie Hofläden die Arbeit erleichtern: Salatwaschmaschinen, Gemüsespiralschneider oder Obstschälmaschinen zum Beispiel. Das Geschäft boomt: Immer mehr Menschen verlangen nach bereits geschnittenem und gewaschenem Salat, Obst und Gemüse – neudeutsch Convenience Food genannt –, wie man allerorten in den Obsttheken und Kühlregalen der Supermärkte sehen kann.

Dazu kommen Trends, die der Firma in die Hände spielen, zum Beispiel die Low Carb-Bewegung. Weniger Kohlenhydrate heißt die Devise, Nudeln werden dabei durch Gemüsespiralen ersetzt. Kronen hat 2017 die passende Maschine dazu entwickelt, die blitzschnell Süßkartoffeln und Möhren, Flaschenkürbisse und Kohlrabi in spagettiartige Streifen verwandelt. »Davon haben wir im ersten Jahr 55 Stück verkauft«, erklärt Johannes Günther stolz. »Das hatten wir noch nie.« 300 Kilogramm »Möchtegernpasta« produziert die 27 000 Euro teure Maschine – in einer Stunde. 

Maßanfertigung je nach Bedarf

Etwa 1000 Maschinen und Vorrichtungen stellen die 100 Mitarbeiter von Kronen im Jahr her, 80 Prozent davon für die sogenannte Fresh–cut-Industrie. Viele Maschinen werden individuell nach Kundenwunsch gefertigt. Verkaufsschlager mit 100 bis 120 Einheiten ist eine Multifunktions-Bandmaschine, mit der man Salat, Gemüse, Fleisch und Fisch, aber auch Kräuter oder Nüsse schneiden, raffeln, reiben oder würfeln kann. 

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Hygienevorschriften auch für die Besucher

Bevor die Besucher in die Werkshallen dürfen, heißt es Gummigaloschen mit Stahlkappen über die Sommersandalen zu ziehen, was einen gewissen Entengang unausweichlich macht. In zwei Gruppen aufgeteilt werden den Lesern die einzelnen Arbeitsschritte erklärt. Die Gehäuse der Wasch-, Schäl- und Schneidemaschinen werden aus Stahlblechen gefertigt. Mit der Stanz-Nibbelmaschine werden Löcher und Aussparungen ausgestanzt und Vertiefungen geprägt, in der Abkantpresse die bis zu drei Meter langen Edelstahlbleche in Form gebogen. »Wir versuchen so wenig wie möglich zu schweißen, weil das Wärme ins Produkt bringt«, erläutert Geschäftsführer Stefan Zillgith.

Ist das Edelstahlgehäuse fertig, wird es glasperlengestrahlt, um die Anlassfarben vom Schweißen zu beseitigen und die Oberfläche zu satinieren. Das kann bis zu vier Stunden dauern. Anschließend werden die Gehäuse mit Motoren, Messern, Druckluftanschlüssen, Kabeln und Schaltern versehen. »Der Zusammenbau ist meist Handarbeit, da wir vor allem Kleinserien oder Einzelstücke fertigen«, so Zillgith. 

Rolle wird zum Insektensieb

Dass es sich um Maschinen zur Lebensmittelbehandlung handelt, sieht man ihnen nicht unbedingt an. Neugier erweckt die gelöcherte Rolle an einer Maschine, die in Form und Abmessung einer Waschmaschinentrommel gleicht. Damit liegt man gar nicht so falsch: Es handelt sich um das Insektensieb einer Salatwaschmaschine. 

Viele Maschinen schmücken Piktogramme, die unmissverständlich klarmachen, mit welcher Einstellung welches Produkt verarbeitet werden kann. »Wir liefern in so viele Länder, da ist es besser, mit Symbolen und Bildern zu arbeiten«, erklärt Johannes Günther. So kann beispielsweise die internationale Küchencrew eines Kreuzfahrtdampfers mit einem Blick erkennen, wozu die Ananas- und Melonenschälmaschine gut ist.

Hintergrund

Historie

  • 1978: Kronen wird als Handelsunternehmen für Hotel- und Gastronomie-Geräte  gegründet. Zumeist werden Maschinen aus Japan importiert und dem deutschen Markt angepasst. Der Firmensitz ist in Eckartsweier.
  • 1992: Beginn der Entwicklung und Produktion von eigenen Maschinen für die Obst-, Gemüse- und Salatindustrie.
  • 1998: Rudolph Hans Zillgith übernimmt Kronen als geschäftsführender Gesellschafter, die Exporttätigkeit wird ausgeweitet.
  • 2004: Bau des 3000 Quadratmeter großen Produktions- und Verwaltungsgebäudes in Kehl-Goldscheuer mit eigenen Ausstellungs- und Schulungsräumen.
  • 2008: Verdoppelung der Produktionsfläche auf 5000 Quadratmeter.
  • 2010: Mit Stefan Zillgith tritt die nächste Generation in die Geschäftsleitung ein.
  • 2011: Gründung der Kronen Corp. in Cohoes/New York , die als Vertriebsgesellschaft für den US-amerikanischen Markt agiert2013: Einführung von Kronen Systems; komplexe Verarbeitungslinien, die Arbeitsgänge kombinieren.
  • 2013: Einführung von Kronen Systems; komplexe Verarbeitungslinien, die Arbeitsgänge kombinieren.
Info

Wussten Sie...

  • ...dass Gemüsespiral–schneidemaschinen bis zu 15 Meter lange Spiralen machen können?
  • ...dass Kronen seine Maschinen in über 100 Länder liefert und 80 Vertretungen weltweit hat?
  • ...dass eine Krautschneidemaschine zwei bis drei Tonnen Kraut in einer Stunde verarbeiten kann?
  • ...dass auf vielen Kreuzfahrtschiffen Maschinen aus Goldscheuer rund um die Welt schippern? 
  • ...dass es ganze Waschstraßen für Salat gibt, in denen in einer Stunde eine Tonne Blattsalate geschnitten, gewaschen, getrocknet und gewogen werden?
  • ...dass Kronen auch mit Robotern experimentiert, die die Maschinen automatisch bestücken und somit unbeliebte Arbeitsplätze in feuchten und kühlen Hallen übernehmen können?

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