Kehl

Nabu-Helfer schützen Erdkröten

Autor: 
Ellen Matzat
Lesezeit 3 Minuten
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24. Februar 2016

Nabu-Mitglieder bei der Arbeit. ©Ellen Matzat

Das Amphibienleitsystem zwischen Bodersweier und Legelshurst wurde von Naturschützern von allerhand Unrat gereinigt. Jetzt können Kröten mit ihrer Wanderung beginnen.

Mitglieder des Naturschutzbunds Nabu haben am Wochenende das Amphibienleitsystem an der Kreisstraße zwischen Bodersweier und Legelshurst von Laub, Grund und Ästen befreit, um den Erdkröten den gefahrlosen Weg zum Laichgewässer, dem sogenannten Panzergraben, freizumachen. Denn sobald die Temperaturen tagsüber über zehn Grad klettern und nachts nicht mehr unter fünf Grad Celsius fallen, kann die Krötenwanderung jederzeit explosionsartig losgehen. Rund 500 Erdkröten machen sich dann teilweise über eine Strecke von zwei bis drei Kilometer auf den Weg aus dem Wald zum Laichgewässer. Dazwischen liegt die Kreisstraße. 

Vor über 25 Jahren, als das Leitsystem mit Halbschalenrohren gelegt wurde und die Kröten drei Doppeltunnel (für Hin- und Rückweg) sowie zwei einfache Tunnel gelegt bekamen, wanderten noch mehr als 2000 Tiere zum Laichen. 
So reinigten am Freitagnachmittag Nabu-Chef Gérard Mercier, seine Frau Irmtraut, Birgitt Mylo, Janine Pattou, Uwe Heinecke, Ursula Horn, Michael Galanski sowie die beiden Jugendlichen Konrad und Louis Barboutie die Rinne auf der Waldseite, die für den Hinweg benutzt wird. 

In vier Arbeitsgängen wurde auf circa 200 Metern das Laub mit dem Rechen entfernt, der Rand saubergeschnitten, die Erde rausgeschaufelt und die Rinne ausgefegt, damit die Kröten nicht mehr entrinnen können und gezwungen sind, sich im Leitsystem den Weg zu suchen. Da die Kröten es aber dennoch oft schaffen, die Barriere zu überwinden und den kürzesten Weg über die Straße wählen, geht Mercier in der Krötenwanderzeit, die meist rund 14 Tage dauert, jeden Abend gegen 22 Uhr mit Eimer und Taschenlampe hinaus, um die Tiere einzusammeln und sicher über die Straße zu bringen. 

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»Die Autos machen trotz Beschilderung nicht langsam, und ein einziges kann gleich 50 Tiere überfahren«, erklärte er die Notwendigkeit seiner Aktion. Da auf acht Männchen nur ein Weibchen komme, sei das Überfahren eines Weibchens besonders tragisch, sagte er. Von den rund 500 wandernden Kröten finden trotz aller Mühen rund 100 Tiere den Tod unter den Autoreifen. Sehr tragisch sei auch der Laichplatz am Hans-Hurst-See in Legelshurst, erklärte er, wo sehr viele Kröten wandern und die Straße während der Wanderzeit von platten Kröten übersät ist. Leider sei es anscheinend nicht möglich, den Weg in der kritischen Phase für Autos zu sperren, so Mercier – obwohl er schon viele Anläufe unternommen habe. 

Mit Eifer bei der Sache 

Bei der Reinigungsaktion am Wochenende freute er sich über die vielen neuen Helfer wie die 15-jährigen Zwillinge Konrad und Louis Barboutie, die mit Feuereifer bei der Sache waren und am Samstag gleich wieder dabei sein wollten, um die Rinne für den Rückweg zu säubern. »Wir wohnen nun schon seit sechs Jahren in Kehl und wollen uns gerne in der Natur engagieren«, sagen sie. 

Gérard Mercier erklärte nach getaner Arbeit bei Kaffee, Saft und süßen Teilchen, was es in der idyllischen Ecke am Panzergraben noch alles zu entdecken gibt. So könne man den Schwarzspecht hören, Graureiher, Silberreiher, Nilgänse, Stockenten und Kormorane beobachten, Kiebitz und Brachvogel würden dort brüten, und die Fledermäuse seien hier auch zuhause. Dazu gibt es am Ende der Sommerferien jährlich eine Aktion. Interessierte und Helfer sind jederzeit willkommen und können sich unter • 0 78 52/21 96 melden.

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