Kehl

Mundart-Satiriker Otmar Schnurr in der Kehler Mediathek

Autor: 
Simona Ciubotaru
Lesezeit 4 Minuten
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22. Juni 2019

Die Lesung mit dem »Bruddler« Otmar Schnurr (rechts) wurde musikalisch umrahmt von Tatjana Schlegel, Julian Erhardt und Wolfgang Joho (von links). ©Simona Ciubotaru

Ansatzweise sollte man das Alemannische schon beherrschen, wenn man dem »Bruddler« alias Otmar Schnurr lauscht. Am Freitag strapazierte er die Lachmuskeln seiner Zuhörer in der Mediathek. 

Das war schwere Kost für die »deutschen Ausländer«, sprich gebürtige Deutsche aus dem benachbarten bundesdeutschen Ausland, weit von der alemannisch-badischen Heimat gelegen. Die schwätzen ein anderes, ziemlich fremdes Deutsch und haben bei der Veranstaltung am Freitag in der Mediathek vermutlich nichts verstanden. Aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Von den »ausländischen Ausländern« gar nicht zu sprechen. Da hilft nur ein hartes Training im Schwarzwald, das kann nicht lange dauern, vielleicht zehn Jahre. 

»Die Hälfte von dem Dreiviertel«

Und nach 30 Jahren ist man dann inländischer Ausländer und versteht »die Hälfte von dem Dreiviertel«. Das reicht aber aus, um Tränen über die Witze von Otmar Schnurr alias »Nepomuk der Bruddler« zu lachen. Die Schwaben aus Villingen-Schwenningen, das ist am Ende der Welt, sollten sich das aber besser sparen: Lachen kostet  Energie, man nimmt davon sogar ab – was für eine Verschwendung. 

Der versierte Entertainer, der Theologie studiert und als Religionslehrer gearbeitet hat, hatte sich etwas verspätet und entschuldigte sich beim Publikum damit, dass »Kehl so weitläufig ist, dass er nur schwer zum Zentrum reingefunden habe«. Bis zum nächsten Tag würde er hoffentlich auch wieder raus finden. 

Je enger das Tal, umso enger das Gehirn

Dann erklärte er den Zuhörern, er stamme aus Ottenhöfen im Achertal, da sage man, je enger das Tal, umso enger das Gehirn. Die Frauen seien in »Odehefe« etwas herber, der arme Mann, der tödlich an einem Schnupfen erkranke, fände überhaupt keine Empathie in seiner Familie. Und was die Mentalität vor Ort betrifft, sie könne man am besten mit einem lokalen Witz erklären: Es treffen sich zwei Männer aus der Region; der eine trägt einen Papagei auf dem Schulter. »Kann er schwätzen?« fragt der andere. »Ich weiß nicht«, antwortet der Vogel. 

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»Paris ist halt arg weit abgelegen«

Und während ein Berliner seine Gedankengänge inhaltlich ausführlich darlege, so würde ein Ottenhöfer nur das Resultat bekanntgeben. Gespräch zwischen zwei Bekannten: »Und?«, fragt der erste. »Ja«, antwortet der andere. Nach einer Reise: »Und? Wie war’s in Paris?« »Paris ist sehr schön, aber halt arg weit abgelegen.« Und so geht es weiter, zwei Stunden lang: hartes Training für die Lachmuskulatur. 

Bibiliskäs  auf Englisch? »Chicken cheese«!

Otmar Schnurr erzählt ganz trocken über die unerträgliche Verwandtschaft seiner Frau, die schiefgelaufene Aufklärung seiner Tochter, die vermeintliche Grausamkeit von  Frauen und die Nachteile eines Telefons im Haus, wenn man auf dem stillen Örtchen seinen Frieden haben will. Und über die Schwierigkeiten mit den alemannischen Redewendungen, wenn es darum geht, sie einem englischen Austauschschüler in seiner Sprache zu erklären. Das klingt zum Beispiel so: »Bibiliskäs heißt auf Englisch ›chicken cheese‹«. 

Der Vortrag ist wahnwitzig, skurril, selbstironisch und bissig, aber auch irgendwie liebevoll – Humor von bester Qualität im alemannischen Dialekt. Alltäglichkeiten werden zu Katastrophen, wie der Kaffeebesuch der Freunde – nur dass er nach Mitternacht und nach einer langen Sauftour stattfindet. Fazit: Man würde nächstes Mal doch zum Geburtstag des Onkels (Verwandtschaft seiner Frau) mitgehen. Die Freiwilligkeit werde im Familienrat beschlossen: »Es wurde einstimmig beschlossen, dass ich mitgehe wollt.«  

Walzer und Tango

Umrahmt wurde der Vortrag von Musik aus Profihand. Die Lachmuskeln brauchten ja zwischendurch eine Entspannung. Tatjana Schlegel (E-Piano), Julian Erhardt (Perkussion) und Wolfgang Joho (Geige) verwöhnten das Publikum mit Walzern und Tango, bearbeitet oder von Wolfgang Joho selbst komponiert, mit Dvorak und Bartoks »Rumänischen Tänzen«, wunderbar gespielt.

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