Willstätt - Eckartsweier

"Mutter der Partnerschaft" Eckartsweier-Jerking ist tot

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24. März 2020

Annette Leidiger rechts) 2005 bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes in Baden-Baden zusammen mit der damaligen Oberbürgermeisterin Sigrun Lang. ©Gemeinde Willstätt

Die Gemeinde Willstätt und die Ortschaft Eckartsweier trauern um Annette Leidiger. Die ehemalige Lehrerin der Landwirtschaftlichen Fachschule von Offenburg gilt als Initiatorin der Partnerschaft mit Jerking in Ungarn. Vor kurzem ist sie in Baden-Baden gestorben. 

Györköny, wie Jerking auf Ungarisch heißt, ist ein kleines Dorf mit etwa 1000 Einwohnern, das fernab jeglicher Industrie und Touristik, fernab der Hauptstadt Budapest und des Plattensees liegt. Seine Einwohner sind zum großen Teil Nachfahren früherer deutscher Einwanderer aus Donauschwaben, die dort vor etwas mehr als 300 Jahren angesiedelt wurden. Sie sprechen heute noch vielfach ein nach der Herkunft der Ahnen mundartlich gefärbtes Deutsch.

Gebürtige Westfälin

Annette Leidigers Engagement für die Partnerschaft entwickelte sich aus ihrem beruflichen Werdegang heraus. Die 1929 in Dortmund geborene Annette Leidiger, die in Posen aufwuchs, hatte nach einer Lehrzeit auf einem Bauernhof im Münsterland ein landwirtschaftliches Fachstudium begonnen – zunächst an der neuen Landwirtschaftsschule in Stockach, später in München und schließlich an der Landwirtschaftsschule in Engen. Die nächsten Stationen waren Freiburg, Waldshut und Donaueschingen. Im Juni 1960 war sie als Referatsleiterin an der neuen Landwirtschaftsschule in Kehl tätig, ab 1974 im Landwirtschaftsamt Offenburg.

Dorfentwicklungsplan für Jerking

Nachdem sie als Oberlandwirtschaftsrätin pensioniert worden war, arbeitete Annette Leidiger beim Aufbau der Verwaltung des Sächsischen Staatsministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten mit. 1994 erarbeitete sie im Auftrag der EU einen Dorfentwicklungsplan für Jerking – das erste Projekt dieser Art in Ungarn.

Fünfmal im Jahr nach Ungarn

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Daraus entwickelte sich ihr Engagement: Sie organisierte Hilfstransporte und Eigentransporte von Kleidung und Berufsgütern nach Jerking, sammelte für Schulen, Kindergärten und das Kulturhaus. Bis zu fünf Fahrten mit zweiwöchigen Aufenthalten unternahm sie jährlich.

Und sie begann, sich für eine Verbindung zwischen Eckartsweier und Jerking einzusetzen. Mit Hilfe von Ernst Körkel, einem ehemaligen Arbeitskollegen vom Landwirtschaftsamt aus Eckartsweier, knüpfte sie Kontakte zum damaligen Ortsvorsteher Helmut Beinert und zu den Eckartsweierer Vereinen. 

Erste Kontakte 1995

Ende 1995 konnten erste Kontakte Richtung Ungarn geknüpft werden. Seitdem hat sich die Beziehung zwischen Eckartsweier und Jerking ständig erweitert. Am 1. November 1997 wurde in Ungarn die Partnerschaft offiziell besiegelt und ein Jahr später in Eckartsweier mit einem fröhlichen Fest bestätigt. 2017 wurde das 20-jährige Bestehen der Partnerschaft in Eckartsweier gefeiert. Und ein Jahr später reiste eine Delegation aus Eckartsweier nach Jerking in Ungarn, um zusammen mit den Menschen die 300. Wiederkehr der deutschsprachigen Besiedelung ihres Dorfes zu feiern.

Als „Mutter der Partnerschaft“ hat Annette Leidiger alles eingefädelt und „bis ins hohe Alter engagiert und liebevoll begleitet“, heißt es aus dem Willstätter Rathaus. Für ihr unermüdliches Engagement in Sachen Völkerverständigung erhielt sie Anfang 2005 die Verdienstmedaille der Gemeinde Willstätt und später im Jahr in Baden-Baden das Bundesverdienstkreuz.

Annette Leidiger engagierte sich auch sonst intensiv im sozialen Umfeld. So baute sie unter anderem die kirchliche Sozialstation Kehl auf. Auch in der Lebenshilfe war sie ehrenamtlich tätig. 

Annette Leidiger wurde 91 Jahre alt.

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