Kehl

Musiker erklären Kehler Kindern klassische Musik auf spielerische Art

Ellen Matzat Sauter
Lesezeit 4 Minuten
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29. November 2022
Mit Witz, Charme und einer „Alles-Kopiermaschine“ bringen die Darsteller den Kindern klassische Musik und Instrumente näher.

Mit Witz, Charme und einer „Alles-Kopiermaschine“ bringen die Darsteller den Kindern klassische Musik und Instrumente näher. ©Ellen Matzat-Sauter

Ein Genuss für große und kleine Musikliebhaber war das ungewöhnliche und lustige Kinderklassikkonzert „Klariboe, Fanette und Ogott“ mit Niels Kaiser und dem Trio Lèzard am ersten Adventssonntag im Kehler Kulturhaus.

„Hurra, hurra, die Maschine ist fertig“, ruft Niels Kaiser, der erste Erfinder der „Alles-Kopiermaschine“ nach dem „Trio“ von Georges Auric ins Publikum und hofft sehr, dass sie auch funktioniert. Auf die Idee kommt er, weil er am Abend zuvor bei sich zu Hause das Pipi-Langstrumpf-Lied auf dem Keyboard spielen wollte, das als roter Faden durch das musikalisch hochkarätige Konzert führt, bei dem es zur Auflockerung auch viel zu lachen gibt.

Dummerweise stolpert Niels über das Stromkabel und reißt es aus dem Keyboard. „Jetzt geht es nicht mehr, denn ohne Strom macht es keine Musik“, erklärt er den Kindern. Aus Langeweile baut er seine Maschine. Als erstes will er sich etwas zu essen kopieren und stößt dabei auf die drei nebenan sitzenden „Typen“, das berühmte Trio Lézard mit Stéphane Egeling (Oboe), Locke oder Stefan Hoffmann (Fagott) und Jan Creutz (Klarinette), das auch hungrig ist. Niels wird auf deren Holzblasinstrumente neugierig und kann nicht glauben, dass sie ohne Strom funktionieren. „Da ist bestimmt ein Akku oder Subwoofer integriert“, bringt er das Publikum zum Lachen.

Die Kinder helfen ihm auf die Sprünge und erklären ihm dass man „reinpusten muss und sie mit Luft laufen“. Das gefällt dem Erfinder, und er leiht sich Stéphanes Oboe zum Kopieren. „Nur schnell einscannen, also mit einem Laserstrahl abtasten“, beschwichtigt Niels den erschrockenen Musiker, der Angst um sein Instrument bekommt.

Nach dem Programmieren wird die Maschine unter dem Kommando der Kinder gestartet. Heraus kommt tatsächlich eine neue Holztute, die allerdings mit krummen Reinblasteil und dickem Bauch etwas anders aussieht und Englisch Horn heißt – eine Verwandte der Oboe mit tieferem und dunklerem Klang. In der Triosonate in Es-Dur von Johann Sebastian Bach können die Besucher sie genießen. Da Niels keine ähnlichen Instrumente, sondern gleiche Instrumente kopieren will, möchte er alles über sie wissen und erfährt, dass durch Luft und ein Rohrblatt aus Schilf ein Ton entsteht. Weniger prickelnd findet er, dass man dieses mit Spucke feucht halten muss. „Da bleibe ich vielleicht doch lieber bei meinem Stromfresser-Keyboard, bei dem ich nicht erst die Tasten ablecken muss, damit ein Ton rauskommt“, feixt er.

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Er gibt den Holzblasinstrumenten noch eine Chance und versucht Jans nette Klari zu kopieren. Heraus kommt eine längere Bass-Klarinette. „Je länger das Rohr in der Klari, desto tiefer“, stellt Niels fest. Die tiefere Klari kommt in der Suite 1 aus „The Flat Consort“ von Matthew Locke aus dem 17. Jahrhundert zur Geltung.

Beim nächsten Kopierversuch wird aus Lockes Ogott ein Kontra-Fagott, das mit fünf Metern Rohrlänge das tiefste Instrument auf der Bühne. Mit einem 1,40 Meter langen Aufsatz wird es noch tiefer. Nach einer Maschinenreparatur, die mit einem Pflaster für den Erfinder endet, will Nils endlich Kopien herstellen, die genauso aussehen wie das Original. Es geht wieder schief, und heraus kommen anstatt der modernen Instrumente mit Klappen alte Instrumente ohne Klappen, wie sie vor 250 Jahren ausgesehen haben. Mit ihnen kommt das Terzetto 16 in C-Dur aus 30 Terzetti von Wolfgang Amadeus Mozart zu Gehör.

Etwas frustriert versucht sich Niels am Ende selbst zu kopieren. Heraus kommt, zur Freude der Kinder, ein roter 30 Zentimeter großer Gummibär, der mit lauter kleinen Verwandten gefüllt war. Nach dem Tango von Etienne Herse, zu dem der Gummibär sich in einen Tanzbär verwandelte, dürfen die Kinder beim Futtern der Gummibärchen helfen und sich die Instrumente sowie die Alles-Kopiermaschine von innen ansehen, was sehr gut ankommt.

„Das war toll“, freut sich Klara Dubost (5) aus Straßburg. Begeistert, vor allem von der tollen Kopiermaschine, sind auch die Schwestern Luna (13) und Kira Prazak (11) aus Offenburg. „Das war sehr niveauvoll, lehrreich und unterhaltsam, eine tolle Abwechslung zum Comicfilmen“, lobt Ellen Hilzinger aus Willstätt, die mit ihren Enkelinnen Amelie und Merle da ist.

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