Weihnachtsdeko ist in Wirklichkeit ein Schmarotzer

Misteln schaden Kehlern Obstbäumen

Autor: 
Redaktion
Lesezeit 2 Minuten
Jetzt Artikel teilen:
23. November 2020

Zauberpflanze mit „Schattenseite“: Um Misteln ranken sich vielerlei Mythen, unbestritten ist jedoch, dass sie immer mehr zur Gefahr für die heimischen Streuobstwiesen werden. ©Stadt Kehl

Misteln sind zum großen Problem für die heimischen Streuobstwiesen geworden. Denn die Schmarotzerpflanzen entziehen ihrem Wirtsbaum Wasser und Nährstoffe.

Die Zweige der Mistel sind eine allseits beliebte Weihnachtsdekoration, der sogar heilende Kräfte nachgesagt werden. Weniger bekannt ist hingegen, dass das Gewächs eine ernstzunehmende Gefahr für die heimischen Obstbäume darstellt. „Die Misteln sind Schmarotzer“, erklärt die städtische Umweltbeauftragte Sarah Koschnicke. „Sie haben keine eigenen Wurzeln, sondern benötigen zum Wachsen einen Wirt, dem sie Wasser und Nährstoffe entziehen.“

Die so entstehende Zusatzbelastung kann bis zum Absterben der Bäume führen, vor allem, wenn diese durch die Hitzesommer der vergangenen Jahre bereits geschwächt sind. Die Mistel gefährdet allerdings nicht nur die Bäume selbst, sondern auch Tiere und Pflanzen, die in dem besonderen Lebensraum Streuobstwiese beheimatet sind.

- Anzeige -

„Das Mistel-Problem ist seit einigen Jahren ein echtes Dauerthema bei uns“, sagt Sarah Koschnicke. Jeder Eigentümer und Pächter einer Streuobstwiese ist grundsätzlich für seine eigenen Bäume verantwortlich, allerdings ist „die Gefahr dabei, dass die Mistel nicht an der Grundstücksgrenze Halt macht.“ Setzt sich das Gewächs erstmal in einem Gebiet fest, hat dies direkte Auswirkungen auf die umliegenden Baumbestände. Gegen die von Vögeln verbreitete Mistel gibt es keine dauerhafte Lösung, eine gute Baumpflege verhindert jedoch bleibende Schäden am Astwerk: „Die Stadt hat für ihre Obstbäume bereits seit längerem zwei Streuobstschneider angestellt“, berichtet die Umweltbeauftragte.

Erhalt der Alleskönner

Wie in ganz Baden-Württemberg, gibt es auch in Kehl vielfältige Streuobstwiesen, vor allem in den Ortschaften. Beim Naturerlebnispfad und im Kronenhof lassen sich die bunten Obstspender ebenfalls begutachten. „Die Nutzbäume wirken sich positiv auf das Klima aus, bereichern das regionale Landschaftsbild und dienen unzähligen Lebewesen als Heimat“, erläutert Sarah Koschnicke. „Die grünen Alleskönner müssen uns daher zwingend erhalten bleiben.“ Im Naturschutzgesetz des Landes sind Streuobstwiesen seit August als besonders schützenswerte Biotope verankert, da sie eine wichtige Rolle beim Erhalt der regionalen Artenvielfalt spielen. Aber in diesem Zusammenhang muss auch immer die Jahreszeit beachtet werden: Die umfassende Pflege der Bäume ist nur von Anfang Oktober bis Ende Februar erlaubt, außerhalb der Brutzeiten.

Hintergrund

Das ist zu tun gegen den Schmarotzer

Entdecken Besitzer oder Pächter solcher Bäume Misteln im Astwerk, haben sie mehrere Möglichkeiten dagegen vorzugehen. Zum einen kann die Hilfe eines professionellen Baumpflegers in Anspruch genommen werden oder die Betroffene legen selbst Hand an. 

Laut dem Naturschutzbund (Nabu) gibt es dabei jedoch einiges zu beachten: So gilt es, die nachwachsenden Misteln alle zwei bis drei Jahre abzuschneiden, um deren weitere Vermehrung einzudämmen. Das ist wichtig, da die Schmarotzer erst im vierten Jahr ihre Beeren tragen und damit Vögeln als Nahrungsquelle dienen. 

Soll ein Baum von Grund auf erneuert werden, müssen stark befallene Äste komplett entfernt oder mindestens 30 Zentimeter um diese Stelle herum abgesägt werden. 
Bei kleinerem Befall können Pflanzen samt Wurzeln mit einer Kerbe tief ins Holz ausgeschnitten werden. Die Wurzeln der Misteln sind als grüne Stellen im Holz erkennbar.

Weitere Artikel aus der Kategorie: Kehl

vor 3 Stunden
Ausbildung
Die Beruflichen Schulen Kehl freuen sich über den Erfolg ihres Schülers. Er machte eine Ausbildung zum Stanz- und Umformmechaniker.
vor 6 Stunden
Stadtgeflüster
Ein verdienter Kehler Kommunalpolitiker hat heute gegenüber der Kehler Zeitung angekündigt, in dreieinhalb Jahren die kommunalpolitische Bühne des Gemeinderats verlassen zu wollen. Diese und andere exklusive „Flüster-News“ im Stadtgeflüster.
vor 9 Stunden
Vorerst mit Notbetreuung
Mitten im harten Lockdown startet die neue und inklusive Kindertageseinrichtung Zollburg auf dem Sundheimer Festplatz am Montag – vorerst allerdings nur mit einer Notbetreuung.
vor 13 Stunden
Kehl
Auf Psychotherapeuten und Psychologen kommt eine neue Herausforderung zu: große und kleine Patienten mit psychischen Belastungen durch die Corona-Krise.
vor 15 Stunden
Willstätt
Die Schulen und Kitas im Land bleiben weiter zu – auch in Willstätt. Verwaltung und Schulen sehen sich in Sachen Notbetreuung jedoch gut aufgestellt.
14.01.2021
Schneefall
Die Streufahrzeuge des städtischen Betriebshofs rücken aus, um der weißen Pracht auf unseren Straßen Einhalt zu gebieten. 
14.01.2021
"Telefon-Buch-Häuschen"
Der Verein Vielfältiges Kork hat auf dem Albert-Schweitzer-Platz einen öffentlichen Bücherschrank aufgestellt. Die Telefonzelle hat der Verein auf einer Internetplattform ersteigert und in Berlin abgeholt.
14.01.2021
Kommentar: Haushaltsberatung im Gemeinderat
Kehler-Zeitungs-Redaktionsleiter Klaus Körnich über schwere „Misstöne“ und „Sand im Getriebe“ in der ersten Runde der Haushaltsberatungen im Kehler Gemeinderat am Mittwoch. 
14.01.2021
Kehl
Der Besuch beim Zahnarzt ist für manchen Zeitgenossen ein Graus. In diesen Tagen sogar noch mehr, denn einige haben Angst, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Wie wahrscheinlich ist das? Wir haben in Kehl nachgefragt.
14.01.2021
Gemeinderat Kehl
Der Gemeinderat fordert massive Änderungen beim Doppelhaushalt 2021/22. „Die Mehrheit des Gemeinderats wird den Haushalt so, wie er jetzt vorliegt, nicht verabschieden“, kündigte CDU/FDP-Fraktionschef Schüler im Gemeinderat an.
14.01.2021
Willstätt
Schon seit einiger Zeit bereitet sich der VfR Willstätt auf sein Vereinsjubiläum vor. Für eine Chronik sucht der Verein noch alte Dokumente, Fotos und Exponate.
13.01.2021
Hilfe für Bedürftige
Der neu gegründete Verein „Restart with Pride“ unterstützt hilfsbedürftige Menschen dabei, Teilhabe an der Gesellschaft, Anerkennung und eine Verbesserung der Lebenssituation zu erlangen.