Theater der zwei Ufer

Molières Leben und Werk als Ein-Mann-Show

Autor: 
Karin Bürk
Lesezeit 3 Minuten
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20. Januar 2020

Norbert Großklaus schlüpfte in verschiedene Figuren des französischen Komödiendichters. Dabei durfte der „Eingebildete Kranke“ natürlich nicht fehlen. ©Ellen Matzat

Am Samstag hatte das Theater der 2 Ufer einen prominenten Gast zu Besuch: Der bekannte Grünen-Politiker, Pfarrer und Moderator Norbert Großklaus, seines Zeichens Schirmherr des Theaters, erzählte aus dem Leben Molières nach dem Roman von Michail Bulgakow: „Das Leben des Herrn de Molière“ – von der Geburt bis zum Grab.

Das Bühnenbild im Theater der 2 Ufer war schlicht: ein alter Koffer auf einem Hocker, ein grün-gestreifter Bademantel, kleine alte Tische mit Kerzen.

Skurril, lustig und tragisch dagegen die von Norbert Großklaus gespielten und erzählten Theaterwerke von Jean-Baptiste Molière. Molière, der berühmteste Komödiendichter Frankreichs. Mo­lière, der Menschenbeobachter. Kann man seine Meister-Komödien als Ein-Mann-Show aufführen? Man kann. 

Und der in Offenburg lebende gebürtige Kaiserstühler Großklaus vermittelte gebärdenreich und sprachlich dem Publikum die „Helden“  in diesen lustigen Stücken. Da tauchte dann plötzlich „Der Geizige“ auf, oder „Tartuffe“, der fromme Betrüger oder der „Eingebildete Kranke“.

Von der Wiege beim Tapeziermeister Poquelin bis zum Ableben noch in der Uraufführung des „Eingebildeten Kranken“ (1673) führte die verschlungene  Lebensbahn des meistgespielten Komödiendichters der Welt. Und so bauten Großklaus und sein Regisseur Dieter Neuhaus auch die  Aufführung „Das Leben des Herrn Molière“ frei nach dem Roman von Michail Bulgakow auf.

Die Schreie des Neugeborenen im Arm der Hebamme gingen über in das laute Geschimpfe des „Geizigen“, der, von Angstträumen über das nicht mehr auffindbare Geld gequält, die Diebe im Publikum aufspüren und „aufhängen“ lassen will.

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Amüsant der zuckersüß lächelnde Schleimer im Spiel „Der Tartuffe“, der frömmelnde Heuchler, der es meist mit gefalteten Händen auf die Damen und das Geld des Hausherrn  abgesehen hat. Charmant säuselte er der im Publikum sitzenden Weiblichkeit ins Ohr:  „Die Versuchung ist groß in der Frauen Schoß“ und verteilte diskret mit einem Händedruck kleine rote Zettelchen. Dann schlich er schamhaft verkrümmt zurück zur Bühne und beugte das Haupt zur Buße unter ein schwarzes Tuch.

„Der Menschenfeind“

Ganz anders kam dagegen „Der Menschenfeind“ daher, der das „Bussi-Bussi-Pack“ hasst und Nettigkeiten und Freunde meidet. Ein misstrauischer Außenseiter, der Partys verurteilt, aber an der Flasche hängt.

Besonders schlecht geht es bei Molière  den medizinischen Dienstleistern, denen zur damaligen Zeit außer Aderlass und Klistier (Einlauf) noch wenig zur Inneren Medizin eingefallen war; was den Darsteller Großklaus auf der Bühne zu grässlichen Verrenkungen und Grimassen bewog, vor allem beim Rezitieren der fantasievollen Rechnungen. „Mein Gott, sie lassen mich hier sterben!“

Genial gestaltet in „Erde bist du“ die Dialoge der Charaktere zwischen König, Mo­lières Verwandten und dem Erzbischof von Paris, denn dem „Komödianten“  wurde die  Bestattung in „geweihter Erde“ untersagt. Allerdings reicht die geweihte Erde nur bis zu vier Meter Tiefe, so wurde festgelegt, den Leichnam Molières fünf Meter tief zu bestatten.

Der langanhaltende Beifall des Publikums war vollauf verdient. Das Multitalent Norbert Großklaus wusste mit seiner Gestik und Mimik und seiner immer wieder variierenden Stimme effektvoll umzugehen. Ein durchaus gelungener Abend mit ihm und dem Leben des Herrn Molière.

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