Kehl
Dossier: 

Die erste reguläre Fahrt der Tram am Samstagmorgen

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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29. April 2017
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(Bild 1/5) Die Odelshofener Dorfsänger begrüßten am frühen Samstagmorgen die erste reguläre grenzüberschreitende Tram. ©Ellen Matzat

Begleitet von Gesang und „Vive l’Europe“-Rufen hat die erste reguläre Tram am Samstagmorgen um 4.47 Uhr Kehl erreicht. Insgesamt transportierte sie auf ihrem Weg von der Haltestelle „Rotonde“ bis zum Kehler Bahnhof mehr als 200 Fahrgäste.

Am Samstag um Punkt 4.26 Uhr fuhr die Tram Straßburger Hauptbahnhof in Richtung Kehl. Dies ließen sich rund 80 Kehler und Begeisterte aus den Umlandgemeinden nicht entgehen, die sich der Initiative von Rolf Hoffmann anschlossen, um diese Fahrt mitzuerleben. Er hatte zwei Busse organisiert, die die Leute um 3.25 Uhr in Odelshofen, danach in Neumühl und um 3.40 Uhr am Kehler Bahnhof abholten und nach Straßburg fuhren. Die Stimmung war trotz der unchristlichen Uhrzeit bestens. 

»Von dieser Verbindung habe ich immer geträumt“, schwärmte Heino Bullwinkel, einer der Initiatoren der Kehler Bürgerstiftung. Seine Frau ist Straßburgerin, daher seine Verbundenheit zur Nachbarstadt. »Dass wir heute alle hier stehen und so viele Leute, auch aus den Ortschaften, da sind, ist einfach phänomenal«, freute sich Kehls Bürgermeister Harald Krapp. »Für mich war es das Allerwichtigste, dass meine Frau und ich heute die erste Fahrt mitfahren. Das ist unheimlich beeindruckend und emotional – einfach toll«, sagte er. »Auch für mich als Kehler ist es selbstverständlich, bei der ersten Tram-Fahrt von Straßburg bis zum Kehler Bahnhof dabei zu sein, einfach perfekt«, lachte ein gut gelaunter Gästeführer Klaus Gras. 

Im Straßburger Hauptbahnhof wurde die Wartezeit durch das Singen mit den Odelshofener Dorfsängern, die Fritz Vogt mit seiner Ziehorgel begleitete, verkürzt. Lauter Jubel brach aus, als die erste Tram der Linie D in den Bahnhof einfuhr. 
In der Tram wurde gemeinsam das von Erika Hollestelle gedichtete Lied »In der Tram, da fahren Freunde« gesungen. An den Haltestellen stiegen nach und nach noch viele Fahrgäste beiderseits des Rheins ein, vom Nachtschwärmer bis hin zum Frühaufsteher. 

Der jüngste Mitfahrer war Johannes Reinbold (5), dem wegen der großen Aufregung das Aufstehen am frühen Morgen nicht schwer gefallen war. »Wir sind alle ohne Wecker wach geworden«, schmunzelte Vater Bruno Reinbold. Er war mit fünf Kindern zwischen fünf und elf Jahren von Kehl bis zur Haltestelle »Port du Rhin« gelaufen, um diese Strecke wieder mit der Tram zurückzufahren. »Das war super«, freute der Raphael Fröhlich (11). 

Auf der 21-minütigen Fahrt wurde gefilmt, gelacht, in beiden Sprachen gesungen und die neue Beatus-Rhenanus-Brücke über den Rhein bejubelt. In Kehl stiegen über 200 Gäste aus, die mit von jungen Straßburgern geschwenkter Europafahne sowie von OB Toni Vetrano empfangen wurden. Gemeinsam wurde das »Badner Lied«  gesungen.  

Nachdem die Tram ihren Weg zurück nach Straßburg eingeschlagen hatte, wurde ein Café gestürmt, in dem bis zum Sonnenaufgang weiter gesungen und bei Kaffee und Brezeln gefeiert wurde. »Das ist der schönste Tag in meinem Leben«, freute sich der 72-jährige Fritz Vogt, Ziehorgelspieler und Ortsvorsteher von Neumühl, denn »das ist ein Tag, über den man in 200 Jahren noch spricht – und ich durfte dabei sein.«

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