Menschenrechtlerin

Mina Ahadi in Kehl gegen zu viel Toleranz gegenüber dem Islam

Autor: 
Nina Saam
Lesezeit 4 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
09. Oktober 2018

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, geizte am Montagabend nicht mit Kritik an den herrschenden Verhältnissen: »Hören Sie auf, islamische Organisationen zu unterstützen.« ©Nina Saam

Mina Ahadi, Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, griff am Montag im Kehler Zedernsaal scharf Grüne und Linke an: Sie seien zu liberal, um nicht als ausländerfeindlich zu gelten, sagte die Exil-Iranerin, die auf Einladung des Club Voltaire zum Publikum sprach.

Mina Ahadi ist eine entschiedene Streiterin für die Säkularisierung, für die Trennung von Religion und Gesellschaft. »Ich habe das Gefühl gehabt, in Deutschland läuft etwas falsch«, sagt die seit 29 Jahren im Westen lebende Mina Ahadi zu ihrer Motivation, als sie vor elf Jahren den Zentralrat der Ex-Muslime ins Leben gerufen hatte. Mit Unbehagen und Unverständnis habe sie gesehen, mit welchen Verbänden die Regierenden hierzulande in der Islamkonferenz zusammenarbeiten: »Burkini, Kopftuch, halal, haram – was soll das? Diese Organisationen sprechen nicht in meinem Namen«, sagt sie. Im gut gefüllten Zedernsaal erzählte sie ihre Geschichte, die sie dazu bewogen hat, sich dem Islam entgegenzustellen.

Lieber Marx & Minirock

- Anzeige -

Aufgewachsen in einem kleinen Dorf, musste Mina Ahadi bereits mit neun Jahren den Tschador tragen, wenn sie das Haus verließ. Frauenrechte existierten in dieser Welt nicht. Wenn sie dagegen aufbegehrte, hieß es: »Du bist Moslem, Allah hat das so gesagt.« Doch sie lernte auch ein anderes Leben kennen, das ihres Großvaters, der in Teheran lebte und Atheist war. Die Stadt war bunter, die Frauen unverschleiert. »Marx und Minirock, das wollte ich«, so Mina Ahadi. Sie studierte in Täbris Medizin und engagierte sich aktiv gegen das Regime – erst gegen die Herrschaft von Schah Reza Pahlavi, später gegen die von Ajatollah Chomeini gegründete Islamische Republik. 1980 musste sie miterleben, wie ihr Mann und fünf weitere Gäste in ihrer Wohnung gefangen genommen und später hingerichtet wurden. Mina Ahadi konnte fliehen und tauchte in Teheran unter, bevor sie in die Kurdenregion an der iranisch-irakischen Grenze ging und zehn Jahre lang unter den Partisanen lebte. Doch auch dort erlebte sie Chauvinismus und Schwulenhass.
1990 floh sie in den Westen, nach Wien, erhob öffentlich ihre Stimme: »Der Islam ist viel mit Gewalt, Todesstrafe und Steinigung verbunden«, sagt sie. »Doch als ich 1992 auf der Menschenrechtskonferenz in Wien sprach, hieß es, das sei ein Kulturphänomen. Man kann doch so etwas nicht relativieren!«
 
Kritik an den Linken 

2001 gründete sie das Internationale Komitee gegen Steinigung, 2004 das Komitee gegen die Todesstrafe, 2007 den Zentralrat der Ex-Muslime. Ihr Widerstand gilt dem politischen Islam, einer aggressiven Bewegung, die erst die muslimisch geprägten Länder eroberte und jetzt auch bei uns in Erscheinung tritt – und ihrer Meinung nach zu sehr toleriert wird. »Wir müssen die offene Gesellschaft verteidigen«, sagt sie. Das Kinderkopftuch, das schon die Kinder in kleine Katholiken und kleine Muslime trenne, gehöre verboten. Unverständlich für sie auch, wie man es zulassen könne, dass eine »Scharia-Polizei« wie 2014 in Wuppertal durch die Straßen zieht. »Ich kämpfe seit 40 Jahren für die Rechte der Frau und meine Tochter muss sich in Deutschland fragen lassen, warum sie kein Kopftuch trägt?«, sagt sie kopfschüttelnd.
Mit ihrer radikalen Ablehnung des Islam ist Mina Ahadi nicht unumstritten, sie musste sich schon manches Mal den Vorwurf des Rassismus und des Rechtspopulismus gefallen lassen. Dem erteilt sie aber eine klare Absage, sie streite vielmehr für eine fortschrittliche, humanistische, menschenrechtliche Bewegung, in der die Religion keine Rolle spiele, sagt sie. Viele Parteien hierzulande, vor allem die Grünen und die Linken, seien zu liberal, um nicht als ausländerfeindlich zu gelten. Das hält sie für falsch: »Hören Sie auf, islamische Organisationen zu unterstützen«, so Mina Ahadi. »Setzen Sie klare Regeln, sagen Sie den Menschen: Du darfst dich hier integrieren, aber du musst dich an westliche Regeln halten.« 

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

Flott war dieses Glas voll.
vor 58 Minuten
Kehl
Die Menschen sind hungrig nach Abwechslung, nach einem Stück Normalität, nach Veranstaltungen. Nach all dem, was bis März vergangenen Jahres so gewohnt war, dass sich keiner vorstellen konnte, dass das Leben einmal anders aussehen könnte.
Gerd Birsner - gewohnt unterhaltsam zum Auftakt der neuen Veranstaltungsreihe.
vor 2 Stunden
Kehl
Musik bringt Abwechslung und Freude in den Alltag. Mit der Veranstaltungsreihe „Kultur am Fenster und im Garten“, die vom Förderverein Ortenau-Klinikum Kehl initiiert wurde, soll genau dieser Alltag hinter sich gelassen werden.
vor 2 Stunden
Kehl
Ein Ehe-Ende mit Schrecken: Verletzter Stolz und Machtansprüche führten zu Beleidigungen und körperlichen Auseinandersetzungen – und schließlich vor das Kehler Amtsgericht. Dessen Richter tat sich mit dem Urteil nicht leicht.
In der Mediathek gibt es in den kommenden Monaten einen digitalen Wandel.
vor 3 Stunden
Kehl
Das Neustart-Kultur-Programm des Bundes fördert den Ausbau der Einrichtung. Programmierbare Roboter und intelligente Regale sind nur zwei der geplanten Neuerungen.
Der Albert-Schweitzer-Platz auf dem ehemaligen Herzhauser-Areal in Kork dient der Ortschaft als inklusiver Treffpunkt.
vor 5 Stunden
Kehl - Kork
Ausgedehnte Begehung mit beteiligtem Planungsbüro: Schwachstellen und Potentiale wurden ermittelt.
In Kork wird mit dem Wirkstoff von Biontech geimpft.
vor 7 Stunden
Kehl
Wer mindestens 70 Jahre alt ist und noch eine Corona-Impfung hatte, der hat nun in Kork die Gelegenheit dazu. Am 31. Mai bieten Kehl und Willstätt einen Termin für die Bürger beider Kommunen an.
Die Natur hat sich rund um den Lärmschutzwall an der B 28 bei Willstätt vom Kahlschlag im Winter erholt. Das zeigt sich nicht nur an der B 28 selbst
vor 8 Stunden
Willstätt
Nach dem Kahlschlag im Winter hat sich das Bild rund um den Lärmschutzwall entlang der B 28 bei Willstätt erheblich gewandelt: Die Natur hat sich das Gebiet zurückerobert.
Sarina Freter, Sozialpädagogin aus dem Jugendtreff Badhiesel, hilft einem Jungen im Schuhgeschäft Schubändel, in einen giftgrünen Turnschuh zu schlüpfen.
vor 17 Stunden
Kehl
Bei der Kehler Spendenaktion „Radeln für den guten Zweck“ kamen 6688 Euro zusammen, die dem Schollenhof Wagshurst, dem Gnadenhof Papillon und hilfsbedürftigen Familien zugute kommen.
War der Zustand des Fahrrads okay, gab es als „Belohnung“ ein T-Shirt. Von links: Polizistin Alexandra Simmler, Radfahrer Mike Blass, Felix Neulinger, Leiter des Kehler Reviers, und Michael Görlitz von der Abteilung Tiefbau der Stadt.
vor 18 Stunden
Aktion sicher.mobil.leben
Die Polizeibeamten des Kehler Reviers hatten sich in den Morgenstunden und am frühen Abend auf dem Parkplatz zwischen der Friedhofstraße, die vor einem Jahr zu einer Fahrradstraße umgewidmet wurde, und der Hauptstraße postiert.
Daniel und Melanie Oberle vom Edeka-Markt Oberle in Willstätt spendeten dem in Urloffen gestrandeten Zauberer Aladin Rojan (rechts) einen ganzen Einkaufswagen mit Lebensmitteln.
vor 19 Stunden
Willstätt
Für den in Urloffen gestrandeten Zauberer Aladin Rojan bietet sich ein Silberstreif am Horizont: Der Edeka-Markt Oberle hat ihm einen Job angeboten, damit er endlich wieder Geld verdienen kann.
Daniel und Melanie Oberle vom Edeka-Markt Oberle in Willstätt spendeten dem in Urloffen gestrandeten Zauberer Aladin Rojan (rechts) einen ganzen Einkaufswagen mit Lebensmitteln.
vor 19 Stunden
Willstätt
Für den in Urloffen gestrandeten Zauberer Aladin Rojan bietet sich ein Silberstreif am Horizont: Der Edeka-Markt Oberle hat ihm einen Job angeboten, damit er endlich wieder Geld verdienen kann.
Regen Zuspruch fand die Sprechstunde der AG „Blühendes Kehl“ in Neumühl. Dabei wurde deutlich, wie anspruchsvoll die Aussaat von blühenden Wiesen sein kann
vor 20 Stunden
Kehl - Neumühl
Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft „Blühendes Kehl“ gaben bei ihrer Vor-Ort-Sprechstunde in Neumühl vielen Bürgern Antwort zu drängenden Fragen der Gartengestaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

- Anzeige -
  • Präzision ist bei der Philipp Kirsch GmbH das A und O: Hier wird beispielsweise vermessen, ob das Gerät die eingestellte Temperatur auf lange Sicht exakt hält. 
    vor 20 Stunden
    Philipp Kirsch GmbH: Kühlung in Kliniken und Apotheken
    Wenn es darum geht, Empfindliches im exakten Kühlbereich zu lagern, sind die Produkte der Philipp Kirsch GmbH gefragt. Das Unternehmen ist weltweit agierender Hersteller von professionellen Kühl- und Gefrierschränken für das Gesundheitswesen. Der Spezialist stellt ein!
  • Präzision ist bei der Philipp Kirsch GmbH das A und O: Hier wird beispielsweise vermessen, ob das Gerät die eingestellte Temperatur auf lange Sicht exakt hält. 
    vor 22 Stunden
    Philipp Kirsch GmbH: Kühlung in Kliniken und Apotheken
    Wenn es darum geht, Empfindliches im exakten Kühlbereich zu lagern, sind die Produkte der Philipp Kirsch GmbH gefragt. Das Unternehmen ist weltweit agierender Hersteller von professionellen Kühl- und Gefrierschränken für das Gesundheitswesen. Der Spezialist stellt ein!
  • Kompetente Beratung und Produkte zum Anfassen: Die Badausstellung lädt zum persönlichen Austausch ein. 
    12.05.2021
    Rundum-sorglos-Paket für Ihre Badsanierung
    So einfach kann der Weg zum modernen und stilvollen Badezimmer sein: Kostenlose Beratung, Festpreis und alle Leistungen der Badsanierung komplett aus einer Hand. Und mit dem Online-Konfigurator lässt sich vorab die gewünschte Badvariante bequem auswählen.
  • Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 sieht nicht nur Spitze aus, sondern hat ganz schön Power. 
    11.05.2021
    Mit Rückenwind in den Sommer: Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020
    Für alle, die ein E-Bike suchen, das sie überall hin mitnehmen können, um mobil und flexibel zu bleiben, hat bo.de das passende Angebot: Das Jeep Fold FAT E-Bike FR 7020 mit Mega-Reichweite. Es winkt ein Preisvorteil von 550 Euro.